VDI-Konferenz zu humanoiden Robotern

Die 2. VDI-Konferenz „Humanoide Roboter“ am 5. und 6. Dezember 2017 beschäftigte sich wieder – wie die 1. VDI-Konferenz mit diesem Titel – mit „dem Menschen nachempfundenen Robotern“ (Website VDI). Am 6. Dezember 2017 sprach Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW) über „SSML für humanoide Serviceroboter“. Es ging darum, wie man künstliche Stimmen so manipuliert, dass sie z.B. zu Informations- und Navigationsrobotern passen. Am Rande stellte er auch Fragen aus der Ethik heraus, etwa mit Blick auf die Stimmen von Pflegerobotern. Der Postprint kann hier heruntergeladen werden. Es folgte Dr.-Ing. Hendrik Wöhrle vom DFKI mit einem Vortrag über „Eingebettete Biosignalverarbeitung und integrierte Regelung eines Ganzkörper-Exoskelettes für die Neuro-Rehabilitation“. Der Moderator, Prof. Dr. Frank Kirchner vom DFKI, ging zusammen mit dem jungen Wissenschaftler auf Fragen aus dem Publikum ein. Prof. Dr. Elisabeth André (Universität Augsburg) referierte dann zur „Personalisierung der Mensch-Roboter-Interaktion durch sozialsensitives Lernen“. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz hatten sich an beiden Tagen interessiert an ethischen Fragestellungen gezeigt. Dem soll bei der nächsten Durchführung verstärkt Rechnung getragen werden.

Abb.: Ein humanoider Roboter?

 

Pflegeroboter aus ethischer Sicht

Die 9. Landesenquete am 28. November 2017 in Kärnten widmet sich dem Thema „Menschen mit Behinderung und Robotics 4.0: Chancen & Risiken“. Prof. Dr. Robert Riener von der ETH Zürich spricht über „Robotik für Therapie und Assistenz – Möglichkeiten und Chancen“, Univ.-Doz. DI Dr. Michael Hofbaur von der Joanneum Research Forschungsgesellschaft über „Sichere Roboter – Herausforderungen im Kontext mit Menschen mit Behinderung“. Prof. Dr. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW geht auf „Assistenzsysteme und Pflegeroboter aus ethischer Sicht“ ein. Robert Riener hatte 2016 in Zürich den Cybathlon ausgerichtet, dessen Bilder um die ganze Welt gingen, Oliver Bendel als Ethiker den Wettkampf vor der Kamera kommentiert. Auf der Website der Stadt Villach heißt es: „Im Verlauf unserer Tagung wollen wir gemeinsam in die Zukunft blicken und uns mit der Frage beschäftigen, wie Roboter das Leben von Menschen mit Behinderung verändern können. Bringen diese modernen Technologien nur Vorteile oder gibt es auch ethische Aspekte zu berücksichtigen?“ Wichtig ist die Bemerkung, dass auch aus ethischer Perspektive Vorteile ausgemacht werden können – diese wird Oliver Bendel in seinem Vortrag ebenso wie die Nachteile darstellen.

Formalising Robot Ethics

Prof. Dr. Oliver Bendel was invited to give a lecture at the ISAIM special session „Formalising Robot Ethics“. „The International Symposium on Artificial Intelligence and Mathematics is a biennial meeting that fosters interactions between mathematics, theoretical computer science, and artificial intelligence.“ (Website ISAIM) Oliver Bendel will present selected prototypes of moral and immoral machines and will discuss a project planned for 2018. The GOODBOT is a chatbot that responds morally adequate to problems of the users. It’s based on the Verbot engine. The LIEBOT can lie systematically, using seven different strategies. It was written in Java, whereby AIML was used. LADYBIRD is an animal-friendly robot vacuum cleaner that spares ladybirds and other insects. In this case, an annotated decision tree was translated into Java. The BESTBOT should be even better than the GOODBOT. Technically everything is still open. The ISAIM conference will take place from 3 to 5 January 2018 in Fort Lauderdale, Florida. Further information is available at isaim2018.cs.virginia.edu/.

Fig.: What should she be able to do?

Berliner Konferenz zum automatisierten Fahren

ver.di (Fachbereich Verkehr) lädt ein zur „ÖPNV Betriebs- und Personalrätekonferenz“ vom 23. – 24. November 2017 in Berlin. Am ersten Tag referieren u.a. Dr. Norbert Huchler, ISF München („ÖPNV 4.0: Auswirkungen auf Arbeitsbedingungen und Beispiele aus der Praxis“), Stefan Roebrocks, Betriebsratsvorsitzender ASEAG Aachen („Praxisbeispiel automatisierter Busverkehr“) und Prof. Dr. Oliver Bendel, Hochschule für Wirtschaft FHNW („Sollten autonome Fahrzeuge moralische Maschinen sein? Wer entscheidet in der Zukunft?“). „Im Fachbereich Verkehr arbeiten die Spezialistinnen und Spezialisten des Transportsektors. Sie kümmern sich um alle anstehenden Fragen. Egal, ob es um die Interessen der Beschäftigten des öffentlichen Straßenpersonenverkehrs, der Binnenschifffahrt, der Seeschifffahrt, bei Taxiunternehmen, in privaten Busbetrieben, bei Eisenbahnunternehmen (außer DB AG), der Flughafen- und Verkehrsfluggesellschaften sowie der See- und Binnenhäfen geht.“ (Website ver.di) Weitere Informationen über https://verkehr.verdi.de/.

Abb.: In Berlin unterwegs

Gegen das Moralisieren

Über moralische und unmoralische Maschinen diskutierte Christoph Kucklick, Chefredakteur von GEO, mit Oliver Bendel, Maschinenethiker und Informationsethiker am 14. November 2017 im KörberForum in Hamburg. „Selbstfahrende Autos, Pflegeroboter, smarte Helfer: In unserem Alltag treffen wir auf immer klügere Maschinen. Über ein Bewusstsein oder eigenen Willen verfügen sie zwar nicht, dennoch nehmen sie uns immer mehr Entscheidungen ab. Das wirft auch moralische Fragen auf. Soll das Auto in einem Unfall eher die Insassen schonen oder die Fußgänger am Straßenrand? Darf ein Roboter lebenserhaltende Maschinen abschalten, wenn der Patient das wünscht?“ So die Ankündigung der Körber-Stiftung auf www.koerber-stiftung.de. Der Saal war voll besetzt, das Gespräch intensiv. Es dauerte zwei Stunden, und danach war Raum für zahlreiche Fragen aus dem Publikum. Oliver Bendel stellte klar, dass er als Ethiker kein Interesse am Moralisieren hat (nur am „Moralisieren“ von Maschinen), sondern an dem, was das Gute und das Böse ausmacht. Er entwickelt im Labor sowohl moralische als auch unmoralische Maschinen, sozusagen Artefakte der Maschinenethik, die er dann erforscht.

Der neue Pflanzencyborg des MIT

Der FLORABORG wurde 2015 von Oliver Bendel erdacht. Eine Pflanze dient als Biosensor und meldet über entsprechende Schnittstellen die Trockenheit an ein Smartphone. Dieses steuert Fächer, die mit der Pflanze verbunden sind und diese beschatten sowie Kondenswasser sammeln können. Die Idee war dabei, einen Pflanzencyborg zu entwickeln, und nicht unbedingt ein sinnvolles Bewässerungs- und Schutzsystem. Oliver Bendel lehnt Tiercyborgs wie RoboRoach ab, zudem die meisten Formen von Animal Enhancement. Gegen Pflanzencyborgs hat er nichts. In diese Richtung geht nun auch das MIT. Die ICTkommunikation vom 13. November 2017 meldet: „Landwirte, Betreiber von Treibhäusern und Blumenliebhaber erhalten künftig von ihren Pflanzen SOS-Signale, wenn diese zu wenig Wasser haben. Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben hierzu einen Sensor entwickelt, der Wassermangel von Pflanzen detektiert. Die Warnung landet auf einem Smartphone, sodass rechtzeitig gewässert werden kann.“ MIT-Professor Michael Strano und sein Assistent Volodymyr Koman stecken hinter der Erfindung. Letzterer sagt, dass der Sensor eine große Bedeutung bekommen wird „in einer Zeit des Klimawandels, der zu Wassermangel und steigenden Temperaturen führt“ (ICTkommunikation, 13. November 2017). Ob dieses System sinnvoll ist, muss sich zeigen.

Abb.: Der FLORABORG

Robotik und Gesundheit

Bei einer Abendveranstaltung der Organisation der Arbeitswelt (OdA) Gesundheit Bern referierte am 8. November 2017 Prof. Dr. Oliver Bendel zu Operations-, Therapie- und Pflegerobotern. Dabei nahm er sowohl die Perspektive der Informationsethik als auch der Maschinenethik ein. Aus der Maschinenethik heraus fragte er: Soll der Pflegeroboter deutlich machen, dass er nur eine Maschine ist? Muss er die Bedürfnisse und Parameter der Patienten berücksichtigen? Wie soll er auf Verunsicherung und Angst reagieren? Wie soll er sich bei Dilemmata verhalten, etwa wenn mehrere Personen gepflegt werden sollen? Wie soll er reagieren, wenn der Patient will, dass er ihn tötet? Am Ende fasste er zusammen: „Zum Teil stellen sich zu Operations-, Therapie- und Pflegerobotern aus den Bereichsethiken heraus ähnliche Fragen, etwa nach der Verantwortung, zum Teil auch unterschiedliche Fragen. Weitere Fragen kann man aus der Maschinenethik heraus aufwerfen. Sie beziehen sich darauf, welche moralischen Fähigkeiten man den Maschinen mitgeben soll.“ Weitere Informationen finden sich hier.

Abb.: Werden Pfleger und Ärzte unterstützt oder verdrängt?

Artificial Intelligence & Robotics

Die Handelsblatt-Jahrestagung „Strategisches IT-Management“ findet vom 15. bis 17. Januar 2018 in München statt. Die erste Keynote hält Dr. Helmuth Ludwig (Global Head of Information Technology, SIEMENS AG) zum Thema „Digitalisierung verändert alles“. „Geschäftsmodelle und ganze Branchen wandeln sich exponentiell. Das Fahrwasser für die IT-Organisation ist stürmisch.“ (Website Handelsblatt-Tagung) Das Grußwort stammt von Dr. Markus Söder, MdL, Bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat. Referenten im Themenbereich „Artificial Intelligence & Robotics“ sind u.a. Prof. Dr. oec. HSG Oliver Bendel (Professor für Wirtschaftsinformatik, Informationsethik und Maschinenethik, Hochschule für Wirtschaft FHNW), Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf (Leiter der Forschungsstelle RobotRecht, Julius-Maximilians-Universität Würzburg), Dr. Martin Hofmann (Group CIO, Volkswagen AG) und Prof. Dr.-Ing. habil. Alois C. Knoll (Lehrstuhlinhaber für Echtzeitsysteme und Robotik, Technische Universität München). Weitere Informationen über veranstaltungen.handelsblatt.com/it-jahrestagung/.

Abb.: KI in München

Der pünktliche Cyborg

Die neue Ausgabe von apunto widmet sich Transhumanismus, Robotik, Künstlicher Intelligenz und Maschinenethik. Im Heft finden sich Interviews mit Prof. Dr. Jürgen Schmidhuber und Prof. Dr. Oliver Bendel. Thomas Feierabend, Präsident Angestellte Schweiz, schreibt in seinem Vorwort, dass es immer mehr Einsatzbereiche von Robotern gibt. „In der industriellen Produktion haben sie schon lange Einzug gehalten, sie können heute auch bereits Gäste in Hotels empfangen. Versuche in der Alterspflege sind im Gange, und selbstfahrende Busse sowie Taxis finden sich sogar in der Schweiz.“ (apunto, 4/2017) Er entwirft eine Dystopie des Cyborgs in der Arbeitswelt: „Er funktioniert dann völlig frei von Störungen und sehr effizient. Er ist programmiert auf Beginn und Ende der Erwerbsarbeit, ist nie zu spät und befolgt die Anordnungen der Vorgesetzten ohne Widerrede. Und noch schlimmer: Können betriebliche Reorganisationen dann einfach digital veranlasst werden?“ (apunto, 4/2017) Jürgen Schmidhuber und Oliver Bendel sind dann in ihren Ausführungen zu Robotern und KI etwas optimistischer. Der KI-Experte ist der Meinung, dass KI keine Menschen versklaven wird. Der Maschinenethiker ist der gleichen Meinung – und hält Roboter und KI-Systeme in erster Linie für nützliche Werkzeuge. Eine Gefahr geht seines Erachtens von Crackern aus. Das ganze Heft kann hier heruntergeladen werden.

Abb.: Ein Cyborg

Roboterliebe in London

Am 19. und 20. Dezember 2017 findet der „Third International Congress on Love and Sex with Robots“ in London statt. Die akzeptierten Papers sind auf loveandsexwithrobots.org/program/ aufgelistet. Den Anfang macht Prof. Dr. Oliver Bendel (School of Business FHNW, Schweiz) mit „SSML for Sex Robots“. Er hatte im vergangenen Jahr am Goldsmiths über Sexroboter aus Sicht der Maschinenethik vorgetragen. Dieses Mal widmet er sich synthetischen Stimmen. Prof. Dr. Sophie Wennerscheid (Ghent University, Belgien) ist mit ihrem Thema „Posthuman desire in robotics and science fiction“ vertreten, Dr. Rebekah Rousi (University of Jyväskylä, Finnland) mit „Lying cheating robots – robots and infidelity“, Prof. Dr. Deborah Blizzard (Rochester Institute of Technology, UK) mit „The Next Evolution: The Constitutive Human-Doll Relationship as Companion Species“. Aus der Schweiz kommt ein weiterer Beitrag, nämlich „Dolores and Robot Sex: Fragments of Non-Anthropocentric Ethics“ von Prof. Dr. Thomas Beschorner (University of St. Gallen, Schweiz) und Florian Krause (ebd.). Das Buch mit den Beiträgen der letzten Konferenz ist Ende April 2017 bei Springer erschienen. Weitere Informationen über loveandsexwithrobots.org.

Abb.: Roboterliebe