Kategorie: Informationsethik

Workshop on Robotics and Artificial Intelligence

„Artificial intelligence (AI) raises a number of ethical and political challenges in the present and near term, with applications such as driverless cars and search engines and potential issues ranging from job disruption to privacy violations. Over a longer term, if AI becomes as or more intelligent than humans, other governance issues such as safety and control may increase in importance. What policy approaches make sense across different issues and timeframes?“ (Website European Parliament) These are the initial words of a description of the workshop „Robotics and Artificial Intelligence – Ethical Issues and Regulatory approach“, organised by the Policy Department of the European Parliament. The first part „will focus on basic ethical and policy questions raised by the development of robotics and AI on the basis of presentations by experts“ (Website European Parliament). According to the description, this will be followed by a discussion with national parliamentarians on what the legislator should do and on which level, with the European Parliament’s draft legislative initiative report on „Civil Law Rules on Robotics“ as a basis. Further information can be found on the European Parliament’s website (www.europarl.europa.eu).

Mädchen und Frauen unter den Rock schauen

Die Schweizerische Post erprobt Lieferroboter, die Pakete zustellen sollen. Auf dem Gelände des Unternehmens in Wankdorf bei Bern hatte der Betreiber dieser Plattform im September 2016 die Gelegenheit, das Produkt der Starship Technologies unter die Lupe zu nehmen. Die Tester wiesen auf die Kameras mit 360-Grad-Aufnahmetechnik hin und auf das Ultraschallsystem. Sie öffneten die Klappe und erlaubten den Blick auf die Last. Bis zu zehn Kilogramm können auf den sechs Rädern bis zu sechs Kilometer weit befördert werden. Das hauptsächliche Problem der Paketroboter ist, dass sie neuartige Verkehrsteilnehmer darstellen, die die Gehsteige bevölkern und die Straßen überqueren. Das eine tun sie in der Regel autonom, das andere wird in den meisten Ländern, in denen sie getestet werden, von einem Operator unterstützt. Wenn es viele Lieferroboter dieser Art gibt, werden Innen- und Vorstädte noch komplexer für die etablierten Verkehrsteilnehmer. Unabhängig von der Zahl stellen sie Stolperfallen dar. Die Paketroboter sind wie herrenlose Hunde, können aber nicht so gut wie diese ausweichen und sind auch nicht so schnell. Skater, Radfahrer und Fußgänger können über sie stürzen, was durch die geringe Höhe begünstigt wird. Selbst wenn sie an die Leine gelegt und durch wenig frequentierte Gebiete navigiert werden, ist die Gefahr nicht ganz gebannt. Ein nicht ganz nebensächliches Problem ist, dass der Lieferoboter mit seinen Kameras auch Personen erfassen und womöglich Mädchen und Frauen unter den Rock schauen kann – ein weites Feld für Informations- und Technikethik. Es wird sich zeigen, wie hoch die Akzeptanz von Kunden und Passanten ist und welche Erfahrungen in den verschiedenen Ländern gemacht werden.

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Abb.: Was sieht der kleine Roboter?

Aufhalten lassen wir uns nicht

Die Journalistin Heike Henzmann hat im Rahmen der Serie „Walk and Talk“ für die Zeitschrift aktuelle technik (at) ein langes Gespräch mit dem Wirtschaftsinformatiker und Maschinenethiker Oliver Bendel geführt. Der erste Teil des Interviews ist im Juni 2016 erschienen und in diesem Blog besprochen worden. Der zweite Teil mit dem Titel „Aufhalten lassen wir uns nicht.“ liegt seit dem 14. Juli vor und kann hier heruntergeladen werden. In dem Gespräch ging es, wie bereits ausgeführt, um Maschinenethik, Informationsethik und Technologiefolgenabschätzung sowie um Moral und Ethik im Allgemeinen. Zur Maschinenethik führt Oliver Bendel aus: „Die Maschinenethik begreife ich als Gestaltungsdisziplin, die Informationsethik als Reflexionsdisziplin. Die Maschinenethik ist die Disziplin, die die Moral der Maschine zum Thema hat. Die Moral des Menschen wird anders als in der Menschenethik nur nebenbei betrachtet, als Mittel zum Zweck. Eine menschliche Moral ist sehr viel besser als eine maschinelle Moral. Der maschinellen Moral fehlt einiges. Die Maschine kann aber mindestens eine so gute Moral haben wie der menschliche Fundamentalist.“ (at, 7/2016) Diese These wird im Folgenden näher beleuchtet und begründet. Neben dem Text finden sich in beiden Beiträgen viele Fotos, aufgenommen bei miesestem Regenwetter und bester Diskutierlaune.

FundamentalistAbb.: Ein Fundamentalist bei seiner Lieblingsbeschäftigung

Die Robotersteuer in der Diskussion

Im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur war Oliver Bendel am 11. Juli 2016 ab 18.15 Uhr in der Sendung „Studio 9“. Frank Appel, der Post-Chef, hatte die Diskussion einer Robotersteuer (auch Maschinensteuer genannt) vorgeschlagen. Ein Problem ist, was man genau besteuern soll. Welche Roboter sind betroffen? Um welche Arbeit geht es konkret? Vielleicht ist die Robotersteuer gar nicht praktikabel. Bei Maschinen, die Menschen ersetzen, scheint der Gedanke zunächst charmant zu sein: Wenn der Mitarbeiter entlassen wird, oder wenn er erst gar nicht eingestellt wird, weil ein Roboter die Arbeit macht, besteuert man dessen Arbeit. Allerdings müsste sichergestellt werden, dass der Entlassene oder Nichteingestellte etwas davon hat. Die Robotersteuer sollte also nicht ohne flankierende Maßnahmen eingeführt werden. Für die Robotersteuer spricht, dass der Roboter als Risiko für Arbeitnehmer erkannt wird. Gegen sie spricht, dass er kaum als Chance für Arbeitgeber und -nehmer erkannt wird. Selbst wenn er uns ersetzt, kann daraus eine Chance entstehen, eben wenn wir trotzdem Geld verdienen und trotzdem gut leben können. Deshalb, könnte man argumentieren, muss sein Einsatz gefördert und nicht gehemmt werden. Eine Idee wäre, die Maschinensteuer nur einzuführen, wenn sie z.B. direkt mit dem bedingungslosen Grundeinkommen gekoppelt wäre. Ein solches hat Frank Appel explizit abgelehnt. Zugleich sollte man die Entwicklung von innovativen Robotern und den innovativen Einsatz von Robotern belohnen. Letztlich geht es darum, die Gewinne, die auch in der Smart Factory erzielt werden, gerecht zu verteilen. Weitere Informationen über http://www.deutschlandradio.de; dort kann auch der Podcast angehört und heruntergeladen werden.

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Abb.: Mal schnell die Robotersteuer berechnen

Deutsches Internet-Institut im Aufbau

Eine Pressemitteilung mit dem Titel „Fünf Konsortien erarbeiten Konzept für Deutsches Internet-Institut“ wurde am 2. Juni 2016 veröffentlicht. „Aus einem breiten Antragsfeld hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in einer ersten Auswahlrunde zum Aufbau eines Deutschen Internet-Instituts fünf Konsortien ausgewählt.“ (Pressemitteilung BMBF) Von der Jury berücksichtigt wurden Anträge unter Federführung folgender Institutionen: Bayerische Akademie der Wissenschaften, Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Karlsruher Institut für Technologie, Ruhr-Universität Bochum und Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Diese arbeiten nun detaillierte Konzepte aus. „In der nächsten Auswahlrunde im Frühjahr 2017 soll eines der fünf Konzepte ausgewählt und anschließend umgesetzt werden. Für den Aufbau des Deutschen Internet-Instituts sind in den ersten fünf Jahren bis zu 50 Millionen Euro vorgesehen.“ (Pressemitteilung BMBF) In die Jury hat Bundesministerin Prof. Dr. Johanna Wanka u.a. Prof. Dr. Viktor Mayer-Schönberger (University of Oxford), Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW, Schweiz), Katharina Borchert (Mozilla Corporation, Chief Innovation Officer), Prof. Dr. Urs Gasser (Harvard University), Prof. Dr. Eric Hilgendorf (Julius-Maximilians-Universität Würzburg), Prof. Dr. Michael Kerres (Universität Duisburg-Essen), Dr. Constanze Kurz (Chaos Computer Club und Netzpolitik.org) und Dr. Catharina Maracke (Keio University) berufen. Weitere Informationen über www.bmbf.de/de/aufbau-eines-deutschen-internet-institut-2934.html.

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Abb.: Junge Frau bei der Nutzung des Internets

Berufsziel Maschinenethiker

Im FNT Kundenmagazin 2 ist ein Beitrag von Alexander Freimark mit dem Titel „IT-Jobs mit Sex-Appeal“ erschienen. Darin werden neue Rollen und Berufe wie Data Scientist, Cyber-Security-Experte, Chief Service Officer und Maschinenethiker genannt. Datenwissenschaftler „entwickeln Modelle, um betrügerische Transaktionen von Kreditkarten, Störungen in Produktionsabläufen oder beleidigende Kommentare in Online-Foren zu erkennen“ (FNT Kundenmagazin 2, März 2016). Dr. Angelika Voss verantwortet am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS das dazu passende Schulungsprogramm: „In der Regel sind unsere Teilnehmer Mitarbeiter von Unternehmen, die sich in der Datenanalyse auskennen, IT-affin sind – und die darüber hinaus noch verstehen, wie in ihrer Branche Geld verdient wird.“ (FNT Kundenmagazin 2, März 2016) Die Sicherheitsexperten für den virtuellen Raum können sich „in die Denkweise der Kriminellen hineinversetzen“ und können „Angriffe schon im Vorfeld verhindern“ (FNT Kundenmagazin 2, März 2016). Der CSO ist „eine Art Coach der Service-Organisation“ (FNT Kundenmagazin 2, März 2016). Zum Jobprofil des Maschinenethikers erläutert Prof. Dr. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW: „In Zukunft müssen wir mehr nach der Moral von Maschinen fragen, weil immer mehr autonome und teilautonome Systeme Entscheidungen mit moralischen Implikationen treffen.“ (FNT Kundenmagazin 2, März 2016) Dabei gehe vor allem auch darum, die Folgen der Entscheidungen abzuwägen. Der Artikel wurde vom Autor freundlicherweise zur Verfügung gestellt und kann hier heruntergeladen werden.

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Abb.: Auch Astronaut wollen viele werden

Die moralische Brille

Der Artikel „Die Datenbrille aus Sicht der Informationsethik“ von Oliver Bendel geht auf die „Datenbrille in der Moral der Informationsgesellschaft“ ein. In der Zusammenfassung heißt es: „Die Datenbrille ist ein mit Peripheriegeräten ergänzter Kleinstrechner, der am Kopf getragen und mit Augen und Händen sowie der Stimme gesteuert bzw. bedient wird. Dinge, Pflanzen, Tiere und Menschen respektive Situationen und Prozesse werden registriert, analysiert und mit virtuellen Informationen angereichert.“ Und weiter: „Aus ethischer Sicht stellen sich verschiedene Fragen. Insbesondere die Informationsethik ist gefordert, etwa zu Themen wie Informationsgerechtigkeit und informationelle Autonomie.“ Auch die Perspektive der Maschinenethik wird eingenommen: „Die Maschinenethik widmet sich schwerpunktmäßig autonomen, intelligenten, häufig mobilen Systemen. Schon bei Computern im automatisierten Handel und bei 3D-Druckern sind nicht alle dieser Merkmale gegeben, und doch versucht man sie als Subjekte im moralischen Sinne zu verbessern. Von daher spricht nichts dagegen, dass die Erkenntnisse auf die Datenbrille angewandt werden, wenn diese selbstständig Entscheidungen trifft oder Informationen filtert.“ Der Artikel ist im Februar 2016 in der Printversion der Zeitschrift Informatik-Spektrum 39 (1), S. 21 – 29, erschienen. Bereits seit 13. September 2014 ist er als „Online-First“-Artikel verfügbar.

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Abb.: Wie entscheidet die Datenbrille?

Expertenbeiratssitzung zum Projekt QuartrBack

Das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) in Karlsruhe erforscht nach eigenen Angaben wissenschaftliche und technische Entwicklungen in Bezug auf systemische Zusammenhänge und Technikfolgen. Angesiedelt ist es am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Am 5. Februar 2016 fand am ITAS die zweite Sitzung des Expertenbeirats zum BMBF-Projekt QuartrBack statt. Ein technisches Entwicklungsziel ist die Programmierung einer Software, die in Echtzeit für jeden Benutzer – etwa einen Dementen – Risiken in seinem individuellen Sozialraum identifiziert und darauf aufbauend Bereiche definiert, in denen er sich risikoarm bewegen kann. Zudem erfolgt der Einsatz von miniaturisierten Ortungssendern, die – Stichwort Wearable Computing – in einer Uhr, im Gürtel oder im Schuh untergebracht werden können. Im Expertenbeirat findet laut Website der interdisziplinäre Diskurs statt, der den gesamten Projektprozess begleitet und der unter anderem die Kriterien für die Prototypen- und Feldtests entwickelt. Die wissenschaftliche, philosophische Ethik wird von Dr. Daniela Ringkamp (Institut für Philosophie der Universität Magdeburg) und Prof. Dr. Oliver Bendel (Institut für Wirtschaftsinformatik der Hochschule für Wirtschaft FHNW) vertreten. Weitere Informationen über www.quartrback.de/index.php?id=1.

Der Roboter als Freund oder Feind

Die Industrieroboter verlassen – mit dieser Schilderung beginnt der Artikel „Mein Kollege, der Robot“ – die Schutzräume und Fertigungsstraßen. „Sie bewegen sich durch die Hallen, auf festgelegten Spuren oder nach ihrem eigenen Plan. Sie arbeiten in Kooperationszellen eng mit Menschen zusammen. Und sie schauen uns zu, wie wir etwas machen – und machen es nach.“ Oliver Bendel stellt dar, wie die Industrie 4.0 funktioniert, was in der intelligenten Fabrik passiert und wie sich darin der Roboter verändert. Auch die Perspektive der Ethik wird eingenommen. Die Gesellschaft müsse „entscheiden, ob Roboter uns nicht nur unterstützen, sondern auch ersetzen sollen“. „Reflexionen aus Technik- und Informationsethik mögen ihr dabei helfen.“ Schon davor wird die Maschinenethik gestreift: „Die Maschinenethik interessiert sich für moralische Maschinen, zum Beispiel für Apparaturen, die bestimmte moralische Regeln einhalten oder bestimmte Folgen mit moralischen Implikationen voraussehen können.“ Der Beitrag, der am 18. Januar 2016 in der UnternehmerZeitung erschienen ist, kann kostenlos als PDF heruntergeladen werden.

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Abb.: Die vierte industrielle Revolution wird Arbeitsplätze kosten

Beitrag zu interaktiven Werbeflächen

„Interaktive Werbeflächen sind Plakate, Terminals, Säulen etc., die sich automatisch auf Passanten, Besucher, Kunden und Interessierte einstellen und mit diesen in eine Interaktion treten. Teilweise werden Bewegungsmelder sowie Bild- und Mustererkennung zur Bestimmung von Geschlecht, Größe und Alter verwendet.“ So beginnt ein neuer Beitrag von Oliver Bendel für das Wirtschaftslexikon von Springer Gabler. Die interaktiven Werbeflächen zeigen Männern und Frauen, Großen und Kleinen, Jungen und Alten unterschiedliche Werbung. Dabei werden natürlich auch Klischees bedient. Am Ende wird die Perspektive der Ethik eingenommen: „Interaktive Werbeflächen können in die Privatsphäre eingreifen, selbst in öffentlichen Bereichen, und das Persönlichkeitsrecht verletzen sowie die informationelle Autonomie beschädigen. Dies ist Thema der Informationsethik. Die Maschinenethik fragt nach moralisch adäquaten Entscheidungen der Plakate und Terminals, die Medienethik nach der Reizüberflutung im (teil-)öffentlichen Raum.“ Der Beitrag ist am 2. Dezember 2015 erschienen und kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/interaktive-werbeflaechen.html aufgerufen werden.

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Abb.: Unterschiedliche Werbung für Frauen und Männer