Kategorie: Maschinenethik

KI, Ethik und Rechtswissenschaft

Ein interner Event bei Audi am 20. September 2017 in Ingolstadt widmet sich dem Zusammenhang von Künstlicher Intelligenz (KI), Ethik und Rechtswissenschaft. Eingeladen sind als Referenten u.a. Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW), Prof. Dr. Sepp Hochreiter (Johannes Kepler Universität Linz) und Dr. Alexander Mertens (RWTH Aachen). Oliver Bendel erklärt, was Ethik und Moral sind (Ethik als Disziplin, Moral als ihr Gegenstand), was die Maschinenethik ist (eine Disziplin, die nach der Möglichkeit maschineller Moral fragt, so wie die KI als Disziplin nach der Möglichkeit künstlicher Intelligenz) und welchen Artefakten sich die Maschinenethik seit ca. zehn Jahren zuwendet (selbstständig fahrenden Autos, zivilen Drohnen, Pflege- und Therapierobotern, Kampfrobotern, Chatbots, um nur einige Typen zu nennen). Anders als Bereichsethiken wie Informationsethik und Technikethik beschäftigt sich die Maschinenethik nicht nur mit Maschinen, sondern setzt sie auch um, zusammen mit KI und Robotik. Audi wurde 1909 gegründet und gehört zum Volkswagen-Konzern.

Abb.: Ein Modell eines A8

Serviceroboter im Wolfspelz

„Große, rote Augen in einem haarlosen Gesicht: Dieser Wolf sieht aus, als sei er einem japanischen 70er-Jahre-Monsterfilm entsprungen. Wie aus der Fiktion sind auch die Geräusche, die er von sich gibt: Der Wolf kann nicht nur furchterregend heulen, sondern auch sprechen.“ (Golem, 28. August 2017) Das wiederum erinnert an den bösen Wolf in „Rotkäppchen“, wobei angemerkt sei, dass es einen solchen eben nur im Märchen gibt. „Der Monsterwolf ist in Wirklichkeit eine robotische Vogelscheuche im Wolfspelz. Er ist 65 Zentimeter lang und 50 Zentimeter hoch. Mit Hilfe von Infrarotsensoren erfasst er, wenn sich echte Tiere dem Reisfeld, an dessen Rand er aufgestellt ist, nähern.“ (Golem, 28. August 2017) Und weiter: „Rehe, Vögel, Wildschweine und sogar Bären vertreibt er durch laute Geräusche: Mit bis zu 95 Dezibel kann er heulen, fauchen, wie ein Mensch sprechen, Gewehrschüsse nachahmen – insgesamt beherrscht die Maschine 18 verschiedene Geräusche. Die Töne sollen variieren, damit sich die zu vertreibenden Tiere nicht daran gewöhnen.“ (Golem, 28. August 2017) Damit ist der Roboterwolf ein Fall für die Tier-Maschine-Interaktion sowie für die Maschinenethik. Und natürlich für die Tierethik.

Abb.: Sie hat keine Angst vor dem bösen Wolf

Neuer offener Brief zu Kampfrobotern

KI-Forscher und Robotiker sowie weitere Wissenschaftler aus aller Welt haben bei der Eröffnung der IJCAI 2015 Conference am 28. Juli 2015 in einem offenen Brief ein Verbot von autonomen Waffensystemen angemahnt. Zu den Unterzeichnern gehörten der Physiker und Astrophysiker Stephen Hawking, der Apple-Co-Founder Steve Wozniak, der Sprachwissenschaftler und Linksintellektuelle Noam Chomsky und der Tesla-Gründer Elon Musk. In einem weiteren offenen Brief an die Vereinten Nationen, der am 20. August 2017 vom Future of Life Institute veröffentlicht wurde, forderten Elon Musk und über 100 weitere Unternehmer und Wissenschaftler ein Verbot von autonomen Kampfrobotern. Die Maschinenethik widmet sich den moralischen Entscheidungen von Kampfrobotern. Ein Gedankenexperiment von Oliver Bendel aus dem Jahre 2013 ist Buridans Robot, der einen Mann töten soll. Da dieser mit seinem Zwillingsbruder aufritt, ist er sich unsicher, wen er wählen soll, und gerät in ein ähnliches Dilemma wie Buridans Esel, der zwischen zwei Heubündeln verhungert.

Abb.: Die Idee des Kampfroboters ist alt

Porsche-Chef, Sprinterin, Designerin, Ethiker, Miss

Am 6. und 7. September 2017 treffen in der City-Garage in St. Gallen bei zwei VIP-Abenden ganz unterschiedliche Menschen aufeinander, nämlich Salomé Kora, Stephan Altrichter, Ly-Ling Vilaysane und Oliver Bendel. Salomé Kora, 23 Jahre alt, ist eine Sprinterin und Staffelläuferin. Mit der 4-mal-100-Meter-Staffel stellte sie 2016 einen neuen Schweizer Rekord auf. Stephan Altrichter wurde 2010 Chef von Porsche Schweiz. Zuvor leitete er u.a. die Mercedes-Benz-Niederlassung in New York. Ly-Ling Vilaysane ist Modedesignerin in St. Gallen. Sie pendelt zwischen Schweiz, Österreich, Ungarn und Frankreich. Oliver Bendel ist Technikphilosoph und forscht vor allem in der Informationsethik und in der Maschinenethik. Er denkt sich moralische Maschinen nicht nur aus, sondern baut sie auch. Befragt werden die vier Personen auf dem Podium von Linda Fäh, Miss Schweiz von 2009. Sie singt und moderiert seit mehreren Jahren. Ein Thema wird die Maschinenethik sein, konkret die Frage, ob autonome Autos moralische Regeln befolgen und ob sie qualifizieren oder quantifizieren sollten.

 

Abb.: Ein nicht sehr smarter, aber sehr schöner Porsche

Robophilosophy 2018

The conference „Robophilosophy 2018 – Envisioning Robots In Society: Politics, Power, And Public Space“ will take place in Vienna (February 14 – 17, 2018). According to the website, it has three main aims; it shall present interdisciplinary humanities research „in and on social robotics that can inform policy making and political agendas, critically and constructively“, investigate „how academia and the private sector can work hand in hand to assess benefits and risks of future production formats and employment conditions“ and explore how research in the humanities, including art and art research, in the social and human sciences, „can contribute to imagining and envisioning the potentials of future social interactions in the public space“ (Website Robophilosophy). Plenary speakers are Joanna Bryson (Department of Computer Science, University of Bath, UK), Alan Winfield (FET – Engineering, Design and Mathematics, University of the West of England, UK) and Catelijne Muller (Rapporteur on Artificial Intelligence, European Economic and Social Committee). Deadline for submission of abstracts for papers and posters is October 31. More information via conferences.au.dk/robo-philosophy/.

Fig.: Reflexions on robots

Affäre mit einem Roboter

Omer Kabir von der israelischen Tageszeitung Calcalist hat im Februar 2017 ein Interview mit Oliver Bendel geführt, das am 16. August 2017 erschienen ist. Es geht um Künstliche Intelligenz, Robotik und Maschinenethik. Zu einer Frage führte Oliver Bendel aus: „I would like to distinguish between simple and complex moral machines. While simple moral machines are useful and valuable in many contexts, e.g., in order to protect animals in the household, in the parkway or in the wilderness, complex moral machines can be dangerous, on the battle field as well as in road traffic. I am against autonomous weapons and autonomous cars which decide between life and death of human beings. I prefer simple machines which follow simple rules in our absence, simple machines that are our representatives, not least in a moral sense.“ Auf eine andere gab er die Antwort: „Industrial and service robots as well as agents and chatbots will support and replace us, doing some things better than their human competitors. They may be more precise, faster and cheaper. The machines can used for automatic operation round the clock. We may experience initial discomfort and pressure. After some discussions and perhaps revolutions, we could head for adequate economic, political and legal conditions. Perhaps there will be an unconditional basic income for all citizens, and I must admit that I sympathise with this idea. Other experts also propose a machinery tax or a quota of robots, but I am rather sceptical about such restrictions. I like the discussions about them more than themselves.“ Der Artikel mit dem Titel „Affäre mit einem Roboter“ kann hier als PDF heruntergeladen oder über www.calcalist.co.il/internet/articles/0,7340,L-3719292,00.html aufgerufen werden.

Abb.: Affäre mit einem Roboter (Foto: Calcalist/Kai R. Joachim)

Neue Spione in den Straßen, auf den Plätzen

Bei interaktivem Digital Signage stellen sich Plakate, Schilder, Tafeln, Terminals und Säulen in Läden oder an Straßen und auf Plätzen auf ihren digitalen Bildschirmen automatisch auf Anwesende ein und interagieren und kommunizieren mit diesen in visueller oder auditiver Weise. Es wird also nicht einfach etwas dargestellt, sondern das, was dargestellt wird, hängt vom Betrachter oder vom Umfeld ab. Der hauptsächliche Zweck ist neben der Informierung (auch im Sinne von Beratung) die Werbung, die hauptsächliche Umsetzungsart die interaktive Werbefläche. Der Beitrag „Neue Spione in den Straßen, auf den Plätzen und in den Läden: Interaktive Werbeflächen aus ethischer Sicht“ von Oliver Bendel, erschienen bei Telepolis am 15. August 2017, untersucht das Phänomen digitaler Werbeflächen aus ethischer Sicht. Erstens wird der Begriff des Digital Signage erklärt, unter den der Begriff der interaktiven Werbeflächen subsumiert wird. Typisch für diese sind – abgesehen von den digitalen Bildschirmen – Kameras, Mikrofone, Lautsprecher, Muster-, Bild- und Gesichtserkennung. Zweitens werden Überlegungen aus Sicht von Informations-, Technik- und Wirtschaftsethik und darüber hinaus, etwa im Sinne des Verbraucherschutzes, angestellt. Auch die Maschinenethik wird berücksichtigt. Der Beitrag kann über www.heise.de/tp/features/Neue-Spione-in-den-Strassen-auf-den-Plaetzen-und-in-den-Laeden-3797118.html abgerufen werden.

Abb.: Die Hauptstadt des Digital Signage

Reflections on Individual Synthetic Voices

The synthetization of voices, or speech synthesis, has been an object of interest for centuries. It is mostly realized with a text-to-speech system (TTS), an automaton that interprets and reads aloud. This system refers to text available for instance on a website or in a book, or entered via popup menu on the website. Today, just a few minutes of samples are enough in order to be able to imitate a speaker convincingly in all kinds of statements. The article „The Synthetization of Human Voices“ by Oliver Bendel (published on 26 July 2017) abstracts from actual products and actual technological realization. Rather, after a short historical outline of the synthetization of voices, exemplary applications of this kind of technology are gathered for promoting the development, and potential applications are discussed critically in order to be able to limit them if necessary. The ethical and legal challenges should not be underestimated, in particular with regard to informational and personal autonomy and the trustworthiness of media. The article can be viewed via rdcu.be/uvxm.

Fig.: Can you hear my voice?

In der Fabrik von morgen

In der Edition HMD von Springer ist am 26. Juli 2017 das Buch „Industrie 4.0: Herausforderungen, Konzepte und Praxisbeispiele“ erschienen. Herausgeber ist Prof. Dr. Stefan Reinheimer, zu den Autoren gehören Prof. Dr. Oliver Bendel, Prof. Dr. Elgar Fleisch, Prof. Dr. Felix Wortmann und Prof. Dr. Stefan Strohmeier. Aus dem Klappentext: „Das Fachbuch greift das Konzept Industrie 4.0 – Ausdruck der vierten industriellen Revolution – mit seinen Chancen und Risiken für produzierende Unternehmen auf. Das Herausgeberwerk bringt das Thema durch anschauliche Beispiele aus der Praxis näher und zeigt die Visionen auf, mit denen sich nicht nur die akademische Welt bereits auseinandersetzt. Die Autoren der Beiträge thematisieren einerseits Kernthemen der Digitalisierung und beleuchten andererseits nicht zu vernachlässigende Begleiterscheinungen: In der Fabrik von morgen wachsen reale und virtuelle Welt zusammen. Schlagworte wie Internet der Dinge und Cyber-Physische Systeme (CPS) wurden bereits geprägt, um diese Verschmelzung anzudeuten. Industrie 4.0 verspricht neue Optionen für die Flexibilisierung und weitergehende Automatisierung der Fertigung. Sie schafft die Grundlage für neue Geschäftsmodelle, erfordert aber auch ein Umdenken in der Interaktion zwischen Mensch und Maschine.“ (Information Springer) Auch Informationsethik und Maschinenethik sind ein Thema. Weitere Informationen über www.springer.com/de/book/9783658181642#aboutBook.

Abb.: Kollege Roboter erscheint pünktlich bei der Arbeit

Brauchen wir eine Robotersteuer?

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat auf ihrem Portal „Die Netzdebatte“ zwei neue Beiträge veröffentlicht. Es handelt sich um keine Pole, sondern um Varianten. Prof. Dr. Jürgen Schmidhuber sieht eher Vorteile in der Robotersteuer, die er sich unter gewissen Umständen und in einer bestimmten Ausgestaltung vorstellen kann. Prof. Dr. Oliver Bendel ist dafür, die Robotersteuer zu diskutieren, sieht aber insgesamt eher Nachteile, und benennt Herausforderungen, denen sich eine Umsetzung im Moment stellen müsste. Vor allem sei unklar, was genau man besteuern soll. Besonders deutlich zeige sich dies bei Kooperations- und Kollaborationsrobotern, die eng mit Menschen zusammenarbeiten. Wann fängt die Arbeit des Menschen und der Maschine an, wann hört sie auf? Auch muss man klären, ob man nur Hardwareroboter oder auch Softwareroboter besteuern soll. Wie verhält es sich mit einer Armee von Social Bots? Mit Crawlern von Suchmaschinen? Die Beiträge können über www.bpb.de/dialog/netzdebatte/248706/meinung-auch-roboter-sollten-steuern-zahlen und www.bpb.de/dialog/netzdebatte/245350/meinung-roboter-haben-keine-verantwortung aufgerufen werden.

Abb.: Der fiktive Lohn eines Roboters ist schwer zu bestimmen