Schlagworte: Cyborg

Der neue Pflanzencyborg des MIT

Der FLORABORG wurde 2015 von Oliver Bendel erdacht. Eine Pflanze dient als Biosensor und meldet über entsprechende Schnittstellen die Trockenheit an ein Smartphone. Dieses steuert Fächer, die mit der Pflanze verbunden sind und diese beschatten sowie Kondenswasser sammeln können. Die Idee war dabei, einen Pflanzencyborg zu entwickeln, und nicht unbedingt ein sinnvolles Bewässerungs- und Schutzsystem. Oliver Bendel lehnt Tiercyborgs wie RoboRoach ab, zudem die meisten Formen von Animal Enhancement. Gegen Pflanzencyborgs hat er nichts. In diese Richtung geht nun auch das MIT. Die ICTkommunikation vom 13. November 2017 meldet: „Landwirte, Betreiber von Treibhäusern und Blumenliebhaber erhalten künftig von ihren Pflanzen SOS-Signale, wenn diese zu wenig Wasser haben. Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben hierzu einen Sensor entwickelt, der Wassermangel von Pflanzen detektiert. Die Warnung landet auf einem Smartphone, sodass rechtzeitig gewässert werden kann.“ MIT-Professor Michael Strano und sein Assistent Volodymyr Koman stecken hinter der Erfindung. Letzterer sagt, dass der Sensor eine große Bedeutung bekommen wird „in einer Zeit des Klimawandels, der zu Wassermangel und steigenden Temperaturen führt“ (ICTkommunikation, 13. November 2017). Ob dieses System sinnvoll ist, muss sich zeigen.

Abb.: Der FLORABORG

Der pünktliche Cyborg

Die neue Ausgabe von apunto widmet sich Transhumanismus, Robotik, Künstlicher Intelligenz und Maschinenethik. Im Heft finden sich Interviews mit Prof. Dr. Jürgen Schmidhuber und Prof. Dr. Oliver Bendel. Thomas Feierabend, Präsident Angestellte Schweiz, schreibt in seinem Vorwort, dass es immer mehr Einsatzbereiche von Robotern gibt. „In der industriellen Produktion haben sie schon lange Einzug gehalten, sie können heute auch bereits Gäste in Hotels empfangen. Versuche in der Alterspflege sind im Gange, und selbstfahrende Busse sowie Taxis finden sich sogar in der Schweiz.“ (apunto, 4/2017) Er entwirft eine Dystopie des Cyborgs in der Arbeitswelt: „Er funktioniert dann völlig frei von Störungen und sehr effizient. Er ist programmiert auf Beginn und Ende der Erwerbsarbeit, ist nie zu spät und befolgt die Anordnungen der Vorgesetzten ohne Widerrede. Und noch schlimmer: Können betriebliche Reorganisationen dann einfach digital veranlasst werden?“ (apunto, 4/2017) Jürgen Schmidhuber und Oliver Bendel sind dann in ihren Ausführungen zu Robotern und KI etwas optimistischer. Der KI-Experte ist der Meinung, dass KI keine Menschen versklaven wird. Der Maschinenethiker ist der gleichen Meinung – und hält Roboter und KI-Systeme in erster Linie für nützliche Werkzeuge. Eine Gefahr geht seines Erachtens von Crackern aus. Das ganze Heft kann hier heruntergeladen werden.

Abb.: Ein Cyborg

Die Zukunft gehört der Mensch-Maschine

radio eins (rbb) widmet sich einen Tag lang dem Thema Mensch und Maschine. Im Programm zum 3. Oktober 2016 heißt es: „1978 legten sich Kraftwerk fest: Die Zukunft gehört der Mensch-Maschine …“ (Website radio eins) „Fühlen wir uns, so der Sender, heute nicht tatsächlich wie Mensch-Maschinen? „Die Verschmelzung von Natur und Technik scheint schließlich allgegenwärtig. Längst sind wir angeschlossen an die Computerwelt und die Cyborgs sind unter uns!“ (Website radio eins) Und weiter: „Die Beziehung zwischen Mensch und Maschine begegnet uns überall – im Alltag, in der Wissenschaft, Wirtschaft, Philosophie, Medizin, Sport, Kunst, Literatur und Musik.“ (Website radio eins) Oliver Bendel wird befragt zur Maschinenethik, zu moralischen Maschinen – und zu seinem Buch „Die Moral in der Maschine“, das 2016 bei Heise Medien erschien und eine Auswahl seiner Artikel und Aufsätze zur Maschinenethik enthält. Knut Elstermann befand sich im Babylon-Studio von radioeins, Oliver Bendel im SRF-Studio in Zürich. Man sprach kurz und intensiv. Das Resultat kann man sich bei radio eins bzw. über www.radioeins.de/programm/ anhören.

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Abb.: Maschine und Mensch verschmelzen

Nervenzellen auf Platinen

Ein sechsseitiges Interview mit Oliver Bendel ist in der Absatzwirtschaft (Sonderausgabe dmexco, 14. September 2016, S. 36 bis 41) erschienen. Peter Hanser ist in die Schweiz gereist und hat den Wirtschaftsinformatiker und Maschinenethiker im Au Premier im Zürcher Hauptbahnhof getroffen. Es war ein Gespräch über Technik und Ethik, in dessen Verlauf u.a. die folgenden Worte fielen: „Ich unterscheide Maschinenethik als Gestaltungsdisziplin und andere Disziplinen wie Informationsethik oder Technikethik als Reflexionsdisziplinen. In der Maschinenethik wollen wir wirklich Maschinen konzipieren und am Ende auch prototypisch bauen. Dabei arbeiten wir eng mit KI, Robotik und anderen Disziplinen zusammen. In der Informationsethik und Technikethik reflektieren wir Probleme, die sich beim Einsatz von Robotern ergeben. Es ist beides sinnvoll und notwendig. Wir haben zum ersten Mal in der Geschichte der Ethik eine Form der Ethik, die danach fragt, wie man maschinelle Moral umsetzen kann. Zugleich haben wir zunehmende Probleme durch den Einsatz von Robotern, etwa durch den Ersatz von Arbeitskräften, Kollisionen von Menschen und Maschinen und technikbezogene Sexpraktiken. Es stellt sich die Frage, was wir künftig mit Maschinen tun wollen. Damit sind dann Bereichsethiken gefordert wie Informations-, Technik-, Medizin-, Sexualethik und so weiter.“ Die Maschinen, die das Licht der Welt erblickt haben, sind der GOODBOT und der LIEBOT, und beiden wird im Artikel mit dem Titel „Vielleicht haben Maschinen eines Tages Bewusstsein“ ein Infokasten gewidmet. Das mit dem Bewusstsein hält Oliver Bendel für unwahrscheinlich, aber nicht für ausgeschlossen. Ein Weg könnte sein, auf informationstechnischen Strukturen, auf Platinen etc., tierische oder menschliche Hirnzellen wachsen zu lassen. Ein umgekehrter Cyborg sozusagen.

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Abb.: Hirnzellen könnten auf informationstechnischen Strukturen wachsen

Merging of Man and Machines

„Merging of man and machines: questions of ethics in dealing with emerging“ – this is the title of an event which takes place in the European Parliament, Brussels, on 8 September 2016, 9:30 – 13:00. The IEU monitoring newsletter DIGITAL AGENDA provides the following information: „The Working Group Green Robotics would like to invite you to a public hearing on ‚Merging of man and machines: questions of ethics in dealing with emerging technology‘. With this and further discussions we would like to develop a position on how society should respond to questions like How will our lives and our society change with the increasing fusion with modern technology? What role have politics and law in this context? Is there a need for regulation and if so, how? How can human rights be addressed?“ In the track „Ethics & Society: Examples of how our lives, values and society will change“ three experts will give talks, namely Yvonne Hofstetter (author and director of Teramark Technologies GmbH), Prof. Dr. Oliver Bendel (author of „Die Moral in der Maschine“ and Professor at the School of Business FHNW) and Constanze Kurz (author and spokesperson Chaos Computer Club). The track „Politics & Law: Examples of how we do/can debate and regulate this field“ is maintained by Juho Heikkilä (DG Connect, Robotics, Head of Unit, tbc) and Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf (Chairman of the Department of Criminal Law, Criminal Justice, Legal Theory, Information and Computer Science Law, University of Würzburg). Two other lecturers of the event are Enno Park (Chairman of Cyborgs e.V.) and Dana Lewis (founder and OpenAPS thinker). Further information via www.janalbrecht.eu/termine/merging-of-man-and-machines-questions-of-ethics-in-dealing-with-emerging-technology.html.

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Fig.: Man or machine or both?

Maschinenethik in Yps

Yps war jahrzehntelang das Kultheft für Kinder. Diese fieberten vor allem den Gimmicks entgegen, von denen sich einige bis heute im kollektiven Gedächtnis erhalten haben, etwa der Solarzeppelin, das Abenteuerzelt und die Maschine, mit deren Hilfe man eckige Eier macht. Auch umstrittene Beilagen wie die Urzeitkrebse und die Tropenschmetterlinge müssen erwähnt werden. Eigene Produktionen, u.a. mit dem karierten Yps-Känguru, und lizensierte Comics dienten als leichtverdauliches Lesefutter. Ein paar Jahre nach der Einstellung im Jahre 2000 erschienen Testausgaben, die sich an Erwachsene richteten. Der große Erfolg blieb aus. Nach einer längeren Zeit versuchte man es nochmals, mit einer thematischen Fokussierung auf Mode, Automobile und Technik und einem durchgehenden Bezug – so die Pressemitteilung des Verlags – „zu Karos, Kängurus oder Kohl“. Das Konzept ging auf, und so erhalten die Kinder von damals inzwischen jeden zweiten Monat eine Ausgabe. Die erste des Jahres 2016 wartet mit einem Schwerpunkt zu Robotern und Cyborgs auf. Der „Blick in die Zukunft“ widmet sich daneben Fleischimitaten und Traktorstrahlen. Auf Seite 20 findet sich ein Interview mit Oliver Bendel zu Robotik und Maschinenethik. Mit www.yps.de ist das Heft auch im Web präsent.

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Abb.: Ein Straßenschild mit einem Känguru

Ein Cyborg aus Pflanze und Maschine

Cyborgs sind Verschmelzungen von Mensch und Maschine. Auch Tier oder Pflanze können als biologische Komponente dienen. Es geht in der praktischen Anwendung meist darum, den menschlichen Körper mit technischen Mitteln zu perfektionieren oder seine Schwächen auszugleichen. Eine Kakerlake kann als fremdgesteuerte Kreatur und Spionin dienen, was Informations-, Technik-, Roboter- und Tierethik kritisch reflektieren müssen. FLORABORG ist ein Versuch, die Pflanze selbst (und nicht ihr Umfeld) zu optimieren, damit sie z.B. gegen Trockenheit gewappnet ist. Hält diese eine Weile an, ist die Pflanze gestresst. Dies kann von einem Computer gemessen werden, etwa einem Smartphone. Die solarbetriebenen Fächer werden ausgefahren und dem Sonnenlicht entgegengestreckt. Es kann sich Kondenswasser bilden, das über die künstlichen und echten Blätter tropft, den Stengel hinunterrinnt und ins Erdreich eindringt, wo es von den Wurzeln aufgenommen wird. Hat sich die Pflanze erholt, verringert sich der Stress, und die Fächer können eingefahren werden. Nicht zuletzt vermögen die Fächer auch Schatten zu spenden. Welche Stellung ein Cyborg aus Pflanze und Maschine in der Maschinenethik hat, muss erst noch erforscht werden.

Abb.: Designstudie FLORABORG

Der künstlicher werdende Mensch

Human Enhancement, die Erweiterung und Verbesserung des Menschen mit Hilfe biologischer und technischer Mittel, kann aus der Perspektive der Medizin, der Künstlichen Intelligenz, der Robotik und der Informatik betrieben bzw. thematisiert werden. Verschiedene Bereichsethiken können nach Chancen und Risiken in moralischer Hinsicht fragen. Die Informationsethik ist gefordert, wenn die Entwicklung von der Informatik ausgeht. Mit ihr kann man Fragen des Datenschutzes, der informationellen und persönlichen Autonomie und der Kontrolle des Menschen mithilfe von Hacking und Manipulation beantworten. Auch die Maschinenethik ist in verschiedener Weise von Relevanz. Der Beitrag von Oliver Bendel zum Thema ist im Juli 2013 im Wirtschaftslexikon von Gabler erschienen. Er gibt eine allgemeine Übersicht, geht auf Verfahren und Methoden ein und nimmt am Ende, im Rahmen von Kritik und Ausblick, den Blickwinkel der Ethik ein: „Damit Menschen- und Tierwürde nicht verletzt und Manipulation und Instrumentalisierung von Körper bzw. Geist nicht zur unhinterfragten Norm werden, bedarf es moralischer und ethischer Diskussionen (auch aus der Wirtschaftsethik heraus) ebenso wie rechtlicher Anpassungen.“

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Abb.: Brillencyborg