Kategorie: Roboterphilosophie

Wie soll der Sexroboter aussehen?

„Erotik 4.0 – Gedankenspiel Sexroboter“ lautet der Titel einer Sendung bei SRF 2 Kultur, die am 13. Juni 2018 ab 9 Uhr ausgestrahlt wird. „In Dortmund gibt es ein Sexpuppen-Bordell, in Barcelona sogar schon ein Sexroboter-Bordell. Der Roboterphilosoph Oliver Bendel findet diese Entwicklung gefährlich. Denn noch wissen wir nicht, welche Folgen Sexroboter für uns Menschen haben, die empirische Forschung fehlt noch.“ (Website SRF) Er spricht sich nicht gegen die Entwicklung aus, sondern ist eben dafür, Forschung in diesem Bereich zu betreiben und die Anwendung genau im Auge zu behalten. In der „Kontext“-Sendung geht es zunächst um Harmony. „Wer ist sie und was kann sie?“ Dann wird die Frage gestellt: „Wie soll der Sexroboter aussehen?“ Oliver Bendel denkt laut über das Aussehen von Sexrobotern abseits der Stereotype nach. Schließlich findet ein „Gedankenspiel“ statt, und KI-Experte und Schachmeister David Levy, Roboterethikerin Kathleen Richardson und Roboterphilosoph Oliver Bendel kommen zu Wort. Weitere Informationen über www.srf.ch/sendungen/kontext/erotik-4-0-gedankenspiel-sexroboter.

Abb.: Wie soll der Sexroboter aussehen?

Interview zu Cobots

In der Netzwoche 10/2018 findet sich ein ganzseitiges Interview mit Oliver Bendel zu Kooperations- und Kollaborationsrobotern, auch Co-Robots oder Cobots genannt. Der Informations- und Maschinenethiker hält die Teams oder Tandems aus Mensch und Maschine für nützlich und hilfreich. Mensch und Maschine spielen jeweils ihre Stärken aus. Der Mensch wird entlastet. Ein Problem könnte in Zukunft allerdings die Überwachung sein. Die Maschine kommt uns sehr nahe, und mit Hilfe ihrer Sensoren und ihrer Software könnte sie uns ausspionieren. Dies hat Oliver Bendel in einem anderen Interview, mit der SonntagsZeitung, betont. Im Moment überwiegen für ihn klar die Vorteile. Interessant findet er zudem, dass Kooperations- und Kollaborationsroboter nicht nur in Produktion und Logistik, sondern auch in Pflege und Therapie eingesetzt werden. Damit schlagen sie eine Brücke zwischen Industrie- und Servicerobotern. Das Interview kann mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift als PDF hier heruntergeladen oder auch online gelesen werden.

No Ban on Development

„Sex robots are coming, but the argument that they could bring health benefits, including offering paedophiles a ’safe‘ outlet for their sexual desires, is not based on evidence, say researchers. The market for anthropomorphic dolls with a range of orifices for sexual pleasure – the majority of which are female in form, and often boast large breasts, tiny waists and sultry looks – is on the rise, with such dummies selling for thousands of pounds a piece.“ (Guardian, 5 June 2018) These are the initial words of an article in the well-known British daily newspaper Guardian, published on 5 June 2018. It quotes Susan Bewley, professor of women’s health at Kings College London – and Oliver Bendel, professor at the School of Business FHNW and expert for information and machine ethics. He is not in favor of a ban on the development of sex robots and love dolls. However, he can imagine that the area of application could be limited. He calls for empirical research in the field. The article can be accessed via www.theguardian.com/science/2018/jun/04/claims-about-social-benefits-of-sex-robots-greatly-overstated-say-experts.

Fig.: Empirical research is necessary

Cara nimmt Gestalt an

Die Arbeiten am Kurzfilm „Ignarus“ (Hochschule der Medien, Director: Lutz Marquardt, Producer: Cornelius Herzog, VFX Producer: Nico Hoerz, DOP: Tatjana Huck) schreiten voran. Es wurden Bilder veröffentlicht, die die gestalterische Arbeit an der künstlichen Intelligenz Cara zeigen, die mit John, einem Wissenschaftler, in einem abgeschotteten Forschungsbunker festsitzt. Obwohl Cara nur ein Hologramm und ein Programm sei, verfüge sie über äußerst menschliche Züge und Charaktereigenschaften. Sie weiß „mit John umzugehen und ihn in einer cleveren Weise zu beeinflussen und zu lenken, wie es die Mission – und am Ende auch Cara – von ihm verlangt“ (Projektbeschreibung STUDIOPRODUKTION VFX SS18). „Mit diesem Verhalten schafft es Cara, sich John durch subtile Anstöße zum Werkzeug zu machen. Ihre Ziele und Absichten scheinen jedoch stets verborgen und so wirkt sie zum Teil unvorhersehbar und fast schon tückisch. Ihre Art lässt dadurch oft zweifeln, ob sie so programmiert wurde oder sich bereits eigene Eigenschaften angeeignet hat und eine unerwartete Art der Entwicklung durchläuft.“ (Projektbeschreibung STUDIOPRODUKTION VFX SS18) Der Film wird von maschinenethik.net unterstützt und feiert am 5. Juli 2018 bei der MediaNight seine Weltpremiere.

Abb.: Wie wird Cara am Ende aussehen?

KI-Interview bei der Deutschen Welle

Die Deutsche Welle war Ende Mai 2018 im Gespräch mit Oliver Bendel. Anlass war ein Treffen zwischen Angela Merkel und Experten für Künstliche Intelligenz. Der Informations- und Maschinenethiker empfiehlt eine Unterscheidung zwischen Forschung und Entwicklung auf der einen Seite und Anwendung auf der anderen. Er ist für die Freiheit der Forschung. Für ihn endet sie erst da, wo die Freiheit und Unversehrtheit von anderen beginnt, von Menschen und Tieren. Dagegen muss man nach seiner Ansicht die eine oder andere Anwendung von KI bereits jetzt einschränken, etwa dann, wenn Massenüberwachung stattfindet. Die Deutsche Welle über sich selbst auf ihrer Website: „Die Deutsche Welle (DW) ist der Auslandssender Deutschlands. In journalistischer Unabhängigkeit vermitteln wir ein umfassendes Deutschlandbild, stellen weltweite Ereignisse und Entwicklungen aus europäischer Perspektive dar, greifen deutsche und andere Sichtweisen auf. So fördern wir das Verständnis zwischen den Kulturen und Völkern. Zugleich schaffen wir einen Zugang zur deutschen Sprache.“ (Website Deutsche Welle) Das Interview kann über www.dw.com/de/jetzt-machen-wir-gro%C3%9Fartige-spr%C3%BCnge/a-43964092 aufgerufen werden.

Abb.: Da muss KI im Spiel sein!

Die Industrie wird uns nicht sterben lassen

In der SonntagsZeitung vom 20. Mai 2018 ist ein umfangreiches Interview mit Oliver Bendel erschienen, nebst Informationen zu einer Robotik- und KI-Konferenz, die unlängst in Stuttgart am Fraunhofer IPA stattfand. Der Beitrag von Joachim Laukenmann mit dem Titel „Die Industrie wird uns nicht sterben lassen, denn wir sollen ihre Produkte kaufen“ kann hier heruntergeladen werden. Im Interview geht es vor allem um Kooperations- und Kollaborationsroboter, auch Co-Robots oder Cobots genannt, aus Sicht der Ethik. Oliver Bendel erklärte im Wirtschaftslexikon von Gabler Springer: „Kooperations- und Kollaborationsroboter sind moderne Industrieroboter, die mit uns Schritt für Schritt an einem gemeinsamen Ziel (Kooperationsroboter) bzw. Hand in Hand an einer gemeinsamen Aufgabe arbeiten, wobei wiederum ein bestimmtes Ziel gegeben ist (Kollaborationsroboter). Sie nutzen dabei ihre mechanischen und sensorischen Fähigkeiten und treffen Entscheidungen mit Blick auf Produkte und Prozesse im Unternehmen bzw. in der Einrichtung.“ Am Ende des Interviews äußert Oliver Bendel auch Kapitalismuskritik. Er ist für eine Reichensteuer und für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Robotersteuer muss nach seiner Ansicht diskutiert werden, hat aber mehr Nach- als Vorteile.

Abb.: Eine Maschine

Symposium in Helsinki on Moral Machines

„Moral Machines? The Ethics and Politics of the Digital World“ is a symposium organized by two research fellows, Susanna Lindberg and Hanna-Riikka Roine at the Helsinki Collegium for Advanced Studies. „The aim of the symposium is to bring together researchers from all fields addressing the many issues and problems of the digitalization of our social reality, such as thinking in the digital world, the morality and ethics of machines, and the ways of controlling and manipulating the digital world.“ (Website Symposium) The symposium will take place in Helsinki from 6 to 8 March 2019. It welcomes contributions addressing the various aspects of the contemporary digital world. The organizers are especially interested „in the idea that despite everything they can do, the machines do not really think, at least not like us“. „So, what is thinking in the digital world? How does the digital machine ‚think‘?“ (Website Symposium) Proposals can be sent to the e-mail address moralmachines2019@gmail.com by 31 August 2018. Decisions will be made by 31 October 2018. Further information is available on https://blogs.helsinki.fi/moralmachines/.

Der falsche Zwilling

„Die Mängelmaschine“ ist der Titel eines Beitrags auf Ö1, ausgestrahlt am 14. Mai 2018. Zu Wort kommen Hiroshi Ishiguro, Mark Coeckelbergh, Janina Loh und Oliver Bendel. Der japanische Robotiker hat einen Doppelgänger geschaffen: „Der Roboter Geminoid sieht genauso aus wie sein Schöpfer – und vertritt ihn bisweilen sogar bei Vorlesungen. Für Ishiguro ist sein künstlicher Klon eine Person, eine nicht ganz perfekte und liebenswerte Kopie seiner selbst. Aber die Frage ist für ihn nicht besonders wichtig.“ (Website Ö1) Denn, so wird Ishiguro zitiert: „Warum müssen wir zwischen Menschen und Maschinen unterscheiden? Der Mensch ist ein Tier, das sich der Technologie bedient. Ohne Maschinen wären wir bloß Affen – und unfähig in dieser Welt zu überleben.“ (Website Ö1) Es gibt viele Gründe, zwischen Menschen und Maschinen zu unterscheiden. Einer davon: Während wir empfinden und leiden und glücklich sind, tun die Maschinen dies nicht. Und das ist eine gewaltige Differenz mit gewaltigen Implikationen: Wir müssen Menschen und Maschinen völlig unterschiedlich behandeln. Man kann von einem Mangel sprechen, den auch der Zwilling von Ishiguro aufweist: „Forscher/innen aus dem Westen … halten Geminoid für nicht mehr als eine aufwändig gestaltete Puppe.“ (Website Ö1)

Abb.: Der falsche Zwilling

Ein Ethiker muss nicht moralisch handeln

„Verfügen intelligente Maschinen über Emotionen, können sie moralisch handeln und haben sie womöglich Rechte?“ Nein, ja, nein, könnte man die Antworten von Oliver Bendel zusammenfassen. Teachtoday sprach mit ihm „über die Moral intelligenter Maschinen und das weite Feld der Maschinenethik“. Den Einstieg des Interviews bildet eine persönliche Frage: „Herr Bendel, wann haben Sie das letzte Mal etwas aus Ihrer Sicht Unmoralisches getan?“ Die Antwort: „Ich tue oft etwas Unmoralisches, aus der Sicht anderer und aus meiner Sicht. Man muss sein Leben nicht der Moral unterordnen, nicht als Individuum, nicht als Gruppe, nicht als Gesellschaft und auch nicht als Unternehmen. Aber natürlich gibt es Verhaltensweisen, die ich unmoralisch finde und die ich grundsätzlich vermeide.“ Und weiter: „Ein Ethiker muss auch nicht moralisch handeln. Er muss nicht gut sein. Ein Mediziner muss auch nicht gesund sein. Man beschäftigt sich einfach professionell mit einem Thema. Man erforscht einen Gegenstand.“ Das Interview kann hier aufgerufen werden.

CIMON will ins All

Eine fliegende Alexa hat ihn der SPIEGEL etwas despektierlich genannt. Gemeint ist CIMON, ein autonomer, mit künstlicher Intelligenz verbundener Weltraumroboter, der demnächst im Columbus-Modul der ISS zum Einsatz kommen soll. Entwickelt hat ihn das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „CIMON kann sehen, hören, verstehen, sprechen – und fliegen. Er ist rund, hat einen Durchmesser von 32 Zentimetern und wiegt fünf Kilogramm.“ (Website DLR) Sein Vorbild war nicht Alexa, sondern vielmehr, so der DLR auf seiner Website, Professor Simon Wright aus der 80er-Jahre-Zeichentrickserie „Captain Future“, ein „fliegendes Gehirn“ mit Sensoren, Kameras und einem Sprachprozessor. Mit Hilfe von 14 internen Ventilatoren kann sich CIMON frei in alle Raumrichtungen bewegen und rotieren. Er kann sich laut DLR dem Astronauten zuwenden, wenn er angesprochen wird, und ihm selbstständig oder auf sein Kommando hin folgen. Auch im Unterschied zu Alexa hat CIMON ein Gesicht, zu sehen auf dem Display an der abgeflachten Seite. Damit kann er freundlich und bestimmt auch zuversichtlich schauen. Ob er auch moralische Fähigkeiten hat, ist nicht bekannt. Weitere Informationen über www.dlr.de.

Abb.: Professor Simon Wright war ein fliegendes Gehirn