Kategorie: Künstliche Intelligenz

Der Roboter entdeckt die Philosophie

Die Ideen- und Entwicklungsgeschichte ist reich an künstlichen Kreaturen. Mythos und Fiktion bringen Pandora und Talos hervor, die Geschöpfe des Hephaistos, die Automatenmenschen des Daidalos, die Skulptur des Pygmalion, die eiserne Jungfrau des Nabis. Die Realität war zunächst verbunden mit der Illusion. Von ca. 1500 bis 1850 wurden tier- und menschenähnliche (Pseudo-)Automaten erdacht bzw. vorgeführt, die körnerschluckende Ente, die kunstvollen Androiden, der doppelbödige Schachtürke. Dann, nach weiteren 150 Jahren, streifte die Realität die Illusion mehr und mehr ab, wobei sie die Simulation in den meisten Fällen bei sich behielt. Es werden Systeme und Roboter erschaffen, die den Menschen nicht nur zum Verwechseln ähnlich sehen, sondern sogar, auch mit Hilfe künstlicher Intelligenz, selbst Optionen wählen und Aktionen ausführen, unter Umständen mit weitreichenden Folgen. Sie werden von sozialer Robotik und Maschinenethik gezähmt, dressiert, zivilisiert und moralisiert. Auch tierähnliche und dinghafte Artefakte scheinen plötzlich Eigenschaften zu haben, die man bisher Menschen zugeschrieben hat. Oliver Bendel wird in seinem Vortrag am 9. Januar 2019 im Haus Huth in Berlin erklären, was Roboterphilosophie und Roboterethik und was soziale Robotik und Maschinenethik sind. Er wird darstellen, wie man Entwickler und ihre Geschöpfe für die Philosophie gewinnt und wie man Roboterautos, Serviceroboter und Chatbots zu moralischen und unmoralischen Maschinen machen kann. Und wie man dabei in manchen Fällen die Büchse der Pandora öffnet. Weitere Informationen über die Website der Daimler und Benz Stiftung.

Abb.: Die Philosophie entdeckt den Roboter

Chinesische Nachrichten

Wie verschiedene Medien melden, hat die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua ein System vorgestellt, das im Fernsehen Nachrichten verlesen kann. Die verfügbaren Avatare sind realen Sprechern nachgebildet, nämlich Qiu Hao und Zhang Zhao. Die digitale Kopie von Qiu spricht chinesisch, die von Zhang englisch. „Das System nutzt Künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen, um die Stimme, Lippenbewegungen, Mimik und Gestik der Vorbilder möglichst realistisch zu imitieren. Dadurch solle ein möglichst lebensnahes Abbild entstehen und kein kalter Roboter, erklärte Xinhua. Das System ist zudem lernfähig. Das bedeutet, die Avatare lernen von Videos menschlicher Sprecher und werden dadurch mit der Zeit besser.“ (Golem, 9. November 2018) Im Moment klingt die Stimme von Zhang erstaunlich künstlich. Die Stimmen üblicher Text-to-Speech-Engines erreichen eine bessere Qualität. Mit Hilfe von SSML kann man sie noch menschenähnlicher gestalten. Virtuelle Nachrichtensprecher sind insgesamt ein alter Hut. Ananova, eine virtuelle Nachrichtensprecherin, hatte vor 20 Jahren eine gewisse Popularität erlangt. Sie wechselte 2000 für eine Ablösesumme von 95 Millionen Pfund zum Telefonanbie­ter Orange.

Abb.: Ein chinesischer Avatar?

The Effects of Voices

The University of Potsdam dedicates its current research to voices. The scientists – among them Dr. Yuefang Zhou and Katharina Kühne – are studying the first impression during communication. The survey website says: „The current study will last approximately 20 minutes. You will be asked some questions about the voice you hear. Please answer them honestly and spontaneously. There are no right or wrong answers; we are interested in your subjective perception. Just choose one out of the suggested alternatives.“ Prof. Dr. Oliver Bendel, FHNW School of Business, has produced three of the samples and participates in the project. „Your responses will be treated confidentially and your anonymity will be ensured. Your responses cannot be identified and related to you as an individual, if you choose to leave your e-mail address at the end of the study this cannot be linked back to your responses. All responses will be compiled together and analysed as a group.“ The questionnaire can be accessed via www.soscisurvey.de/impress/.

Fig.: The effects of voices

Übersetzung und KI: Gefahr oder Chance?

„Welchen Platz nimmt die Technologie des Posthumanismus in der Übersetzung ein? Die Geschichte der Künstlichen Intelligenz ist eng mit jener der Übersetzung verknüpft. Grund dafür ist vielleicht die Tatsache, dass die Suche nach dem tieferen Sinn etwas sehr Menschliches ist und einer Maschine kaum zugetraut wird.“ (Website ASTTI) Die maschinelle Übersetzung (engl. „machine translation“, kurz MT), seit jeher ein zentrales Thema im IT-Bereich, habe in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Läutet sie, so der Schweizerische Übersetzer-, Terminologen- und Dolmetscherverband (ASTTI), das Ende der menschlichen Übersetzung ein? „Der ASTTI möchte diese Büchse der Pandora öffnen und lädt alle interessierten Sprachmittlerinnen und Sprachmittler zu seiner Jahrestagung équivalences ein, die sich am 16. November 2018 im Kursaal in Bern mit dem faszinierenden Thema MT auseinandersetzen wird.“ (Website ASTTI) Die Vortragenden sind Martin Kappus, Sabrina Girletti, Daria Caiano, Samuel Läubl, Alison López-Edge, Anna Busby, Hellmut Riediger, Gabriele Galati und Oliver Bendel. Mehr über new.astti.ch/web/Jahrestagung_equivalences_488_3.php.

Abb.: Maschinelle Simultanübersetzung

Das BESTBOT-Projekt in den Medien

Der BESTBOT wurde in mehreren Medien thematisiert. In der ICTkommunikation vom 15. August 2018 war zu lesen: „Wie der Liebot ist der Bestbot ein vernetztes System, das z.B. Suchmaschinen und Lexika anzapft. Der Bestbot analysiert die Texteingaben des Users u.a. mit textbasierter Emotionserkennungssoftware. Zugleich wird Gesichtserkennung eingesetzt, wiederum mit Emotionserkennung. Wenn der Benutzer etwa angibt, dass es ihm gut geht, sein Gesicht aber anderes verrät, spricht der Chatbot diese Diskrepanz an.“ VRODO titelte am 10. September 2018 mit „Das Chatbot-Dilemma: Kann eine Maschine moralisch sein?“ und schrieb im Teaser: „Die Interaktion zwischen Mensch und Computer ist längst eine Sache der Moral, beispielsweise beim Tracking von Klicks. Zukünftige Mensch-Maschine-Schnittstellen setzen da noch etwas drauf: Sprache kann analysiert, das Gesicht gescannt und eine Bewegung registriert werden. Das verschärft das moralische Spannungsfeld.“ Die Zeitschrift hatte den BESTBOT getestet und ging ausführlich auf das System ein. Oliver Bendel, der Erfinder des Chatbots, ist der Meinung, dass sich in der moralischen Maschine eine unmoralische versteckt, nämlich eine, die die Freiheit des Benutzers bedroht.

Abb.: Versteckt sich in der moralischen Maschine eine unmoralische?

Der Roboter im Restaurant

Die Bedienung, der Kellner, der Ober, die Serviertochter, sie alle haben einen harten Job und verdienen wenig Geld. In Zukunft haben sie vielleicht gar keinen Job mehr. Serviceroboter wie Küchenroboter und Roboterküchen sind bereits Realität, Bedienungsroboter auf dem Vormarsch. Florian Rötzer von Telepolis schreibt am 7. August 2018: „Bedienungen in Restaurants verdienen nicht viel. Gleichwohl werden sie womöglich eine der Berufsgruppen sein, die am schnellsten von Roboter verdrängt werden. Und das nicht nur in den reichen Ländern. In China hat Alibaba bereits Restaurants in Hema-Supermärkten unter dem Namen Robot.He eröffnet, in denen Roboter das Essen zum Tisch oder in die Nähe des Tisches bringen. Und der Rivale JD.com will ganz schnell, bis 2020, 1000 vollautomatische Restaurants in China eröffnen.“ (Telepolis, 7. August 2018) Für Wirtschafts-, Informations- und Maschinenethik ergeben sich interessante Fragestellungen in Bezug auf den Einsatz, die Gestaltung und die Stimme. Ob der moralische Bedienungsroboter dem Gast das Kalbsschnitzel verweigern und Kartoffelpüree mit Erbsen empfehlen soll, ist noch zu diskutieren.

Abb.: Heute nur Erbsen

International Workshop on Ethics and AI

The international workshop „Understanding AI & Us“ will take place in Berlin (Alexander von Humboldt Institute for Internet and Society) on 30 June 2018. It is hosted by Joanna Bryson (MIT), Janina Loh (University of Vienna), Stefan Ullrich (Weizenbaum Institute Berlin) and Christian Djeffal (IoT and Government, Berlin). Birgit Beck, Oliver Bendel and Pak-Hang Wong are invited to the panel on the ethical challenges of artificial intelligence. The aim of the workshop is to bring together experts from the field of research reflecting on AI. The event is funded by the Volkswagen Foundation (VolkswagenStiftung). The project „Understanding AI & Us“ furthers and deepens the understanding of artificial intelligence (AI) in an interdisciplinary way. „This is done in order to improve the ways in which AI-systems are invented, designed, developed, and criticised.“ (Invitation letter) „In order to achieve this, we form a group that merges different abilities, competences and methods. The aim is to provide space for innovative and out-of-the-box-thinking that would be difficult to pursue in ordinary academic discourse in our respective disciplines. We are seeking ways to merge different disciplinary epistemological standpoints in order to increase our understanding of the development of AI and its impact upon society.“ (Invitation letter)

Fig.: Combat robots could also be an issue

Uncanny Valley Effect and Synthetic Voices

Google Duplex convinced not only with its voice, but also with its emphasis and way of speaking. It was imperfection that gave rise to perfection. What if you take a human-like voice and design the emphasis so that it doesn’t match what the machine says? This creates an effect that can be associated with the Uncanny Valley effect. In this example, produced using SSML, Allison tells you something very sad with a euphoric voice. It sounds a little creepy. Then she tells you something positive with an expression of regret. That sounds pretty weird. Of course, one can imagine a certain context. One can assume that the robot would also like to be a human being and that it is therefore envious of humans and full of sadness about its existence. Then you’d have a jealous, sad robot that doesn’t say what it means. Research is already underway in this area. In 2014 Jan Romportl published the paper „Speech Synthesis and Uncanny Valley“. More research is needed to better understand the effect of the synthetic voice. An interesting method is to make the emphasis inappropriate.

Fig.: The emphasis is inappropriate

Kollege Roboter kommt zur Arbeit

In der Titelgeschichte der Netzwoche 10/2018 geht es um Kooperations- und Kollaborationsroboter, auch Co-Robots oder Cobots genannt. Zu Wort kommen Steven Wyatt, Head of Marketing & Sales bei ABB Robotics, und Prof. Dr. Oliver Bendel, Hochschule für Wirtschaft FHNW. Kooperations- und Kollaborationsroboter sind moderne Industrieroboter, die mit uns Schritt für Schritt an einem gemeinsamen Ziel (Kooperationsroboter) bzw. Hand in Hand an einer gemeinsamen Aufgabe arbeiten, wobei wiederum ein bestimmtes Ziel gegeben ist (Kollaborationsroboter). Sie nutzen dabei ihre mechanischen und sensorischen Fähigkeiten und treffen Entscheidungen mit Blick auf Produkte und Prozesse im Unternehmen bzw. in der Einrichtung. Mensch und Maschine kommen sich in der Produktion und in der Logistik inzwischen also unter Umständen sehr nahe. Sie sind dabei in der Lage, ihre jeweiligen Stärken auszuspielen. Zudem entlastet der Co-Robot den Menschen. Der Artikel mit dem Titel „Cobots: Roboter und Menschen arbeiten Hand in Hand“ kann mit freundlicher Genehmigung der Netzwoche als PDF hier heruntergeladen oder auch online gelesen werden.

Abb.: Kollege Roboter kommt zur Arbeit

KI-Interview bei der Deutschen Welle

Die Deutsche Welle war Ende Mai 2018 im Gespräch mit Oliver Bendel. Anlass war ein Treffen zwischen Angela Merkel und Experten für Künstliche Intelligenz. Der Informations- und Maschinenethiker empfiehlt eine Unterscheidung zwischen Forschung und Entwicklung auf der einen Seite und Anwendung auf der anderen. Er ist für die Freiheit der Forschung. Für ihn endet sie erst da, wo die Freiheit und Unversehrtheit von anderen beginnt, von Menschen und Tieren. Dagegen muss man nach seiner Ansicht die eine oder andere Anwendung von KI bereits jetzt einschränken, etwa dann, wenn Massenüberwachung stattfindet. Die Deutsche Welle über sich selbst auf ihrer Website: „Die Deutsche Welle (DW) ist der Auslandssender Deutschlands. In journalistischer Unabhängigkeit vermitteln wir ein umfassendes Deutschlandbild, stellen weltweite Ereignisse und Entwicklungen aus europäischer Perspektive dar, greifen deutsche und andere Sichtweisen auf. So fördern wir das Verständnis zwischen den Kulturen und Völkern. Zugleich schaffen wir einen Zugang zur deutschen Sprache.“ (Website Deutsche Welle) Das Interview kann über www.dw.com/de/jetzt-machen-wir-gro%C3%9Fartige-spr%C3%BCnge/a-43964092 aufgerufen werden.

Abb.: Da muss KI im Spiel sein!