Kategorie: Roboterethik

Die perfekte Maschine

Julie Rambal interviewte Oliver Bendel für Le Temps. Das Thema waren Sexroboter und Robotersex. Sie fragte danach, ob es möglich ist, weiterhin einen unperfekten Menschen zu lieben, wenn wir uns eine perfekte Maschine leisten können. Wäre diese nicht eine starke Konkurrenz? Die Anwort lautete: „At the moment, we do not have the perfect machine. On the one hand, there are many love dolls which look good but which have limited capacities. On the other hand, we have some sex robots which look strange but which have extended options. A perfect sex machine could be possible in 20, 30 years. It would have perfect skin, perfect flesh, perfect language capabilities. It would read every wish from our eyes. If this would happen, the machine would be a tough competition, that’s true. But I can imagine that there will be a new trend in the future: real sex with real men and women.“ Eine andere Frage war, ob Sexroboter das Verlangen verändern könnten. Die Antwort: „Of course, new types of desire could arise. Love dolls and sex robots could be a chance to identify the hidden individual needs and wishes of oneself and one’s partner. We have a long history of ideas regarding artificial women and men: think of the Golden Virgins or Golden Maids, of Pandora and Galatea, think of Talos, the guardian of Crete Island, or of the Golem. Perhaps also Pinocchio is a sex fantasy? Now serious again: Perhaps our real desire is not focussed on only one person, not only on a real human. I don’t think that sex robots themselves imply a liberation – but maybe the thinking about them.“ Der Artikel vom 25. März 2017 mit Aussagen von Oliver Bendel kann hier heruntergeladen werden.

Abb.: Ist das die perfekte Maschine?

Der Kampf der Maschinen

Die ZEIT führte mit dem Maschinenethiker Oliver Bendel ein Interview, das am 11. bzw. 12. April 2017 veröffentlicht wurde. Eine Frage lautete: „Kann man in Bezug auf bestimmte Programme oder Roboter überhaupt von Moral oder Unmoral sprechen? Können Maschinen gut oder böse sein?“ Die Antwort: „Da sind wir mittendrin in der Maschinenethik. Wir kennen seit 2500 Jahren die Ethik als eine Disziplin, die sich ausschließlich auf Menschen richtete. Jetzt haben wir es mit neuen Subjekten der Moral zu tun, eben Maschinen. Natürlich sind sie nicht gut oder böse, weil sie keinen eigenen Willen, kein Bewusstsein haben. Aber sie treffen, teilautonom oder autonom, bestimmte moralisch relevante Entscheidungen.“ Eine ähnliche Diskussion begann mit der Disziplin der Künstlichen Intelligenz. Viele Experten verwenden den Begriff der KI metaphorisch oder intentional. So kann man es auch bei der maschinellen Moral machen. Die letzte Frage lautete: „Werden intelligente Roboter irgendwann einmal die Menschheit bedrohen?“ Oliver Bendel antwortete dem Journalisten: „Dass sich Roboter zusammenrotten, um uns Menschen zu eliminieren, halte ich für surreal. Dass Maschinen zu Rassisten werden können, ist schon Realität.“ Das Interview kann über www.zeit.de/2017/16/kuenstliche-intelligenz-moral-maschinenethik-interview nachgelesen werden.

Abb.: Der Kampf der Maschinen

Die Artenvielfalt der Automaten

„Android oder Maschine?“ Das fragt die neue Ausgabe der Zeitschrift designreport (Erscheinungsdatum 13. April 2017). In der Ankündigung wird deutlich, worum es geht: „Kaum ein Technologiebereich entwickelt sich derzeit so dynamisch wie die Robotik. Unterstützt von den Fortschritten der Künstlichen Intelligenz steigern sich die Autonomie und damit auch die Anwendungsszenarien automatischer Systeme. Längst geht es nicht mehr nur um Industrieroboter, sondern um persönliche Alltagsassistenten, um Roboter für Medizin, Logistik, Sicherheit oder Mobilität. Die Artenvielfalt der Automaten wächst dynamisch – und damit eine ganz neue Aufgabe für das Design. Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob und wie humanoid die neuen Roboter sein dürfen. Es geht vielmehr um die Gestaltung eines neuen technologischen Abschnittes und um die Art, wie wir künftig leben sowie arbeiten wollen. Das Design hat wesentlichen Einflussauf die Nutzungsszenarien, aber auch auf die Akzeptanz der Maschinen.“ (Website designreport) Die Redakteure stellen die neuesten Entwicklungen vor und berichten über einen Besuch der Ausstellung „Hello Robot“ in Weil am Rhein. Enthalten sind auch Interviews, mit einem KUKA-Entwickler zu Industrierobotern und mit Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW) zur Maschinenethik. Weitere Informationen über  www.designreport.de.

Abb.: Die Artenvielfalt der Zahnräder

Technical Reports von „AI for Social Good“

Die Technical Reports des Symposiums „AI for Social Good“ sind erschienen. Dieses fand innerhalb der AAAI Spring Symposia (27. bis 29. März 2017) an der Stanford University statt. Organisiert wurde es von Amulya Yadav (University of Southern California, CA, USA) und Fei Fang (Harvard University). Die veröffentlichten Papers zeigen das enorme Spektrum der Veranstaltung auf. Oliver Bendel ist mit „LADYBIRD: The Animal-Friendly Robot Vacuum Cleaner“ sowie „Towards Kant Machines“ (zusammen mit Kevin Schwegler und Bradley Richards) vertreten, Malay Bhattacharyya mit „In Search of Health Doubles“, Sujoy Chatterjee (mit Anirban Mukhopadhyay und Malay Bhattacharyya) mit „Smart City Planning with Constrained Crowd Judgment Analysis“, Arnaud Delaunay (zusammen mit Jean Guérin) mit „Wandering Detection Within an Embedded System for Alzheimer Suffering Patients“ und Virginia Dignum (zusammen mit Frank Dignum) mit „Societal Challenges Need Social Agents“. Virginia Dignum konnte während des Symposiums die frohe Botschaft überbringen, dass die andere große Wissenschaftsvereinigung auf technischem Gebiet, das Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE), sich in seinen Leitlinien „Ethically Aligned Design“ zu Robotik und KI zukünftig nicht nur den Menschen, sondern auch den Tieren widmen wird. Dies hatte Oliver Bendel in einer Stellungnahme gegenüber den Verantwortlichen vorgeschlagen. Die Technical Reports des Symposiums sind über www.aaai.org/Library/Symposia/Spring/ss17-01.php verfügbar.

Der vegetarische Roboter

Der gleiche Roboter, der von der Schweizerischen Post und von Hermes mit Blick auf Pakete getestet wurde, soll nun auch Pizza ausliefern. Dies meldeten mehrere Medien. So schrieb Golem am 30. März 2017: „Der sechsrädrige Roboter soll die Pizza und andere Speisen im Umkreis von zwei Kilometern um eine Filiale ausliefern. Zu Beginn will Domino’s etwa ein halbes Dutzend Roboter einsetzen und die Zahl später aufstocken. Sobald die Behörden die nötigen Genehmigungen erteilt haben, können die Roboter rollen. Das soll in den kommenden zwei Monaten der Fall sein.“ (Golem, 30. März 2017) Auch dieser Roboter, so niedlich er aussieht und so hübsch man ihn aufklappen kann, wird eine Stolperfalle sein. Die Gehsteige gehören den Fußgängern, die Straßen den Fahrradfahrern und Autofahrern. Für mobile Roboter im öffentlichen Raum bräuchte es neue Konzepte. Ohne diese erhöhen sie einfach die Komplexität in den Städten – die ersten Pizzas sollen in Hamburg umherrollen – und schaffen unnötig Risiken für die Verkehrsteilnehmer. Bei Pizzas gelten zudem andere Anforderungen als bei Paketen. Sie müssen warm bleiben, was bedeutet, dass die Roboter nicht zu langsam fahren dürfen oder dass sie die Speisen warmhalten müssen, was womöglich neue Risiken schafft. Wenn alle Probleme gelöst sind, könnte man aus der Maschinenethik heraus Lieferroboter entwickeln, die aus moralischen Gründen nur vegetarische Pizzas aufnehmen. Einen Versuch wäre es wert.

Abb.: Der vegetarische Roboter mag vegetarische Pizza

AI for Social Good VII

Den Session Chair für die Talk Session 5 („Miscellaneous“) beim AAAI Spring Symposium „AI for Social Good“ hatte Amulya Yadav inne. Er ging auf die Methoden und Strategien im Bereich „AI for Social Good“ ein, erwähnte den Belmont-Report und wertete ihn für den gegebenen Kontext aus. „Optimal Thresholds for Intrusion Detection Systems“ wurde von Yevgeniy Vorobeychik vorgetragen (Paper zusammen mit Aron Laszka, Waseem Abbas u.a.). Die Methoden wurden auf „Water Distribution Networks“ angewandt. Das Referat von Evan Patterson trug den Titel „Machine representation of Data Analyses“ (Paper mit Ioana Baldini, Aleksandra Mojsilovic und Kush Varshney). Er ging aus von einer Case Study namens „Accelerated Cure Project“ und fragte nach neuen Arten von „data science platforms“. Oliver Bendel ging in „Towards Kant Machines“ (Paper zusammen mit Kevin Schwegler und Bradley Richards) auf das abgeschlossene LÜGENBOT-Projekt ein. Der LIEBOT ist in der Lage, systematisch zu lügen. Die Ergebnisse können dazu verwendet werden, solche natürlichsprachlichen Systeme zu entwickeln, die niemals oder selten lügen. Danach präsentierte er sein Paper „LADYBIRD: the Animal-Friendly Robot Vacuum Cleaner“. LADYBIRD erkennt Marienkäfer und stellt, wenn ihm diese zu nahe kommen, seine Arbeit ein. Der Prototyp wird zurzeit an der Hochschule für Wirtschaft FHNW entwickelt. Erisa Karafili offerierte eine „Argumentation-based Security for Social Good“ (Co-Autoren sind Antonis C. Kakas, Nikolaos I. Spanoudakis und Emil C. Lupu), Mahendra Prasad reiste „Back to the Future“, mit „A Framework for Modelling Altruistic Intelligence Explosions“ im Gepäck. Um 17.30 Uhr – nach einer angeregten Plenumsdiskussion – war das Symposium vorbei. Für den Abend und den Morgen des darauffolgenden Tages waren weitere allgemeine Veranstaltungen innerhalb der AAAI 2017 Spring Symposia geplant.

AI for Social Good IV

Das AAAI Spring Symposium „AI for Social Good“ wurde am 27. März 2017 um 16.00 Uhr mit der Talk Session 2 („Social Welfare“) fortgeführt. Den Session Chair hatte Eric Rice inne. In seiner Einführung ging er wiederum auf die Sozialarbeit ein. Seine Arbeitsgruppe hatte zwei Papers erfolgreich eingereicht, nämlich „Uncharted but not un-influenced: Influence Maximization with an Uncertain Network“ und „Influence Maximization in the Field: The Arduous Journey from Emerging to Deployed Application“. Diese wurden anschließend präsentiert. Bryan Wilder (Beitrag von ihm, Amulya Yadav, Nicole Immorlica, Eric Rice und Milind Tambe) begann seinen Vortrag mit dem Zusammenhang von HIV und Obdachlosigkeit. Er erwähnte den HEALER- und den DOSIM-Algorithmus. Amulya Yadav begann seinen Vortrag (Paper von ihm, Bryan Wilder, Robin Petering, Eric Rice und Milind Tambe) ebenfalls mit der erwähnten Thematik. Es ging ihm darum, mit Hilfe der Algorithmen Peer Leaders zu identifizieren, zu informieren und zu trainieren, um HIV bei Obdachlosen zu reduzieren. Der Nachmittag schloss mit der Präsentation der Beiträge „Cloudy with a Chance of Poaching: Adversary Behavior Modeling and Forecasting with Real-World Poaching Data“ (Debarun Kar, Benjamin Ford, Shahrzad Gholami u.a.) – Benjamin Ford nahm Bezug auf Tiere -, „Optimal Allocation of Police Patrol Resources Using a Continuous-Time Crime Model“ (Ayan Mukhopadhyay, Chao Zhang, Yevgeniy Vorobeychik u.a.) – Ayan Mukhopadhyay stellte einen KI-basierten Ansatz zur Verbrechensbekämpfung vor – und „Societal Challenges need Social Agents“ (Virginia Dignum und Frank Dignum). Frank Dignum verwendete seine Zeit auf eine ganze Palette von Projekten.

AI for Social Good III

Weiter ging es mit dem AAAI Spring Symposium „AI for Social Good“ am 27. März 2017 um 14.00 Uhr mit der Talk Session 1 („Healtcare“). Den Session Chair hatte Eric Horvitz (Technical Fellow & Managing Director, Microsoft Research) inne. Er führte aus technisch-mathematischer Perspektive in die Thematik ein. Lanbo She (Michigan State University) begann mit „Teaching and Checking of Constraints for Surgical Tray Layout“. Er schlug einen Agenten vor, der beim korrekten Zusammenstellen der Operationsinstrumente für unterschiedliche Situationen hilft. Co-Autor des Papers war Jonathan Connell (IBM T. J. Watson Research). Sujoy Chatterjee referierte anstelle von Malay Bhattacharya (Indian Statistical Institute, Kolkata) über „In Search of Health Doubles“. Nach ihrem Ansatz sollte man weltweit Personen identifizieren können, die in ihren biologischen Eigenschaften zu anderen Personen passen, denen damit geholfen werden kann. Arnaud Delaunay (LinkValue) ging in „Wandering Detection Within an Embedded System for Alzheimer Suffering Patients“ auf einen innovativen Ansatz für Alzheimer-Patienten ein, die mit einer Smartwatch ausgestattet und überwacht werden. Co-Autor des Papers war Jean Guerin. Der Vortrag von Yevgeniy Vorobeychik (Vanderbilt University) – das Paper wurde zusammen mit Bo Li, Muqun Li und Bradley Malin geschrieben – trug den Titel „Sanitizing Large-Scale Medical Records Before Publishing“ und stellte eine iterative Methode für „sanitizing data at scale“ vor.

Das Auto der Zukunft

„Experten sind sich einig. Das Auto der Zukunft wird elektrisch und selbstfahrend sein. Aber zuvor müssen noch wichtige ethische Fragen geklärt werden. Wie soll das Auto entscheiden, wenn ein Unfall mit Personenschaden nicht vermeidbar ist? Hierzu tagt eine vom Bundesverkehrsminister eingesetzte Ethikkommission.“ So heißt es auf der Website der sogenannten Industriewoche 2017. Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut MdL, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg, meint in ihrem Grußwort: „Mit der Industriewoche 2017 wollen wir zeigen: Industrie berührt jeden von uns und sie ist vielfältig.“ (Website der Industriewoche 2017) Dr. Thomas Meyer, Geschäftsführer des KIT-Zentrums für Mobilitätssysteme, diskutiert mit Prof. Dr. Oliver Bendel, Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz. Die Moderation übernimmt Prof. Dr. Kurt Möser vom KIT. Die Veranstaltung findet am 20. Juni 2017 im Auditorium des TECHNOSEUM statt. „Das TECHNOSEUM ist eines der großen Technikmuseen in Deutschland. Die Ausstellung zeigt 200 Jahre Technik- und Sozialgeschichte. Sie steht mit ihren Experimentierstationen zu Naturwissenschaft und Technik für experimentelles Begreifen mit Spaß und Staunen.“ (Website TECHNOSEUM) Weitere Informationen über www.industriewoche-bw.de und www.technoseum.de.

Abb.: Diese Isetta steht im TECHNOSEUM (Foto: TECHNOSEUM)

science+fiction in Basel

„science+fiction ist das Festival der Wissenschaft in Basel. Vom 5. bis 7. Mai beleuchtet es die Schnittstellen zwischen Menschen und Maschinen. Wo prägt uns die Künstliche Intelligenz schon heute? Wie gehen wir als Gesellschaft mit den vielen Chancen und Risiken um?“ Mit diesen Worten wird die Veranstaltung von 2017 auf der Website angekündigt. „Wissenschaftlerinnen und Entwickler, Philosophen und Kunstschaffende diskutieren mit dem Publikum über diese brennenden Fragen.“ (Website science+fiction) Prof. Dr. Oliver Bendel stellt zum einen seinen LÜGENBOT vor, ein Beispiel für eine Münchhausen-Maschine, und diskutiert zum anderen bei dem Panel „Maschinen und das Gesetz“ mit. „Selbstfahrende Autos, Pflegeroboter und autonom agierende Drohnen“ – die Errungenschaften der Forschung seien verheißungs- und verhängnisvoll zugleich. „Sie stellen uns auch vor neue juristische und ethische Fragen. Wer haftet, wenn eine Maschine eine Straftat begeht? Sind Roboter moralische Geschöpfe? Müssen neue Gesetze für Künstliche Intelligenzen geschaffen werden? Wer entscheidet, ob eine Maschine ein rechtliches Subjekt ist?“ (Website science+fiction) Weitere Informationen über scienceandfiction.ch.

Abb.: science+fiction findet auch im Jahre 2017 statt