Der BESTBOT in der Netzwoche

An der Hochschule für Wirtschaft FHNW sind seit 2013 im Kontext der Maschinenethik mehrere Hardware- und Softwareroboter entstanden. 2018 widmet man sich dem BESTBOT, einem Chatbot, der Probleme des Benutzers auf unterschiedliche Weise registrieren kann. Auf diesen geht Oliver Bendel in seinem Beitrag für die Netzwoche 9/2018 ein. Das vierte Artefakt soll demonstrieren, dass man bestimmte Probleme mit einer moralischen Maschine wie dem BESTBOT lösen kann, bestimmte Probleme durch diese aber auch erst entstehen. Man kann im Extremfall das eine oder andere Leben retten, aber man hat bis dahin Menschen observiert und analysiert, und zwar mit Hilfe von Gesichtserkennung. Sicherheit oder Freiheit, das ist auch hier die Frage. Ein Anforderungskatalog wurde bereits erstellt. Im Moment wird der Quellcode von GOODBOT und LIEBOT ausgewertet. Beide Systeme sollen verschmelzen und mit Gesichtserkennung ergänzt werden. Die Konzeption wurde Ende März an der Stanford University vorgestellt. Im Spätsommer liegen die Ergebnisse vor. Der Beitrag kann hier abgerufen werden.

Abb.: Der BESTBOT

Symposium in Helsinki on Moral Machines

„Moral Machines? The Ethics and Politics of the Digital World“ is a symposium organized by two research fellows, Susanna Lindberg and Hanna-Riikka Roine at the Helsinki Collegium for Advanced Studies. „The aim of the symposium is to bring together researchers from all fields addressing the many issues and problems of the digitalization of our social reality, such as thinking in the digital world, the morality and ethics of machines, and the ways of controlling and manipulating the digital world.“ (Website Symposium) The symposium will take place in Helsinki from 6 to 8 March 2019. It welcomes contributions addressing the various aspects of the contemporary digital world. The organizers are especially interested „in the idea that despite everything they can do, the machines do not really think, at least not like us“. „So, what is thinking in the digital world? How does the digital machine ‚think‘?“ (Website Symposium) Proposals can be sent to the e-mail address moralmachines2019@gmail.com by 31 August 2018. Decisions will be made by 31 October 2018. Further information is available on https://blogs.helsinki.fi/moralmachines/.

Der falsche Zwilling

„Die Mängelmaschine“ ist der Titel eines Beitrags auf Ö1, ausgestrahlt am 14. Mai 2018. Zu Wort kommen Hiroshi Ishiguro, Mark Coeckelbergh, Janina Loh und Oliver Bendel. Der japanische Robotiker hat einen Doppelgänger geschaffen: „Der Roboter Geminoid sieht genauso aus wie sein Schöpfer – und vertritt ihn bisweilen sogar bei Vorlesungen. Für Ishiguro ist sein künstlicher Klon eine Person, eine nicht ganz perfekte und liebenswerte Kopie seiner selbst. Aber die Frage ist für ihn nicht besonders wichtig.“ (Website Ö1) Denn, so wird Ishiguro zitiert: „Warum müssen wir zwischen Menschen und Maschinen unterscheiden? Der Mensch ist ein Tier, das sich der Technologie bedient. Ohne Maschinen wären wir bloß Affen – und unfähig in dieser Welt zu überleben.“ (Website Ö1) Es gibt viele Gründe, zwischen Menschen und Maschinen zu unterscheiden. Einer davon: Während wir empfinden und leiden und glücklich sind, tun die Maschinen dies nicht. Und das ist eine gewaltige Differenz mit gewaltigen Implikationen: Wir müssen Menschen und Maschinen völlig unterschiedlich behandeln. Man kann von einem Mangel sprechen, den auch der Zwilling von Ishiguro aufweist: „Forscher/innen aus dem Westen … halten Geminoid für nicht mehr als eine aufwändig gestaltete Puppe.“ (Website Ö1)

Abb.: Der falsche Zwilling

Ein Ethiker muss nicht moralisch handeln

„Verfügen intelligente Maschinen über Emotionen, können sie moralisch handeln und haben sie womöglich Rechte?“ Nein, ja, nein, könnte man die Antworten von Oliver Bendel zusammenfassen. Teachtoday sprach mit ihm „über die Moral intelligenter Maschinen und das weite Feld der Maschinenethik“. Den Einstieg des Interviews bildet eine persönliche Frage: „Herr Bendel, wann haben Sie das letzte Mal etwas aus Ihrer Sicht Unmoralisches getan?“ Die Antwort: „Ich tue oft etwas Unmoralisches, aus der Sicht anderer und aus meiner Sicht. Man muss sein Leben nicht der Moral unterordnen, nicht als Individuum, nicht als Gruppe, nicht als Gesellschaft und auch nicht als Unternehmen. Aber natürlich gibt es Verhaltensweisen, die ich unmoralisch finde und die ich grundsätzlich vermeide.“ Und weiter: „Ein Ethiker muss auch nicht moralisch handeln. Er muss nicht gut sein. Ein Mediziner muss auch nicht gesund sein. Man beschäftigt sich einfach professionell mit einem Thema. Man erforscht einen Gegenstand.“ Das Interview kann hier aufgerufen werden.

Ich bin nur eine Maschine

Die Anrufe von Google Duplex haben in den Medien ein enormes Echo ausgelöst. Immer wieder wird nun die Forderung erhoben, dass die Maschine beim Chat oder Gespräch sagt, dass sie nur eine Maschine ist. Google hat bereits beteuert, dass Google Assistant genau dies tun wird. Oliver Bendel entwickelte 2013 mit seinen Studierenden den GOODBOT, einen moralisch adäquat agierenden und reagierenden Chatbot. Vorbereitend hatte er sieben Metaregeln in der schweizerischen Unternehmerzeitung veröffentlicht. Die erste lautete, dass der Chatbot dem Benutzer klarmachen soll, dass er eine Maschine ist, eine andere, dass er nicht lügen soll. Das PDF kann hier heruntergeladen werden. Die Metaregeln wurden auf den GOODBOT dann tatsächlich angewandt. Der Prototyp war Thema auf mehreren Konferenzen und in mehreren Artikeln. Im Sommer 2018 wird ihm ein ausführlicher Beitrag gewidmet, im „Handbuch Maschinenethik“, das von Oliver Bendel für Springer herausgegeben wird und in gedruckter Form Ende des Jahres erscheint. Vor kurzem hat er auch die Idee des Moralmenüs auf Google Assistant übertragen und einen Regelkatalog für Chatbots und Sprachassistenten veröffentlicht.

Abb.: Ich bin nur eine Maschine

Moralmenü für Sprachassistenten

Im Kontext des LADYBIRD-Projekts (2014/2017) wurde ein Menü vorgeschlagen, mit welchem der Benutzer die Moral des Staubsaugerroboters einstellen kann. Dieser verschont, wie der Name andeutet, Marienkäfer. Auch Spinnen sollte er am Leben lassen. Wer aber zum Beispiel partout bestimmte Insekten einsaugen lassen will, könnte dies über ein Menü festlegen. Wichtig ist, dass LADYBIRD insgesamt tierfreundlich bleibt und sich nicht ins Gegenteil verkehrt (und Marienkäfer sind auf jeden Fall tabu). Über das Menü wird eine Stellvertretermoral entwickelt. Der Staubsaugerroboter macht das, was der Besitzer auch machen würde. Andere Maschinen wie Sprachassistenten bzw. virtuelle Assistenten haben in der Regel keine grundsätzliche moralische Ausrichtung, eignen sich aber ebenso für den Einsatz eines Moralmenüs. Google Assistant soll in Zukunft mit Hilfe der Audiofunktion alle möglichen Reservierungen vornehmen (das Projekt wird Duplex genannt). Damit automatisiert er Vorgänge, die privaten und sozialen Charakter haben. Viele Benutzer werden es schätzen, wenn der Telefonassistent die eigenen Wertvorstellungen vertritt, da er ja in ihrem Namen bzw. Auftrag spricht. Die Designstudie MOME stellt ein Moralmenü beispielhaft für virtuelle Assistenten dieser Art vor. Die erste Option lautet: „Ich sage, dass ich eine Maschine bin.“ Eine solche Funktion war schon beim GOODBOT von 2013, einem moralisch adäquat agierenden und reagierenden Chatbot, umgesetzt.

Abb.: Moralmenü für virtuelle Assistenten

Digitalisierung und Ethik

Das Gabler Wirtschaftslexikon gilt laut Springer seit Jahrzehnten als Klassiker der Wirtschaftsliteratur. „Seit 2009 gibt es das Werk als frei zugängliches Online-Angebot mit erweitertem Nutzungsangebot. Mit mehr als 25.000 Stichworten steht mit dem Gabler Wirtschaftslexikon die größte deutschsprachige Auswahl an betriebswirtschaftlich-lexikalischem Know-how im Internet zur Verfügung – von über 200 ausgewiesenen Fachexperten geschrieben und kontinuierlich redaktionell geprüft. Springer Gabler stellt damit Expertenwissen online, das wissenschaftlich zitierfähig ist und sich vom wachsenden Angebot ungesicherten Wissens in Form von freien nicht weiter geprüften Inhalten im Internet unterscheidet.“ (Website Gabler Wirtschaftslexikon) Im Frühjahr 2018 erfolgte der visuelle und strukturelle Relaunch. Das Online-Nachschlagewerk wirkt nun aufgeräumter und moderner. Der derzeit am häufigsten aufgerufene Begriff ist „Digitalisierung“ von Prof. Dr. Oliver Bendel (in diesem Beitrag wird auch auf Informationsethik eingegangen), gefolgt von „Benchmarking“ (Prof. Dr. Klaus Wübbenhorst). 2012 veröffentlichte Oliver Bendel die Beiträge „Informationsethik“ und „Maschinenethik“.

Abb.: Ein Blick ins Lexikon lohnt sich

Bücher zu Informations- und Maschinenethik

In der neuen iX (5/2018) werden zwei Bücher zur Ethik empfohlen, „300 Keywords Informationsethik: Grundwissen aus Computer-, Netz- und Neue-Medien-Ethik sowie Maschinenethik“ von Oliver Bendel, einem „Vordenker der Roboterethik“, wie es im Text heißt, und „3TH1CS“, herausgegeben von Philipp Otto und Eike Gräf. Zum erstgenannten resümiert Ariane Rüdiger, es beschreibe „kurz und leicht verständlich, manchmal auch amüsant, alphabetisch geordnet und oft garniert mit praktischen, greifbaren Beispielen, was bestimmte informationsethische Begriffe in der Fachdiskussion genau bedeuten“. „Das reicht von Roboterethik bis zur informationellen Notwehr und von virtueller Realität bis zu Social-Media-Richtlinien. Bendel macht nicht den Fehler, seine Auffassungen zu bestimmten ethischen Fragen als allgemeinverbindlich zu erklären, sondern erwähnt stets auch abweichende Meinungen, was das broschierte Buch zu einer guten Grundlage für Diskussionen macht. Dazu trägt auch der übersichtliche Umfang bei.“ (iX, 5/2018) „3TH1CS“ enthält u.a. Beiträge von Luciano Floridi („Die Mangroven-Gesellschaft“), Oliver Bendel („Sexroboter und Robotersex aus Sicht der Ethik“) und Susan L. und Michael Anderson („Ethische Roboter für die Altenpflege“). Laut Rüdiger „eine interessante, vielseitige und teilweise durchaus unterhaltsame Lektüre“ (iX, 5/2018).

CIMON will ins All

Eine fliegende Alexa hat ihn der SPIEGEL etwas despektierlich genannt. Gemeint ist CIMON, ein autonomer, mit künstlicher Intelligenz verbundener Weltraumroboter, der demnächst im Columbus-Modul der ISS zum Einsatz kommen soll. Entwickelt hat ihn das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „CIMON kann sehen, hören, verstehen, sprechen – und fliegen. Er ist rund, hat einen Durchmesser von 32 Zentimetern und wiegt fünf Kilogramm.“ (Website DLR) Sein Vorbild war nicht Alexa, sondern vielmehr, so der DLR auf seiner Website, Professor Simon Wright aus der 80er-Jahre-Zeichentrickserie „Captain Future“, ein „fliegendes Gehirn“ mit Sensoren, Kameras und einem Sprachprozessor. Mit Hilfe von 14 internen Ventilatoren kann sich CIMON frei in alle Raumrichtungen bewegen und rotieren. Er kann sich laut DLR dem Astronauten zuwenden, wenn er angesprochen wird, und ihm selbstständig oder auf sein Kommando hin folgen. Auch im Unterschied zu Alexa hat CIMON ein Gesicht, zu sehen auf dem Display an der abgeflachten Seite. Damit kann er freundlich und bestimmt auch zuversichtlich schauen. Ob er auch moralische Fähigkeiten hat, ist nicht bekannt. Weitere Informationen über www.dlr.de.

Abb.: Professor Simon Wright war ein fliegendes Gehirn

Haben Roboter Gefühle?

Können Roboter bald selbstständig Gefühle wie Hass oder Liebe entwickeln? Dies hat der WDR im April 2018 den Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel gefragt. Der Kontext war die Angst, die wir vor Maschinen haben oder haben können. Er antwortete: Maschinen werden solche Gefühle meines Erachtens nicht entwickeln können, da diese biologisch-chemische und genetisch-hormonelle Grundlagen brauchen. Die Vorstellung, dass sie solche Gefühle haben, kann natürlich Angst machen. Und emotionale Roboter wie Pepper zeigen Gefühle – aber haben eben keine. Eine wichtige Frage ist, ob sie überhaupt Gefühle zeigen sollen. Und ob sie uns weismachen sollen, dass sie Menschen oder ähnlich wie Menschen sind.“ Uns ist in Europa die Angst vor künstlichen Kreaturen gleichsam eingepflanzt. Diese dachten wir uns bereits vor tausenden Jahren aus. Bei Homer und Ovid finden sich Schreckensgestalten wie Talos und Pandora, wobei die künstliche Frau in der Literatur einige Wandlungen erlebt hat. Später ging es ähnlich weiter, mit der Eisernen Jungfrau, dem Golem, Frankensteins Monster. Auch Ausnahmen gibt es, bereits in der Antike, wie Galatea, von Pygmalion erschaffen und von Aphrodite zum Leben erweckt. Das Interview kann über www1.wdr.de/wissen/technik/roboter-maschinenethik-interview-100.html nachgelesen werden.

Abb.: Haben Roboter Gefühle?