Kategorie: Roboterethik

Haben Roboter Rechte?

Dieser Frage geht Oliver Bendel in der Zeitschrift Edison nach, in der Ausgabe 2/2018, erschienen am 13. April 2018. Die zuständige Disziplin ist die Roboterethik. Während sich die Maschinenethik auf die maschinelle Moral und damit allenfalls verbundene Pflichten oder Verpflichtungen konzentriert, interessiert sich die Roboterethik auch für moralische Rechte von Maschinen, insbesondere von Robotern. Schon vor Jahrzehnten hat man über diese Frage nachgedacht, doch in letzter Zeit gibt es diesbezügliche Überlegungen und Forderungen, denen man als Ethiker etwas entgegensetzen muss. Denn Oliver Bendel ist der Meinung, dass Roboter keine Rechte haben, haben werden und haben sollen. In seinen Ausführungen zieht er Vergleiche mit Menschen, Tieren und Pflanzen (Tiere haben Rechte, Pflanzen nicht). Auf der Website heißt es zu dem Handelsblatt-Spross: „Edison ist das neue Magazin für alle, die sich für Elektromobilität, vernetztes Leben und nachhaltige Energiegewinnung interessieren. Für alle, die in einer Zeit der Umbrüche und des rasanten technischen Fortschritts Orientierung suchen. Für alle, die Haltung zeigen möchten. Kurz: Es ist das neue Magazin für die Generation E.“ Es kann über edison-magazin.handelsblatt.com/epaper/13.04.2018 bestellt werden.

Abb.: Auch Teddybären haben keine Rechte

Hologram Girl

Der Kurzfilm „Ignarus“ wird gegenwärtig an der Hochschule der Medien produziert (Director: Lutz Marquardt, Producer: Cornelius Herzog, VFX Producer: Nico Hoerz, DOP: Tatjana Huck). Die Protagonisten sind John und Cara. In der Beschreibung des Projekts heißt es zu John, er sei Wissenschaftler und arbeite für eine staatliche Forschungseinrichtung, die die Möglichkeiten zur Bevölkerung fremder Planeten untersuche. „John ist für die Durchführung einiger Experimente zur Feststellung der dortigen Lebensfähigkeit auf einen erdähnlichen Planeten geschickt worden, auf dem er nun zusammen mit der künstlichen Intelligenz Cara in einem abgeschotteten Forschungsbunker festsitzt.“ (Projektbeschreibung STUDIOPRODUKTION VFX SS18) Obwohl Cara nur ein Hologramm und ein Programm sei, verfüge sie über äußerst menschliche Züge und Charaktereigenschaften. Sie weiß „mit John umzugehen und ihn in einer cleveren Weise zu beeinflussen und zu lenken, wie es die Mission – und am Ende auch Cara – von ihm verlangt“. „Mit diesem Verhalten schafft es Cara, sich John durch subtile Anstöße zum Werkzeug zu machen. Ihre Ziele und Absichten scheinen jedoch stets verborgen und so wirkt sie zum Teil unvorhersehbar und fast schon tückisch. Ihre Art lässt dadurch oft zweifeln, ob sie so programmiert wurde oder sich bereits eigene Eigenschaften angeeignet hat und eine unerwartete Art der Entwicklung durchläuft.“ (Projektbeschreibung STUDIOPRODUKTION VFX SS18) Der Film wird von maschinenethik.net unterstützt und feiert am 5. Juli 2018 bei der MediaNight seine Weltpremiere.


Abb.: Wie Cara aussieht, ist noch unbekannt

Minds Mastering Machines

Die Minds Mastering Machines ist die Konferenz für Machine Learning und Künstliche Intelligenz. Sie findet in Köln vom 24. bis 26. April 2018 statt. Die Keynote am 25. April hält der Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel aus Zürich zum Thema „Das Moralisieren von Maschinen“. Zur Konferenz steht auf der Website: „Die Einsatzgebiete für Machine-Learning-Ansätze, die den Kern der KI ausmachen, sind vielfältig: Sie reichen von intelligenten Helfern und Bots, die online bei allerlei Aufgaben assistieren, über autonome Fahrzeugen bis hin zur Steuerung komplexer Verkehrsströme. Weitere Beispiele sind Wohnungen, die Heizungen regulieren lernen oder bei auffälligem Verhalten hilfsbedürftiger Bewohner Hilfe herbeirufen, und smarte Fabriken mit Maschinen, die sich selbst optimieren und mögliche Störungen bereits im Vorfeld ankündigen.“ (Website M3) Die Konferenz hat „es sich zum Ziel gesetzt, ihre Besucher beim Schritt von den Visionen der Science-Fiction-Autoren in die technische Realität zu unterstützen“ (Website M3).

Abb.: Von Science-Fiction und Fantasy zur technischen Realität

Ein neues Artefakt der Maschinenethik

Das BESTBOT-Projekt startete am 22. März 2018. Nach den Vorgaben von Oliver Bendel wird das vierte Artefakt der Maschinenethik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW geschaffen. Anders als der GOODBOT wird der BESTBOT ein webbasiertes System sein. Wie der LIEBOT aka LÜGENBOT soll der BESTBOT in Java programmiert werden, unter Zuhilfenahme der AIML. Der BESTBOT soll auf alle möglichen Anfragen und Herausforderungen reagieren können, auch auf solche, die in der Person des Benutzers liegen. Deshalb wird er erstens stark vernetzt sein, wie der LIEBOT, mit Systemen wie Suchmaschinen, mit Thesauri und Ontologien. Der GOODBOT war ein geschlossenes System mit einer Wissensbasis – er konnte nur begrenzt auf Probleme des Benutzers eingehen. Zweitens soll der BESTBOT Gesichtserkennung benutzen, auch Emotionserkennung. Auf diese Weise soll er Erkenntnisse zu Aussagen des Benutzers ergänzen und diese gegebenenfalls relativieren können. Die dabei auftretenden Probleme sollen ebenfalls reflektiert werden, mit Begriffen und Methoden der Informationsethik. Oliver Bendel stellt das BESTBOT-Projekt am 27. März 2018 an der Stanford University vor, im Rahmen der AAAI Spring Symposia.

Abb.: Der BESTBOT in Aktion

Alexa lacht

Im Salzburger Nachtstudio auf Ö1 wird am 16. Mai 2018 die Sendung „Alexa lacht“ mit dem Untertitel „Maschinen und andere Gespenster der künstlichen Intelligenz“ ausgestrahlt. Aus der Beschreibung: „Die Differenz zwischen Mensch und Maschine ist längst kleiner geworden in unserem smarten Alltag. Maschinen, die immer selbständiger handeln und entscheiden, ziehen als Saug- und Mähroboter, als Pflege-, Spiel-, Service- oder Sexroboter, als Überwachungs- und Kampfroboter in die menschliche Lebenswelt ein. Das erfordert Regeln im Umgang zwischen Mensch und Maschine sowie eine ethische Reflexion der Programmierung. Der Maschinenethiker Oliver Bendel, die Philosophin Janina Loh und die Informatikerin Joanna Bryson reflektieren diese Problematik in ihrer Forschungsarbeit. Was ist menschliche Projektion im Umgang mit Technologien, und wie ‚verhält‘ sich die Maschine dazu? Der Spuk von Sprachassistentin Alexa, die zuweilen gestört lacht, lässt sich beheben, aber Alexa wertet längst menschliche Gewohnheiten aus und steuert uns.“ (Website Ö1) Weitere Informationen über oe1.orf.at/programm/20180516/513712.

Abb.: Alexa lacht

Humans and Robots Work Hand in Hand

The book chapter „Co-robots from an Ethical Perspective“ by Oliver Bendel was published in March 2018. It is included in the book „Business Information Systems and Technology 4.0“ (Springer). The abstract: „Cooperation and collaboration robots work hand in hand with their human colleagues. This contribution focuses on the use of these robots in production. The co-robots (to use this umbrella term) are defined and classified, and application areas, examples of applications and product examples are mentioned. Against this background, a discussion on moral issues follows, both from the perspective of information and technology ethics and business ethics. Central concepts of these fields of applied ethics are referred to and transferred to the areas of application. In moral terms, the use of cooperation and collaboration robots involves both opportunities and risks. Co-robots can support workers and save them from strains and injuries, but can also displace them in certain activities or make them dependent. Machine ethics is included at the margin; it addresses whether and how to improve the decisions and actions of (partially) autonomous systems with respect to morality. Cooperation and collaboration robots are a new and interesting subject for it.“ The book can be ordered here.

Fig.: Man and robot?

Schweizer für Gebühren – und Roboter?

„Eine deutliche Mehrheit der Stimmberechtigten will an den Rundfunkgebühren festhalten.“ So meldete es der Tages-Anzeiger am 4. März 2018. Welche Rolle haben Social Bots, in bestimmten Zusammenhängen auch Meinungsroboter genannt, bei der No-Billag-Initiative gespielt? Ein Team der Hochschule für Wirtschaft FHNW hat dies untersucht. Prof. Dr. Stefan Gürtler (Medien- und Kommunikationsexperte) und Prof. Dr. Oliver Bendel (Informations- und Maschinenethiker und Experte für Chatbots) geben am 7. März 2018 über eine Medienmitteilung die Zahlen bekannt. Aus der Projektbeschreibung: „Soziale Medien gewinnen bei der öffentlichen Meinungsbildung an Bedeutung. Ebenso nimmt deren Beeinflussung durch technische Mittel zu. Verschiedene Untersuchungen haben das Ausmaß und das Gefahrenpotenzial von sogenannten Meinungsrobotern aufgezeigt, die … politische Diskussionen mit maschinell erzeugter Kommunikation überschwemmen. Eine freie Meinungsbildung ist unabdingbare Grundvoraussetzung für eine funktionierende demokratische Gesellschaft. Sie muss vor manipulativen Eingriffen geschützt werden. Ein erster Schritt zu ihrem Schutz ist die Erprobung eines algorithmischen Suchverfahrens, wie es bereits in anderen Ländern zur erfolgreichen Detektion von Meinungsrobotern eingesetzt wurde.“ Kann man von guten und bösen Meinungsrobotern sprechen? Das wäre noch zu diskutieren. Auf jeden Fall sind einige von ihnen Münchhausen-Maschinen. Ein ausführlicher Bericht folgt im Sommer dieses Jahres.

Abb.: Auch in Deutschland wird über die Gebühren diskutiert

Mikroorganismen und Moralmaschinen

Am 2. und 3. März 2018 fand die „3. KMG Jahrestagung“ im Ellington Hotel Berlin statt. In dem Gebäude aus den 30er-Jahren trafen sich Mediziner und Pfleger, um sich zu informieren und miteinander zu kommunizieren. Am zweiten Tag standen „Roboter in Medizin und Pflege“ auf dem Programm. Den Auftakt machte Prof. Dr. Dr. h.c. Viola Vogel (Departement Gesundheitswissenschaften und Technologie der ETH Zürich) mit ihrem Vortrag über bakterielle Nanoroboter. Zahlreiche Videos und Erklärungen zeigten, dass die Mikroorganismen hochkomplexe Systeme sind, die man nutzbar machen kann. Es folgte Prof. Dr. Oliver Bendel (Dozent und Forscher am Institut für Wirtschaftsinformatik, Hochschule für Wirtschaft, Fachhochschule Nordwestschweiz) mit „Pflegeroboter und Assistenzsysteme in der Pflege – aus Sicht der Ethik“. Er stellte Operations-, Therapie- und Pflegeroboter vor und nahm dann sowohl die Perspektive der Informations- als auch der Maschinenethik ein. Die KMG-Kliniken gehören nach eigenen Angaben zu den erfolgreichsten Gesundheitskonzernen im Nordosten Deutschlands. „Das 1991 gegründete Unternehmen baute auf der 100-jährigen Tradition des Kur- und Klinikbetriebes von Bad Wilsnack im Land Brandenburg auf und entwickelte sich seitdem dynamisch zu einem vielseitigen Dienstleister rund um die Gesundheit.“ (Website KMG)

Abb.: Mikroorganismen als Roboter

Die göttliche Maschine

Ein ehemaliger Google-Mitarbeiter, Anthony Levandowski, hat eine Bewegung gegründet, „Way of the Future“ genannt. Die Maschine (bzw. die künstliche Intelligenz) wird zu einem Gott gemacht. Der Schritt des Experten für selbstfahrende Autos ist durchaus konsequent. Einige Firmen im Silicon Valley haben engen Kontakt zu den Kirchen. Sie lassen sich von ihnen beraten, wie man Menschen für sich gewinnt und von einer Sache überzeugt. Insbesondere sollen die Mitarbeitenden vorbehaltlos an das Unternehmen glauben, bei dem sie arbeiten. Aber auch an die Kunden richtet sich die Heilsbotschaft. Sie sollen vor allem an das Produkt glauben. Interessant ist, dass Rechte für die Maschinen bzw. die KI gefordert werden: „In ‚recent‘ years, we have expanded our concept of rights to both sexes, minority groups and even animals, let’s make sure we find a way for ‚machines‘ to get rights too.“ (Website WOTF) Diese Idee ist einige Jahrzehnte alt, und in Roboterethik und Technikphilosophie ist es nicht gelungen, dafür eine überzeugende Begründung zu finden. Maschinen haben nichts, was Rechte entstehen lassen könnte, etwa Empfindungs- und Leidensfähigkeit. Die Frage ist zudem, ob man Göttern Rechte zusprechen muss, oder ob sie sich diese, gerade wenn sie real sind, nicht einfach nehmen. Interessant ist auch, dass das Menschenwerk nicht wie in anderen Religionen geleugnet, sondern explizit gemacht wird: Die Erschaffung von Gott ist Programm.

Abb.: Die göttliche Maschine

Überlegungen zur Maschinenethik

Der Beitrag „Überlegungen zur Disziplin der Maschinenethik“ von Oliver Bendel aus der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte kann hier als PDF heruntergeladen werden. In der Ausgabe 6-7/2018 widmete man sich der Künstlichen Intelligenz, der Robotik und der Maschinenethik. Weitere Beträge stammen u.a. von Prof. Dr. Rául Rojas und Thea Dorn („Die können was! Aber können Roboter auch fühlen?“) sowie Prof. Dr. Catrin Misselhorn („Können und sollen Maschinen moralisch handeln?“). Aus Politik und Zeitgeschichte, die Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, wird von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben. „Sie veröffentlicht wissenschaftlich fundierte, allgemein verständliche Beiträge zu zeitgeschichtlichen und sozialwissenschaftlichen Themen sowie zu aktuellen politischen Fragen. Die Zeitschrift ist ein Forum kontroverser Diskussion, führt in komplexe Wissensgebiete ein und bietet eine ausgewogene Mischung aus grundsätzlichen und aktuellen Analysen.“ (Website APuZ) Weitere Informationen und Zugriff auf die Beiträge über www.bpb.de/apuz/263673/kuenstliche-intelligenz.

Abb.: Kopf eines Roboters