Schlagworte: Autonome Maschinen

Programmierte Moral

Nur ein halbes Jahr nach „Die Moral in der Maschine“ von Oliver Bendel und rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse 2016 ist das Buch „Programmierte Ethik“ erschienen, ebenfalls bei Heise Medien, herausgegeben von Florian Rötzer, dem Chefredakteur von Telepolis. Das Buch versammelt Originalbeiträge von Oliver Bendel und Catrin Misselhorn ebenso wie ein bereits bekanntes Interview mit dem in Zürich lebenden Maschinenethiker. Weitere Beiträge stammen von Raúl Rojas, Hans-Arthur Marsiske, Patrick Spät, Stefan Höltgen und Florian Rötzer selbst, der seit Jahrzehnten die neuesten technischen Entwicklungen beobachtet und beschreibt. Aus dem Klappentext: „Maschinen und Roboter, die immer selbständiger handeln und entscheiden sollen, ziehen als Saug- und Mähroboter, als Pflege-, Spiel-, Service- oder auch Sexroboter, als unverkörperte Agenten, als Überwachungs- oder auch als Kampfroboter in die Lebenswelt ein. Wir müssen uns an den Umgang mit den neuen Mitbewohnern unserer Lebenswelt gewöhnen und diesen müssen höchst unterschiedliche Regeln im Umgang mit den Menschen und der Umwelt einprogrammiert oder anerzogen werden.“ Es geht um das Programmieren von Moral und auch – man denke an die Diskussion, welche Modelle normativer Ethik für Maschinen taugen – um das Programmieren von Ethik. Das E-Book kann über die üblichen Shops bezogen werden und kostet 5,99 Euro.

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Abb.: Computer und Roboter entscheiden und urteilen immer häufiger autonom

Maschinen in Entscheidungsnot

Der Beitrag „Wer ist verantwortlich, wenn die künstliche Intelligenz versagt?“ wird am 17. Mai 2016 auf Deutschlandradio Kultur wiederholt. Heiner Kiesel widmet sich erneut – wie am 12. Januar 2016 – „Maschinen in Entscheidungsnot“. Im Ankündigungstext auf der Website heißt es: „In den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts hat der Biochemiker und Science-Fiction-Autor Isaac Asimov drei einfache Gesetze für Roboter aufgestellt. Damit sollte die Gefährdung von Menschen durch autonome Systeme ausgeschlossen werden. In der Gegenwart nimmt die Selbstständigkeit von Robotern konkrete Züge an. Selbststeuernde Autos nehmen am Straßenverkehr teil, Pflegeroboter werden für den Einsatz in Pflegestationen getestet und das Militär forscht mit Hochdruck an Kampfrobotern, die ihre Aufträge effizient und autonom abarbeiten. Wir sind dabei, viele Entscheidungen an die dienstfertigen Maschinen zu übergeben. Es wird unser Leben verändern. Aber während die technische Entwicklung rasant voranschreitet, gibt es kaum eine Perspektive darauf, wie die Gesetze heute aussehen müssen, die die rechtlichen und gesellschaftlichen Folgen unter Kontrolle bringen.“ (Website Deutschlandradio Kultur) Der Beitrag mit Statements von Oliver Bendel und Eric Hilgendorf beginnt kurz nach 19:00 Uhr. Weitere Informationen über www.deutschlandradiokultur.de/.

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Abb.: Was ist, wenn der Roboter sich verrechnet?

Berufsziel Maschinenethiker

Im FNT Kundenmagazin 2 ist ein Beitrag von Alexander Freimark mit dem Titel „IT-Jobs mit Sex-Appeal“ erschienen. Darin werden neue Rollen und Berufe wie Data Scientist, Cyber-Security-Experte, Chief Service Officer und Maschinenethiker genannt. Datenwissenschaftler „entwickeln Modelle, um betrügerische Transaktionen von Kreditkarten, Störungen in Produktionsabläufen oder beleidigende Kommentare in Online-Foren zu erkennen“ (FNT Kundenmagazin 2, März 2016). Dr. Angelika Voss verantwortet am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS das dazu passende Schulungsprogramm: „In der Regel sind unsere Teilnehmer Mitarbeiter von Unternehmen, die sich in der Datenanalyse auskennen, IT-affin sind – und die darüber hinaus noch verstehen, wie in ihrer Branche Geld verdient wird.“ (FNT Kundenmagazin 2, März 2016) Die Sicherheitsexperten für den virtuellen Raum können sich „in die Denkweise der Kriminellen hineinversetzen“ und können „Angriffe schon im Vorfeld verhindern“ (FNT Kundenmagazin 2, März 2016). Der CSO ist „eine Art Coach der Service-Organisation“ (FNT Kundenmagazin 2, März 2016). Zum Jobprofil des Maschinenethikers erläutert Prof. Dr. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW: „In Zukunft müssen wir mehr nach der Moral von Maschinen fragen, weil immer mehr autonome und teilautonome Systeme Entscheidungen mit moralischen Implikationen treffen.“ (FNT Kundenmagazin 2, März 2016) Dabei gehe vor allem auch darum, die Folgen der Entscheidungen abzuwägen. Der Artikel wurde vom Autor freundlicherweise zur Verfügung gestellt und kann hier heruntergeladen werden.

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Abb.: Auch Astronaut wollen viele werden

V-Effekt für Roboter

„Forscher arbeiten unter Hochdruck an sozialen Robotern. Sie sollen echte Gefährten werden, sogar eigene Persönlichkeit entwickeln. So schwindet die Differenz zwischen Mensch und Maschine. Das wirft ethische Fragen auf.“ (RP, 10. März 2016) Mit diesen Worten beginnt der Artikel „Soziale Roboter auf dem Vormarsch“ von Dorothee Krings, erschienen am 10. März 2016 in der Rheinischen Post. Eingegangen wird auf zwei neue Projekte in diesem Bereich: An der Uni Bielefeld wird „an einem Maschinen-Lehrer gebaut, der Einwandererkindern beim Deutschlernen helfen soll“ (RP, 10. März 2016). „Nao ist nur 60 Zentimeter groß, ein niedliches Spielzeug, aber er kann sehen, hören und bald auch die Stimmungslage seines Gegenübers einschätzen – und auf Unlust reagieren.“ (RP, 10. März 2016) In Freiburg „wird an Fritz getüftelt, einem Gestell mit Comicgesicht, das Blickkontakt aufnehmen und die Mundwinkel sinken lassen kann, wenn man sich von ihm abwendet“. Er soll „durchs Museum führen und merken, wenn seine Zuhörer sich langweilen“ (RP, 10. März 2016). „In 20 Jahren wird man Roboter haben, die wirklich unter uns leben, mit denen wir reden, die wir lieben“, wird Oliver Bendel zitiert, „einer der führenden Maschinenethiker, der in der Schweiz lehrt“ (RP, 10. März 2016). Dabei sieht er neben den Chancen die Risiken und macht Vorschläge, wie das Zusammenleben gelingen kann. Er spricht von einem V-Effekt für Roboter, „frei nach dem Theater von Brecht“; „der Roboter hält inne und betont, dass er nur eine Maschine ist“ (RP, 10. März 2016). Der Artikel kann über www.rp-online.de/politik/soziale-roboter-auf-dem-vormarsch-aid-1.5824498 abgerufen werden.

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Abb.: Ich bin nur eine Maschine

Programm der Tagung „Roboterethik“

Das Programm der Tagung „Roboterethik – Sie sind stark, klug, selbstständig. Und was wird aus uns?“, veranstaltet von der Daimler und Benz Stiftung sowie vom Cologne Center for Ethics, Rights, Economics and Social Sciences of Health (ceres), wurde Mitte Oktober 2015 fertiggestellt. Es steht auch über maschinenethik.net zum Download bereit. Während der eintägigen Veranstaltung in Berlin soll, wie ceres auf seiner Website schreibt, „aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden, wie autonome Systeme unser Leben und unsere Gesellschaft verändern und welche ethischen Spannungsfelder hierdurch in unterschiedlichen Lebensbereichen aufgeworfen werden bzw. zukünftig entstehen können“ (Website ceres). Die Leitung der Tagung, die am 24. November 2015 ab 10 Uhr stattfindet, hat Prof. Dr. Christiane Woopen inne, die Referenten sind Prof. Dr.  Alin Albi Schäffer (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Direktor des Instituts für Robotik and Mechatronik), Prof. Dr. Oliver Bendel (Fachhochschule Nordwestschweiz, Professor für Wirtschaftsinformatik, Informationsethik und Maschinenethik), Prof. Dr. Hartmut Hirsch-Kreinsen (Technische Universität Dortmund, früherer Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Industriesoziologie), Prof. Dr. Norbert Lammert (Präsident des Deutschen Bundestages), Prof. Dr. Catrin Misselhorn (Universität Stuttgart, Direktorin des Instituts für Philosophie), Prof. Dr. Jochen Steil (Universität Bielefeld, geschäftsführender Direktor des Instituts für Kognition und Robotik) und Prof. Dr. Johannes Weyer (Technische Universität Dortmund, Professor für Techniksoziologie). Die Eröffnungsrede hält Prof. Dr. Eckard Minx, Vorsitzender des Vorstands der Daimler und Benz Stiftung.

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Abb.: Der Dom in Berlin