Entscheidungen über Leben und Tod

„Wenn der Algorithmus über Leben und Tod entscheidet“ lautet der Titel eines Beitrags von Joachim Laukenmann, erschienen am 7. Februar 2016 in der Sonntagszeitung. Von Carlo Stanga stammt die Illustration zum Roboterauto-Dilemma. Der Beitrag ist ausführlich und fachlich auf hohem Niveau. Eingefangen werden die Stimmen verschiedener Experten. Sepp Huber, Leiter Mediendienst von Swisscom, erklärt, dass autonome Fahrzeuge viele Fragen aufwerfen werden, „die wir als Gesellschaft klären müssen“. „Eine Programmierung des Systems im Sinne einer Entscheidung für einen Menschen und damit gegen einen anderen ist im deutschen Rechtssystem und auch in anderen Ländern rechtlich gar nicht zulässig“, sagt Klaus Schartel, Leiter Legal Mergers und Acquisitions/Kooperationen bei der Daimler AG. Sabine Gless, eine Basler Professorin, die sich mit Roboterrecht beschäftigt, weist auf die Notwendigkeit neuer Haftungskonzepte hin. Prof. Dr. Oliver Bendel, der als Maschinenethiker selbst moralische Maschinen konzipiert, warnt vor einer Einseitigkeit bei Modellen normativer Ethik. Auch rät er davon ab, die Maschinen über Leben und Tod von Menschen entscheiden zu lassen. Seine Forschung konzentriert sich auf Tiere. Die Illustration führt das Dilemma, das bei einem Bremsenversagen entstehen kann, eindrücklich vor Augen. Der Artikel kann hier als PDF heruntergeladen werden. Das Copyright liegt bei der Sonntagszeitung.

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Abb.: Das klassische Trolley-Problem kann ins Informationszeitalter übertragen werden

Woche des Gehirns

In der „Woche des Gehirns 2016“ an der Universität Bern finden laut Website vier Abendforen statt. Gestartet wird am Montag, den 14. März 2016 mit dem Thema „Häufig im Erwachsenenalter – selten im Kindesalter“, wobei vor allem Multiple Sklerose, Schlaganfälle und Schlafstörungen unter die Lupe genommen werden. Am Dienstag (15. März) widmet man sich dem Thema „Sekundenschlaf am Steuer“. Es referieren Dr. Matthias Pfäffli (Rechtsmedizinisches Institut, Universität Bern), Prof. Dr. Johannes Mathis (Schlaf-Wach-Zentrum des Inselspitals, Universität Bern) und – zu den Chancen und Risiken von Fahrerassistenzsystemen – Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW). Die Veranstaltungen am Mittwoch (16. März) werden zusammen mit der Schweizerischen Epilepsie-Liga durchgeführt, zum Thema „Epilepsie und psychische Störung“. Der Donnerstag (17. März) steht im Zeichen der Depression und wird vom Berner Bündnis gegen Depressionen mitgestaltet. Weitere Informationen können dem Flyer entnommen werden.

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Abb.: Das Gehirn hängt mit allem zusammen

Expertenbeiratssitzung zum Projekt QuartrBack

Das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) in Karlsruhe erforscht nach eigenen Angaben wissenschaftliche und technische Entwicklungen in Bezug auf systemische Zusammenhänge und Technikfolgen. Angesiedelt ist es am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Am 5. Februar 2016 fand am ITAS die zweite Sitzung des Expertenbeirats zum BMBF-Projekt QuartrBack statt. Ein technisches Entwicklungsziel ist die Programmierung einer Software, die in Echtzeit für jeden Benutzer – etwa einen Dementen – Risiken in seinem individuellen Sozialraum identifiziert und darauf aufbauend Bereiche definiert, in denen er sich risikoarm bewegen kann. Zudem erfolgt der Einsatz von miniaturisierten Ortungssendern, die – Stichwort Wearable Computing – in einer Uhr, im Gürtel oder im Schuh untergebracht werden können. Im Expertenbeirat findet laut Website der interdisziplinäre Diskurs statt, der den gesamten Projektprozess begleitet und der unter anderem die Kriterien für die Prototypen- und Feldtests entwickelt. Die wissenschaftliche, philosophische Ethik wird von Dr. Daniela Ringkamp (Institut für Philosophie der Universität Magdeburg) und Prof. Dr. Oliver Bendel (Institut für Wirtschaftsinformatik der Hochschule für Wirtschaft FHNW) vertreten. Weitere Informationen über http://www.quartrback.de/index.php?id=1.

Umweltfreundliche Roboterautos

Im Studiengang Energie- und Umwelttechnik der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, von der Hochschule für Technik verantwortet und von der Hochschule für Wirtschaft mitgetragen, wurde im Januar 2016 das Projekt „Umweltfreundliche Roboterautos“ beendet. Der Student Robin Güdel, betreut von Prof. Dr. Oliver Bendel (in diesem Studiengang der Dozent für Umwelt- und Unternehmensethik), hat zunächst fünf Fahrerassistenzsysteme bzw. Kommunikationsverfahren untersucht. Es habe sich „herausgestellt, dass die Energieeffizienz beträchtlich erhöht werden kann“ (Abschlussbericht). „Auch Emissionen wie Lärm, CO2 und andere Schadstoffe können dank dieser Systeme gesenkt werden. Die effektiven Einsparungen sind jedoch schwer zu quantifizieren, da diese von vielen Einflussfaktoren abhängen.“ (Abschlussbericht) Im Anschluss wurden Roboterautos unter die Lupe genommen. Ein Ergebnis war, dass neue Konzepte für die Nutzung des Automobils entstehen könnten. Beim „Carsharing der Zukunft“ handle es sich um eine Dienstleistung, bei welcher man mit Hilfe autonomer Fahrzeuge am Standort A abgeholt und zum Standort B transportiert wird. „Falls eine solche Dienstleistung stark genutzt wird, könnten viele Konsumenten von dem Besitz eines eigenen Fahrzeugs absehen.“ (Abschlussbericht)

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Abb.: Laufen ist noch umweltfreundlicher

Maschinen mit Moral?

Das Deutsche Ärzteblatt, begründet 1872, bringt in der Ausgabe 4 vom 29. Januar 2016 auf den Seiten 122 bis 126 einen Artikel mit dem Titel „Roboterethik: Maschinen mit Moral?“. Die Autorin Heike E. Krüger-Brand hat die Tagung „Roboterethik“ in Berlin besucht (Veranstalter waren Daimler und Benz Stiftung sowie ceres) und fasst die Vorträge von Prof. Dr. Christian Woopen, Prof. Dr. Alin Albu-Schäffer, Prof. Dr. Jochen Steil, Prof. Dr. Oliver Bendel, Prof. Dr. Catrin Misselhorn und Prof. Dr. Norbert Lammert zusammen. Bei der Definition der Maschinenethik wird auf maschinenethik.net verwiesen. Die Empfehlung des Bundestagspräsidenten wird wie folgt zitiert: „Politik sollte den Entwicklungen auf der Spur bleiben, aber auch so souverän sein, Entwicklungen zu korrigieren, bei denen sich herausstellt, dass die damit verbundenen Hoffnungen übertrieben und die Risiken eher unterschätzt worden sind.“ (Deutsches Ärzteblatt, 29. Januar 2016) Der Artikel ist auch online erschienen und kann über www.aerzteblatt.de/archiv/173667/Roboterethik-Maschinen-mit-Moral abgerufen werden.

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Abb.: Roboter mit Moral?

Es singen die Maschinen

„Seit es Autos gibt, werden sie besungen.“ Mit diesen Worten beginnt ein Artikel von Oliver Bendel, der am 31. Januar 2016 in der Zeitschrift SenLine erschienen ist. „Mercedes Benz“ von Janis Joplin sei einer breiten Öffentlichkeit bekannt, „Wir fahren Manta, Manta“ von den Ärzten eingeweihten Kreisen. Aus den Werken von Chuck Berry ließe sich, so der Verfasser, ein Soundtrack für die Straße mischen. Die Berliner Band 2raumwohnung habe 2004 das Album „Es wird Morgen“ veröffentlicht, mit dem wenig beachteten Lied „Jemand fährt“. „Das war ein paar Jahre nach dem ersten iPod und ein paar vor dem ersten iPhone. Vom Google-Auto hat noch niemand gesprochen.“ In einer Strophe heißt es: „Alles, was klingt, ist Musik./Es singen die Maschinen/auf der stark befahrenen Autobahn/oder auf geraden Schienen.“ Im Folgenden verflicht Oliver Bendel das visionäre Lied mit einer Geschichte zu einer Testfahrt mit dem Model S von Tesla, das einen Autopiloten besitzt. Der Artikel kann über www.senline.ch/es-singen-die-maschinen-id1171 kostenlos heruntergeladen werden. Für die Zeitschrift, die Prof. Dr. Helmut Bachmaier herausgibt, haben schon Prof. Dr. Ernst Peter Fischer und Prof. em. Dr. Helmut Weidhase geschrieben.

Berechnete Tiere

Der Workshop „Berechnete Tiere: Technik und Verdatung in den Human-Animal Studies“ (Teil des DFG-Projekts „Das verdatete Tier“) findet vom 22. bis 23. April 2016 im Blue Square Bochum statt. Veranstaltet wird er von Ina Bolinski und Prof. Dr. Stefan Rieger von der Ruhr-Universität Bochum. Im Flyer werden Hintergrund und Intention beschrieben: „Der Workshop möchte mit den berechneten Tieren einerseits solchen Wesen nachspüren, die ihre Existenz technischen Verfahren verdanken und ihren Ursprung im Computer haben. Andererseits sollen auch Tiere, die aufgrund von verschiedenen Techniken zu ‚verdateten Tieren‘ oder durch technische Apparaturen selbst zum Datengenerator werden, im Fokus stehen. Mit der Fügung der berechneten Tiere werden somit zwei aktuell entfernte Topoi bemüht: Das Tier, das als Verkörperung natürlicher Intuition und vom Instinkt geleitet gilt, gerät im Modus des Berechnens an Konzepte von Rationalität und an die Möglichkeit der Verkörperung in und durch technische Prozesse. Zu fragen ist daher, in welchem Verhältnis Tier und Technik zueinander stehen.“ Oliver Bendel (Brugg-Windisch) stellt „Überlegungen zur Disziplin der Tier-Maschine-Interaktion“ an, Thomas Schmickl (Graz) geht auf „Biohybrid systems – Tiere, Pflanzen, Roboter, Agenten und Algorithmen“ ein, Sibylle Hahshold (Graz) erzählt „Von Bienen, Robotern und Algorithmen“. Weitere interessante Vorträge erwarten das Publikum, das sich einbringen darf und soll. Es wird um Anmeldung per E-Mail an ina.bolinski(a)rub.de bis zum 15. April 2016 gebeten. Der Flyer kann hier heruntergeladen werden.

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Abb.: Kondensatoren oder Lebewesen?

The fusion of animal and machine ethics

Der Artikel „Considerations about the relationship between animal and machine ethics“ von Oliver Bendel ist im Januar 2016 in der gedruckten Version der Zeitschrift Artificial Intelligence & Society erschienen. Er stellt Tierethik und Maschinenethik in einen Zusammenhang. Im Abstract heißt es: „Ethics researches morality in respect to humans and animals. Usually, it implies human morality; therefore, the focus is on human-human relationships (generally in ethics) and human-animal relationships (in animal ethics). Ethics can also deal with the morality of machines such as unmanned aerial vehicles, robots and agents or of self-driving cars and computers in automated trading, in other words more or less autonomous systems and programs.“ Auf solche Systeme wird eingegangen, aber nicht im Verhältnis zum Menschen, sondern zum Tier. Und das ist innerhalb der Maschinenethik immer noch – die Onlineversion ist bereits 2013 erschienen – neu. Am Rande wird eine Disziplin der Tier-Maschine-Interaktion (Animal-Machine Interaction) vorgeschlagen. Diese wird im Beitrag „Überlegungen zur Disziplin der Tier-Maschine-Interaktion“ näher diskutiert und im April auf einem Workshop an der Universität Bochum im Rahmen des DFG-Forschungsprojekts „Das verdatete Tier“ vorgestellt. „Considerations about the relationship between animal and machine ethics“ kann über die Website von Springer heruntergeladen werden.

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Abb.: Soll das Auto für die Kuh bremsen?

Jenseits von Davos

Sonja Striegl von SWR2 war am 20. Januar 2016 im Gespräch mit Prof. Dr. Oliver Bendel. Anlass war das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos. Dort wird die vierte industrielle Revolution verhandelt. Titel von Veranstaltungen waren beispielsweise „The Internet of Things Is Here“ und „Life in 2030: Humankind and the Machine“. Die Moderatorin fragte den gleichaltrigen Ethiker und Wirtschaftsinformatiker von der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW – beide sind Jahrgang 1968 und haben die Ausbreitung des Internets und die Fortschritte bei der Robotik bewusst miterlebt – nach Entwicklungen bei selbstständig fahrenden Autos und bei Pflegerobotern. Oliver Bendel erläuterte, wie diese teilautonomen und autonomen Systeme, wenn sie auf sich gestellt sind, entscheiden und handeln und wie man sie im Vorhinein „moralisieren“ kann. Der mehrminütige Beitrag mit dem Titel „Bis dass die Software Euch scheidet“ kann über die Website des Senders angehört werden.

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Abb.: Der Arbeiter der Zukunft?

Der Roboter als Freund oder Feind

Die Industrieroboter verlassen – mit dieser Schilderung beginnt der Artikel „Mein Kollege, der Robot“ – die Schutzräume und Fertigungsstraßen. „Sie bewegen sich durch die Hallen, auf festgelegten Spuren oder nach ihrem eigenen Plan. Sie arbeiten in Kooperationszellen eng mit Menschen zusammen. Und sie schauen uns zu, wie wir etwas machen – und machen es nach.“ Oliver Bendel stellt dar, wie die Industrie 4.0 funktioniert, was in der intelligenten Fabrik passiert und wie sich darin der Roboter verändert. Auch die Perspektive der Ethik wird eingenommen. Die Gesellschaft müsse „entscheiden, ob Roboter uns nicht nur unterstützen, sondern auch ersetzen sollen“. „Reflexionen aus Technik- und Informationsethik mögen ihr dabei helfen.“ Schon davor wird die Maschinenethik gestreift: „Die Maschinenethik interessiert sich für moralische Maschinen, zum Beispiel für Apparaturen, die bestimmte moralische Regeln einhalten oder bestimmte Folgen mit moralischen Implikationen voraussehen können.“ Der Beitrag, der am 18. Januar 2016 in der UnternehmerZeitung erschienen ist, kann kostenlos als PDF heruntergeladen werden.

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Abb.: Die vierte industrielle Revolution wird Arbeitsplätze kosten