Kategorie: Roboterphilosophie

Goldene Zwanziger

„Die Digitalisierung hat längst auch unser Sexleben erfasst: Dating-Apps, ferngesteuerte Vibratoren, virtuelle Pornowelten. Nun steht mit humanoiden Sexrobotern der nächste große Schritt bevor. Worauf muss sich unsere Gesellschaft einstellen?“ Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag von Nora Belghaus, der am 28. Dezember 2019 in der TAZ erschienen ist. Zu Wort kommt u.a. Oliver Bendel, der sich mit Sexrobotern aus technischer und ethischer Perspektive befasst. Dabei interessieren ihn auch Details, etwa die Haut, der Mund, die Ohren und die Augen von Harmony. Der Hersteller, Realbotix aus San Marcos im San Diego County, ist offen gegenüber Hochschulen und hat Ende 2019 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bei einem Workshop in Potsdam ein Kopfmodell zur Verfügung gestellt. Oliver Bendel war unter ihnen und hat Harmony eingehend untersucht. Zudem hat er beobachtet, wie die Anwesenden auf sie reagierten. Umringt war sie vor allem von Frauen – die einen zeigten sich hingewandt, die anderen wirkten angeekelt. Diese Polarisierung scheint sich auch in der Literatur widerzuspiegeln, von Kate Devlin – die zum Workshop eingeladen, aber leider verhindert war – bis Kathleen Richardson. Der Artikel „Roboter der Lust“ ist in der Printausgabe zu finden. Eine elektronische Version mit dem Obertitel „Sex in den neuen 20er Jahren“ ist über taz.de/!5650790/ abrufbar.

Abb.: Goldene Zwanziger

Sich reproduzierende Maschinen

„Beim Verfahren der DNA of Things (DoT) speichern DNA-Moleküle beliebige Daten. Die Moleküle befinden sich in winzigen Kügelchen aus Silikagel, die in unterschiedliche Materialien und Produkte eingebracht werden können. Wie bei 3D-Codes, einem optischen Ansatz, ist im Prinzip eine hohe Speicherkapazität umsetzbar, und es entsteht ein unveränderlicher Speicher.“ (Gabler Wirtschaftslexikon, 17. Dezember 2019) So beginnt ein neuer Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon von Oliver Bendel. Ethische und rechtliche Herausforderungen werden von ihm angedeutet – diesen wird man sich in den nächsten Jahren widmen müssen, wenn sich das Verfahren durchsetzt. „Die Forscher weisen darauf hin, dass nicht nur Daten in Alltagsgegenständen, sondern auch elektronische Gesundheitsakten in medizinischen Implantaten versteckt werden können. Zudem könne die Entwicklung von selbstreplizierenden Maschinen erleichtert werden, was die Vision von Robotern nährt, die sich auf fremden Planeten reproduzieren.“ (Gabler Wirtschaftslexikon, 17. Dezember 2019) Der Beitrag kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/dna-things-121904 heruntergeladen werden.

Abb.: Sich selbst reproduzierende Maschinen

Was macht Roboter sozial?

Der Careum Dialog 2020 in Zürich konzentriert sich, so die Website, „auf die Fragen der sozialen und emotionalen Interaktionen zwischen Mensch und Maschine im Gesundheits- und Pflegewesen“. „Die Veranstaltung will aufzeigen, wie intelligente Technologien nicht nur die Arbeit von Pflegefachkräften verändern, sondern auch den Bedürfnissen von pflegebedürftigen Personen und deren Angehörigen gerecht werden. Gemeinsam mit den Teilnehmenden sollen Pflegeszenarien für 2025 erarbeitet werden, die auch wichtige ethische Aspekte in den Blick nehmen.“ (Website Careum) Den ersten Fachvortrag am 13. Februar hält Prof. Dr. Oliver Bendel zum Thema „Was macht Roboter sozial?“. Der Informations- und Maschinenethiker geht auf die Nähe von Mensch und Maschine, soziale Interaktions- und Kommunikationsformen von Robotern und die Darstellung sowie die Erzeugung bzw. Verstärkung von Emotionen ein. Dabei wirft er auch ethische Fragen auf. Kathrin Janowski stellt den State of the Art sozialer Roboter im Gesundheitswesen dar. Die ethische Perspektive nimmt wiederum Prof. Dr. Effy Vayena, Professorin für Bioethik, ein. Prof. Dr. Jan Ehlers widmet sich „Pflegeszenarien 2025“, Prof. Dr. Marc Oliver Korn behandelt Emotionen aus technischer Sicht und fragt, „wie Maschinen lernen, menschliche Emotionen zu deuten“ (Programm Careum). Am 14. Februar gibt es weitere Vorträge. Informationen zur Veranstaltung mit dem Titel „Talk to me: Soziale Roboter im Gesundheitswesen“ sind über www.careum.ch/dialog20 erhältlich.

Abb.: Was macht Roboter sozial?

Zu künstlicher Intelligenz und maschineller Moral

Das Colloquium Fundamentale ist eine beliebte Vortragsreihe am renommierten KIT. Den Schlusspunkt im Sommersemester 2019 setzte Prof. Dr. Oliver Bendel aus Zürich mit seinen „Überlegungen zu künstlicher Intelligenz und maschineller Moral“. Die Videoaufzeichnung ist seit 6. September 2019 verfügbar. Der Informations- und Maschinenethiker stellte zunächst die Frage, ob Ethik eine Wissenschaft ist, und gab die Antwort: Sie ist es, wenn sie wissenschaftliche Methoden benutzt. Wenn sie wiederum eine Wissenschaft sei, sei ihre Aufgabe nicht, das Gute in die Welt zu bringen, sondern das Gute und Böse zu untersuchen. Ihre Aufgabe sei die jeder Wissenschaft, nämlich Erkenntnisgewinn und -vermittlung. Danach präsentierte Oliver Bendel mehrere Serviceroboter, Chatbots und Sprachassistenten und diskutierte sie aus den Perspektiven von Informations- und Maschinenethik. Immer wieder ging er auf eigene Projekte an seiner Hochschule ein. Dort entsteht bis Ende des Jahres das siebte Artefakt der Maschinenethik, die siebte moralische Maschine, um diesen Terminus technicus zu benutzen. Er schloss an seine Gedanken vom Anfang des Vortrags an: Die Maschinenethik dürfe nicht nur moralische, sondern auch unmoralische Maschinen hervorbringen, um diese zu erforschen. Manche von ihnen sollte man aber besser im Labor lassen. Am Ende erörterte er die Möglichkeit einer Supermoral (Supermorality), die die Moral der Menschen hinter sich lässt, wie die Superintelligenz (Superintelligence) unsere Intelligenz. Er anerkannte die Vorteile, die eine solche mit sich brächte, auch angesichts des Leids, das wir weltweit verursacht haben, strich aber vor allem mögliche Nachteile heraus.

Abb.: Maschinenethik und KI

Lecturers as Holograms

Some universities strive to use holograms in their teaching. Through this technology, the lecturer’s representative would have a physical presence in space. Even interactions and conversations would be possible if the holograms or projections were connected to speech systems. Dr. David Lefevre, director of Imperial’s Edtech Lab, told the BBC one year ago: „The alternative is to use video-conferencing software but we believe these holograms have a much greater sense of presence“. American Samoa Community College (ASCC) has now switched on a digital platform that will stream 3D holograms of University of Hawai’i faculty members to deliver classes and engage with ASCC students in real-time. According to the website, students at the HoloCampus launch on August 20 received a lecture by UH Mānoa Water Resources Research Center researcher Chris Shuler on the subject of „sustainability and resilience“ – a theme „with special significance for the people of American Samoa and Pacific Islands nations as they face challenges such as increasing plastic waste and more dramatic weather systems brought about by climate change“ (Website University of Hawai’i). Holograms could play a role in all sorts of areas, including social and sexual relationships.

Fig.: Does the physical lecturer disappear?

Basic Income and Basic Property

Automation is advancing relentlessly. Already decades ago, digitization was its partner. In the industry, innovative robots, for example co-robots, are used. Service robots begin to spread in various areas. Systems of artificial intelligence perform tasks of all sorts, even creative activities. The studies on the development of the labor market reach different results. In any case, it can be said that certain jobs will disappear and many people will have to do without their familiar work. It can also be assumed that in many areas less human work has to be performed on behalf (e.g., for customers and employers). As possible solutions to economic and social problems, an and a robot tax are suggested. The paper „Are Robot Tax, Basic Income or Basic Property Solutions to the Social Problems of Automation?“ by Oliver Bendel presents, discusses and criticizes these approaches in the context of automation and digitization. Moreover, it develops a relatively unknown proposal, unconditional basic property, and presents its potentials as well as its risks. The lecture took place on 26 March 2019 at Stanford University (AAAI Spring Symposium „Interpretable AI for Well-Being: Understanding Cognitive Bias and Social Embeddedness“) and led to lively discussions. It was nominated for the „best presentation“. The paper has now been published as a preprint and can be downloaded here.

Fig.: Basic property as a solution?

Der umgekehrte Cyborg

„Chimären im biologischen und medizinischen Sinne sind Organismen, die aus Zellen bzw. Geweben unterschiedlicher Individuen bestehen und dennoch geschlossene und lebensfähige (nicht unbedingt fortpflanzungsfähige) Lebewesen bilden. Sie können innerhalb einer Art oder zwischen Arten angesiedelt und sowohl Pflanzen als auch Tiere sein. Es gibt natürliche (Blutchimären bei Säugetieren) und künstliche Mischwesen (Veredelung bei Pflanzen, Tier-Mensch-Embryonen).“ Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon von Oliver Bendel, erschienen am 23. August 2019. Cyborgs sind keine Chimären in diesem Sinne. Dennoch könnte die diesbezügliche Forschung auch Relevanz für sie haben, vor allem für umgekehrte oder umgedrehte Cyborgs, etwa Roboter, die ein tierisches oder menschliches Gehirn oder Organ eingepflanzt bekommen. Tier-Mensch-Chimären zur Herstellung von menschlichen Organen werden von vielen Ethikern als unproblematisch angesehen. Das ist erstaunlich, da Erkenntnisse aus Tierethik und Tiermedizin und insbesondere Leiden und Tod von nichtmenschlichen Lebewesen ausgeblendet werden. Dieser Rückschritt in der Diskussion wird am Ende des Beitrags angesprochen, den man über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/chimaere-121204 herunterladen kann.

Abb.: Hier fehlt noch die robotische Struktur

All about Robophilosophy

Robophilosophy or robot philosophy is a field of philosophy that deals with robots (hardware and software robots) as well as with enhancement options such as artificial intelligence. It is not only about the practice and history of development, but also the history of ideas, starting with the works of Homer and Ovid up to science fiction books and movies. Disciplines such as epistemology, ontology, aesthetics and ethics, including information and machine ethics, are involved. The new platform robophilosophy.com was founded in July 2019 by Oliver Bendel. He invited several authors to write with him about robophilosophy, robot law, information ethics, machine ethics, robotics and artificial intelligence. All of them have a relevant background. Oliver Bendel studied philosophy as well as information science and made his doctoral thesis about anthropomorphic software agents. He has been researching in the fields of information ethics and machine ethics for years.

Über Mitsuku und Co.

„Chatbots unterhalten sich mit Menschen und unterhalten sie, sie beraten Kunden und Interessenten auf Websites und in Instant-Messaging-Systemen, sie rufen hilfreiche Ressourcen auf und geben dazu Erläuterungen. Ihr Erfolg erklärt sich vor allem durch ihre natürlichsprachlichen Fähigkeiten und ihre Konstruktion als hilfreiches, sachkundiges oder lustiges Gegenüber. Der Beitrag erklärt, was Chatbots und Sprachassistenten sind, nennt Vor- und Nachteile ihres Einsatzes und stellt Produkte für die Kundenkommunikation und den Unterhaltungsbereich vor. Zudem geht er auf Projekte der Maschinenethik ein. Die meisten Chatbots verhalten sich nicht adäquat, wenn der Benutzer ihnen gegenüber Sorgen äußert. Moralische Maschinen als Dialogsysteme können eine Lösung sein.“ So der Abstract des Beitrags „Von Cor@ bis Mitsuku: Chatbots in der Kundenkommunikation und im Unterhaltungsbereich“ von Oliver Bendel, erschienen im Mai 2019 im „Handbuch Digitale Wirtschaft“ (Herausgeber: Tobias Kollmann). Er ist verfügbar auf SpringerLink.

Abb.: Viele Chatbots haben ein weibliches Vorbild

Das Moralmenü (MOME)

Die Maschinenethik bringt moralische und unmoralische Maschinen hervor. Die maschinelle Moral ist in der Regel festgelegt; es sind bestimmte Aktionen möglich, andere nicht. Ein alternativer Ansatz ist das Moralmenü. Über dieses überträgt der Besitzer oder Benutzer seine eigene Moral auf die Maschine. Diese agiert und reagiert so, wie er dies auch tun würde. Die Vorteile und Nachteile werden in dem Beitrag „Das Moralmenü: Moralische Maschinen mit einer Stellvertretermoral“ von Oliver Bendel diskutiert, veröffentlicht am 27. Januar 2019 in Telepolis. Telepolis, gegründet 1996, widmet sich seit Jahren immer wieder Roboterethik und Maschinenethik. Bei Heise Medien ist 2016 auch „Die Moral in der Maschine: Beiträge zu Roboter- und Maschinenethik“ von Oliver Bendel erschienen. Der Beitrag kann über www.heise.de/tp/features/Das-Moralmenue-4285297.html abgerufen werden.

Abb.: Soll der Saugroboter mit den Katzen spielen?