Die Maschine versteht dich (oder auch nicht)

Der Medientag 2017 der Universität Innsbruck trägt den Titel „Talk with the Bots. Die Maschine versteht dich“. Er findet am Dienstag, 21. November 2017 in der Aula statt. Aus dem Flyer: „Immer öfter kommuniziert Software mit und für uns. Bots übernehmen unbemerkt immer komplexere Aufgaben für Nutzer*innen. Virtuelle Assistent*innen wie Alexa, Siri, Cortana und Assistant empfangen und verarbeiten die gesprochene Sprache. Künstliche Intelligenzen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und versprechen eine Erleichterung bei alltäglichen Fragen und Tätigkeiten. Im Bereich der politischen Propaganda und Public Relations sind die Social Bots im vergangenen Jahr zu zweifelhafter Berühmtheit gelangt. … Wie können wir die Interaktion mit künstlichen Intelligenzen von jener mit Menschen unterscheiden? Inwieweit ist das wichtig? Was bedeutet diese Entwicklung für das Alltagsleben und für den Bereich der Kommunikation? Welche Bedeutung hat der verbreitete Einsatz von Bots als neue Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine?“ Die Impulsvorträge stammen von Dr. Netaya Lotze (Linguistin an der Westfälischen Wilhelms-Universität), Bernhard Hauser (Mitgründer von Oratio, Organisator der ChatbotConf) und Prof. Dr. Oliver Bendel (Informations- und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW). Den Flyer zur Veranstaltung kann man hier herunterladen.

Abb.: Versteht die Maschine mich?

Das SmartShuttle auf dem Podium

PostAuto verfolgt mit dem SmartShuttle, das seit 2016 fahrerlos in Sion unterwegs ist, eher einen Google- als einen Tesla-Ansatz. Die Strecken werden mit Hilfe von Lidar und 3D-Lidarkarten abgefahren. Auch über Kameras verfügt das SmartShuttle. Auf dem Podium sitzen beim Movimento 2017 Prof. Dr. Oliver Bendel (Professor für Wirtschaftsinformatik, Informationsethik und Maschinenethik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW), Tim Cole (Autor, Blogger und Redner) und Prof. Dr. Roland Siegwart (Professor für Autonome Systeme an der ETH Zürich). Die Moderation obliegt Urs Bloch (Mediensprecher bei PostAuto Schweiz, vormals Redaktor bei der NZZ). Auf der Website www.postauto.ch/de/movimento sind folgende Informationen zu finden: „Überraschend, informativ, vernetzend: Am 30. November 2017 wird Ihnen das Movimento von PostAuto von 09.00 bis 14.30 Uhr neue Impulse geben und Sie gut unterhalten.“ Die Gäste aus der Mobilitätsbranche der ganzen Schweiz können sich im Berner Westside angeregt austauschen. „Sei dies über die Mobilität oder über andere Themen, sei dies bei Kaffee und Gipfeli oder beim Lunch.“ (Website PostAuto)

Digital Europe Working Group Conference

The Digital Europe Working Group Conference Robotics will take place on 8 November 2017 at the European Parliament in Brussels. The keynote address will be given by Mariya Gabriel, European Commissioner for Digital Society and Economy. The speakers of the first panel are Oliver Bendel (Professor of Information Systems, Information Ethics and Machine Ethics at the School of Business FHNW, via video conference), Anna Byhovskaya (policy and communications advisor, Trade Union Advisory Council of the OECD) and Malcolm James (Senior Lecturer in Accounting & Taxation, Cardiff Metropolitan University). The third panel will be moderated by Mady Delvaux (Member of the European Parliament). Speaker is Giovanni Sartor (Professor of Legal Informatics and Legal Theory at the European University Institute). The poster can be downloaded here. Further information is available at www.socialistsanddemocrats.eu/events/sd-group-digital-europe-working-group-robotics.

Abb.: Das Atomium in Brüssel

Flores y Robots

„Ein Gedicht sorgt für Aufregung. Es ist ein schlichtes Gedicht an einer Wand der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin. Es ist in Spanisch und stammt aus dem Jahr 1953. Es ist dort an der Giebelwand seit 2011. Eugen Gomringer, Schriftsteller und Begründer der Konkreten Poesie, hatte es, nachdem er den Alice Salomon Poetik Preis 2011 erhalten hat, der Hochschule übergeben.“ So Peter Epperlein in Telepolis vom 30. Oktober 2017. „Trotz seiner Größe von 15 Metern Höhe und 14 Metern Breite wurde es von der breiten Öffentlichkeit kaum beachtet, bis der AStA, die Studentenvertretung, daran Anstoß genommen hat. Es sei frauenverachtend und sollte daher übermalt werden. Die Frau würde als Objekt dargestellt werden. Das Subjekt, der Handelnde sei wieder einmal der Mann. Dies würde die Frauen an die Übergrifflichkeit der Männer, den täglichen Sexismus erinnern, und sei daher ein Symbol der Frauenunterdrückung.“ (Telepolis, 30. Oktober 2017) Das Gedicht liegt nun in einer neuen Fassung von Oliver Bendel vor, wurde von einer Roboterfrau namens Laura eingesprochen (zur Gestaltung wurde SSML verwendet) und kann hier heruntergeladen werden. Weitere Robotergedichte über handyroman.net/handyhaiku/einstieg.html.

Abb.: Flores y Robots

Towards the BESTBOT

Machine ethics researches the morality of semiautonomous and autonomous machines. In the year 2013, the School of Business at the University of Applied Sciences and Arts Northwestern Switzerland FHNW realized a project for implementation of a prototype called GOODBOT, a novelty chatbot and a simple moral machine. One of its meta rules was it should not lie unless not lying would hurt the user. It was a stand-alone solution, not linked with other systems and not internet- or web-based. In the LIEBOT project, the mentioned meta rule was reversed. This web-based chatbot, implemented in 2016, could lie systematically. It was an example of a simple immoral machine. A follow-up project in 2018 is going to develop the BESTBOT, considering the restrictions of the GOODBOT and the opportunities of the LIEBOT. The aim is to develop a machine that can detect problems of users of all kinds and can react in an adequate way. It should have textual, auditory and visual capabilities.

Fig.: The BESTBOT will be better than the GOODBOT

Maschinenethik im Cyber Security Report

„Die Informationsethik ist seit Jahrzehnten auf der ganzen Welt präsent und doch eine kleine Disziplin geblieben. Vor einiger Zeit ist eine neue Disziplin entstanden, die Maschinenethik. In ihr werden Systeme sowohl diskutiert als auch implementiert. Sie stößt auf reges Interesse in Wirtschaft und Gesellschaft.“ So beginnt der Artikel „Die Maschine in der Moral“ von Oliver Bendel, der im Oktober im Cyber Security Report 2017 erschienen ist. Informationsethik wird wie folgt erläutert: „Sie hat die Moral derjenigen zum Gegenstand, die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und neue Medien anbieten und nutzen.“ Zur Maschinenethik schreibt Oliver Bendel: „Der Begriff der maschinellen Moral wird meist ähnlich verwendet wie der Begriff der künstlichen Intelligenz; während jene eben der Gegenstand der Maschinenethik ist, ist diese der Gegenstand der Künstlichen Intelligenz (KI) als Disziplin.“ Sodann wird das automatisierte Fahren aus der Perspektive von Informations- und Maschinenethik betrachtet. Zur Informationsethik heißt es am Ende: „Schlussendlich kann sie deutlich machen, dass die Maschinenethik nicht grenzenlos tätig sein sollte. Zuviel maschinelle Moral kann schaden. Zuviel künstliche Intelligenz übrigens auch.“ Der Beitrag kann hier heruntergeladen werden. Weitere Informationen über www.mittler-report-shop.de/product_info.php?products_id=445.

3TH1CS – Die Ethik der digitalen Zeit

Das Buch „3TH1CS – Die Ethik der digitalen Zeit“ ist am 25. Oktober 2017 erschienen. Der Herausgeber schreibt auf seiner Website: „Der digitale Wandel erfasst immer mehr Bereiche unseres Lebens und wirft dadurch viele neue ethische Fragestellungen auf. Mit dem Buch ‚3TH1CS‘ erforschen wir in konkreten Beiträgen, wo sich diese Fragen genau stellen und wie wir als Gesellschaft mit ihnen umgehen können oder sogar sollten. Die insgesamt 20 Beiträge stammen von ausgewählten Expertinnen und Experten, die zu den führenden Denkern in Europa, Asien und Amerika gehören. Sie beleuchten die Bereiche, in denen der digitale Wandel eine Herausforderung für bestehende moralische Konventionen darstellt oder sogar ein Umdenken erfordert. ‚3TH1CS‘ gibt einen Überblick über die wichtigsten ethischen Fragen unserer Zeit, jeweils aus der Perspektive namhafter Wissenschaftlerinnen, Denker und Philosophinnen. Sie lassen uns an ihren Erkenntnissen und Gedanken zur Ethik im digitalen Zeitalter teilhaben und präsentieren auf verständliche Art Ideen, Einschätzungen und Vorschläge, die zum Mitdiskutieren einladen.“ Die Beiträge stammen u.a. von Luciano Floridi, Oliver Bendel, Susan Leigh Anderson und Michael Anderson, Jean-Baptiste Jeangène Vilmer und Hu Yong. Interviews wurden geführt mit Rafael Capurro und Kate Darling. Weitere Informationen über irights-lab.de/neuerscheinung-3th1cs-die-ethik-der-digitalen-zeit/.

Abb.: Auch bei Smartphones stellen sich Fragen

Digital mündig: Moralische Maschinen

„Selbstfahrende Autos, Pflegeroboter, smarte Helfer: In unserem Alltag treffen wir auf immer klügere Maschinen. Über ein Bewusstsein oder eigenen Willen verfügen sie zwar nicht, dennoch nehmen sie uns immer mehr Entscheidungen ab. Das wirft auch moralische Fragen auf. Soll das Auto in einem Unfall eher die Insassen schonen oder die Fußgänger am Straßenrand? Darf ein Roboter lebenserhaltende Maschinen abschalten, wenn der Patient das wünscht? Welche Chancen sich bieten und wo wir Grenzen setzen sollten, bespricht Christoph Kucklick, GEO, mit dem Wirtschaftsinformatiker und Maschinenethiker Oliver Bendel.“ So die Ankündigung der Körber-Stiftung auf www.koerber-stiftung.de. „1959 vom Unternehmer und Anstifter Kurt A. Körber ins Leben gerufen, ist die Körber-Stiftung heute mit eigenen Projekten, Kooperationen und Veranstaltungen national und international aktiv.“ (Website Körber-Stiftung) Das Gespräch im Rahmen der Reihe „Digital mündig“ mit dem Titel „Moralische Maschinen“ findet am Dienstag, 14. November 2017 um 19.00 Uhr im KörberForum in Hamburg statt. Weitere Informationen über www.koerber-stiftung.de/veranstaltungsuebersicht/digital-muendig-moralische-maschinen-2248.html.

Abb.: Ein alter Ford aus Hamburg

Moralische Maschinen, die Tiere retten

Aleksandra Sowa leitete – so die Beschreibung in The European – „zusammen mit dem deutschen Kryptologen Hans Dobbertin das Horst-Görtz-Institut für Sicherheit in der Informationstechnik“. „Sie ist Autorin diverser Bücher und Fachpublikationen, Mitglied des legendären Virtuellen Ortsvereins (VOV) der SPD und aktuell für einen Telekommunikationskonzern tätig.“ (The European) Im Oktober 2017 war sie im Austausch mit Oliver Bendel. Der Informations- und Maschinenethiker nahm wie folgt Stellung: „Ich bin dafür, bestimmte Maschinen zu ‚moralisieren‘, und zwar solche, die in übersichtlichen Umgebungen und Situationen in unserem Sinne handeln sollen. Der Saugroboter, der Marienkäfer verschont, der Chatbot, der rücksichtsvoll ist und eine Notfallnummer herausgibt. Diese Maschinen haben wir gebaut. Ich bin nicht dafür, solche Maschinen mit einer Form von Moral auszustatten, die in komplexen Umgebungen und Situationen entscheiden müssen. So halte ich wenig davon, dass autonome Autos über Menschenleben entscheiden. Über Tierleben können sie entscheiden, sie können quantifizieren und qualifizieren. Wenn dadurch Tiere gerettet werden können, ohne dass Menschen in Gefahr kommen, bin ich dafür.“ Der Beitrag „Die Antwort lautet nicht 42“ von Aleksandra Sowa, erschienen am 11. Oktober 2017, enthält Statements von Oliver Bendel, gewonnen aus dem genannten Austausch und aus seinen Veröffentlichungen.

Abb.: Auch Schildkröten kann man retten

Will die Mehrheit keine Pflegeroboter?

Die NZZ vom 9. Oktober 2017 schreibt, bezugnehmend auf eine aktuelle Studie von DemoSCOPE, die Skepsis gegenüber der Digitalisierung im Gesundheitswesen und in der Pflege sei groß. „84 Prozent der Befragten wollen nicht, dass Roboter pflegebedürftige Menschen bei der Körperpflege unterstützen.“ Allerdings war dies gar nicht die Frage. Diese lautete, ob man es begrüßen würde, „wenn Roboter bei pflegebedürftigen Menschen die Körperpflege übernehmen würden an Stelle vom Pflegepersonal“ (Studie DemoSCOPE). Es ist also nicht die Unterstützung des Pflegebedürftigen im Fokus, sondern die Übernahme der Körperpflege, die bisher der Pflegekraft oblag, durch einen Roboter (der nicht spezifiziert wird). Insgesamt muss man mehrere Punkte berücksichtigen: 1. Auftraggeber der Studie war ein Magazin reformierter Kirchen in der Schweiz. Diese gehen von einem bestimmten Menschenbild aus. Auf der Website des Magazins heißt es: „Die Mehrheit will keine Pflegeroboter“. Dies lässt sich der Studie nicht entnehmen. 2. Befragt wurden 1000 Personen per Telefon. Es ist nicht davon auszugehen, dass viele Betroffene darunter waren. Diese würden sich u.U. anders äußern. 3. Die Befragten haben unterschiedliche Vorstellungen von Robotern. Pflegeroboter im engeren Sinne z.B. sind heute allenfalls als Prototypen im Einsatz. Sie arbeiten, wenn sie Hand anlegen, im Tandem, zusammen mit einer Pflegekraft. Sie würden also die Körperpflege nicht vollständig übernehmen. Die NZZ schreibt weiter: „Kein Vertrauen haben Herr und Frau Schweizer auch in den Roboter, der als Arzt auftritt. Nur gerade 19 Prozent würden beim Spitaleintritt eine Diagnose akzeptieren, die allein durch einen Computer erstellt wurde.“ Allerdings wurden bei der Studie nicht SchweizerInnen befragt, sondern Personen, die in der Schweiz leben. Zudem spricht die Studie hier nicht von einem Roboter.

Abb.: Soll der Roboter meine Zähne putzen?