Schlagwörter: Ethik

Der Wandel der Städte durch autonome Autos

Die Daimler und Benz Stiftung fördert das neue Projekt „AVENUE21 – Autonomer Verkehr: Entwicklungen des urbanen Europa“. Aus der Pressemitteilung: „Ein interdisziplinäres Wissenschaftlerteam geht der Frage nach, wie sich europäische Städte durch das autonome Fahren entwickeln werden – und welchen Einfluss umgekehrt Stadtstrukturen auf die Entwicklung des autonomen Verkehrs nehmen.“ (Pressemitteilung DBS, 31. Januar 2017) „Das autonome Fahren“, so die These von Mathias Mitteregger von der Fakultät für Architektur und Raumplanung der TU Wien, „wird die Morphologie der Städte, die Art der Stadtgesellschaften und die urbane Governance entscheidend verändern“ (Pressemitteilung DBS, 31. Januar 2017). Dieser These stimmt Oliver Bendel, der im September 2017 den Ladenburger Diskurs zu Pflegerobotern durchführt, der ebenfalls von der gemeinnützigen Stiftung finanziert wird, grundsätzlich zu. Allerdings fordert er, dass PKW in den Städten nicht autonom fahren dürfen. Es gibt dort zu viele bewegte und unbewegte Gegenstände, die zu berücksichtigen sind, zudem Signale, Reflexe und Schatten. Und natürlich ungeschützte Menschen und Tiere. Zudem ist Fahren in der Stadt ständige Kommunikation. Menschen können sich mit einem Blick in die Augen und einem Wink verständigen – Maschinen und Menschen nicht. Natürlich kann man die Städte, wie es schon einmal geschehen ist, für das Auto umbauen. Nach der Meinung von Oliver Bendel sollte man aber das Gegenteil tun: Man sollte sie Fußgängern und Fahrradfahrern zurückgeben. So oder so ist Forschung in diesem Bereich dringend notwendig.

Abb.: Wohin gehört das autonome Auto?

Enhanced Love Dolls

20 Minuten, die größte Zeitung der Schweiz, hat ein Interview mit Oliver Bendel zu Robotersex und Sexrobotern geführt. Dieses ist in der Printausgabe vom 29. Dezember 2016 erschienen. Zudem kann es online abgerufen werden. Im ursprünglichen Interview wurde noch gefragt, wann solche Roboter Alltag sein werden. Die Antwort lautete: „Wahrscheinlich werden sie nie Alltag sein, sie werden immer ungewöhnlich sein, eine Nische besetzen, ein Séparée sozusagen, in das man sich mit ihnen zurückzieht. Man muss auch sehen, dass es zwei Entwicklungslinien gibt. Eigentliche Sexroboter sind auf dem Markt erhältlich, erleben aber so schnell keinen Durchbruch. Liebespuppen sind wohl eher gefragt. Sie sehen unheimlich echt aus und haben mit der Gummipuppe von früher nur noch wenig zu tun. Ihre Haut fühlt sich echt an, ihr Fleisch, und es gibt sie für alle Geschmäcker, was man wiederum kritisch diskutieren muss. Die Hersteller haben auch immer wieder mit Sprachfunktionen und Körperbewegungen experimentiert. Vermutlich wird diese Ausrichtung in den nächsten zehn Jahren vorherrschen, lebensechte Liebespuppen, die dezent mechanisch und vehement elektronisch erweitert und anderweitig verbessert sind, Enhanced Love Dolls sozusagen.“

Abb.: Ein Sexroboter oder eine Liebespuppe?

Wenn Maschinen denken

Die Oesterreichische Kontrollbank Aktiengesellschaft widmet die aktuelle Ausgabe von RELEVANT (4/2016) der Künstlichen Intelligenz. „Wenn Maschinen denken“ heißt der Schwerpunkt. Im Inhaltsverzeichnis wird Appetit auf das Thema gemacht: „Erst lernten Computer das Rechnen, nun lernen sie Autos zu fahren, Forschungshypothesen aufzustellen und Steuersünder zu finden – besser als wir Menschen. Sind dadurch unsere Arbeitsplätze in Gefahr?“ (RELEVANT, 4/2016) Im Magazin finden sich u.a. Interviews mit dem Informatiker Stefan Woltran (TU Wien und Universität Leipzig) und dem Maschinenethiker Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW). „Die Oesterreichische Kontrollbank Aktiengesellschaft (OeKB) ist Österreichs zentraler Finanz- und Informationsdienstleister für Exportwirtschaft und Kapitalmarkt. Ihre speziellen Services stärken den Standort Österreich und unterstützen die Wirtschaft im globalen Wettbewerb. Die vielfältigen Dienstleistungen stehen Unternehmen und Finanzinstitutionen sowie Einrichtungen der Republik Österreich zur Verfügung.“ (Website OeKB) Das gesamte Heft kann über www.oekb.at/de/osn/DownloadCenter/RELEVANT/RELEVANT-4-2016.pdf heruntergeladen werden.

Abb.: Wenn Maschinen denken

Von künstlichem Leben und natürlicher Technik

Prof. Dr. Annette Kleinfeld und Wolfgang Kornberger sind die Veranstalter der Ringvorlesung „Angewandte Ethik – Transdisziplinäre Einblicke in aktuelle Praxisfelder der Ethik“, die am 11. Oktober 2016 an der Hochschule Konstanz gestartet ist. Prof. Dr. Regine Kather (Philosophisches Seminar, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) berichtete am 22. November „Von der Würde des Menschen und der Würde der Kreatur“ und entwickelte „Grundprinzipien einer integrativen Bioethik“. PD Dr. Claudia Pawlenka (Philosophisches Institut, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) geht am 20. Dezember auf „Ethische Fragen im Sport“ ein und konkret auf „Perfektionierung und Kommodifizierung des Menschen“. Der Vortrag von PD Dr. Joachim Boldt (Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) trägt den Titel „Künstliches Leben – Perspektiven der synthetischen Biologie“ und findet am 10. Januar 2017 statt. Prof. Dr. Oliver Bendel (Institut für Wirtschaftsinformatik, Hochschule für Wirtschaft FHNW) spricht am 17. Januar über „Die Moral in der Maschine – Maschinenethik“. Auch an den anderen Tagen kann man spannende Einblicke erwarten. Weitere Informationen über www.htwg-konstanz.de.

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Abb.: Künstliches oder natürliches Leben?

3. Netzpolitischer Kongress im Bundestag

Der 3. Netzpolitische Kongress im Deutschen Bundestag trägt den Titel „Für eine Ethik der digitalen Gesellschaft“. Am 28. Oktober 2016 ist ab 9 Uhr Einlass. Dr. Anton Hofreiter hält um 10 Uhr die Eröffnungsrede. Dann ist Sascha Lobo zugeschaltet. In sechs Workshops, geleitet u.a. von Dr. Konstantin von Notz, Renate Künast und Dieter Janecek, geht man Fragen der Informations-, Technik- und Maschinenethik nach. Workshop Nr. 6 ist dem Thema „Deep Learning – Was unterscheidet Mensch und Maschine und gibt es Algorithmen für Empathie?“ gewidmet. In der Beschreibung auf der Website heißt es: „Auf welche Weisen lernen Maschinen? Kann unser Gehirn eine sinnvolle Blaupause für selbstlernende Systeme sein? Wann übertreffen künstliche neurale Netzwerke die Leistungen von Menschen? Können auch Maschinen moralische Grundsätze berücksichtigen und lässt sich Empathie künstlich abbilden? Welche Grenzen sollten für den Einsatz künstlicher Intelligenz gelten und bis zu welchem Punkt akzeptieren wir diskriminierende oder utilitaristische Maschinen? Was lernen nicht nur Maschinen vom Menschen, was können wir dank selbstlernender Systeme über uns Menschen erfahren?“ Auf dem Podium sitzen Prof. Dr. Oliver Bendel, Wirtschaftsinformatiker, Informationsethiker und Maschinenethiker, und Olivia Klose, Software Development Engineer bei Microsoft. Befragt werden sie von Dieter Janecek, MdB und Sprecher für Wirtschaftspolitik von Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion. Weitere Informationen über www.gruene-bundestag.de/termin/3-netzpolischer-kongress-nk16-fuer-eine-ethik-der-digitalen-gesellschaft.html.

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Abb.: Sonnenblume mit Hummel

Am Anfang war der Sex

„Was hat Sex mit Technologie zu tun?“ Das fragt Regula Freuler in einem zweiseitigen Artikel, der am 23. Oktober 2016 in der NZZ am Sonntag erschienen ist. „Am Anfang war der Sex, erst später kam die Liebe. So war das in der Geschichte der Menschheit. Die Geschichte der Technologie verläuft offenbar gleich: Seit Jahrzehnten wird an Maschinen und Computersystemen getüftelt, die unser Sexleben bereichern sollen, von Vibratoren bis zu Avataren. Dank künstlicher Intelligenz rückt die Sex-Tech-Industrie bald in eine neue Dimension vor: Sex-Roboter, die sich anfühlen wie ein Mensch und Dialoge führen können wie ein Mensch. Und was ist dann mit der Liebe? Werden wir Roboter lieben? Werden Roboter uns lieben?“ (NZZ am Sonntag, 23. Oktober 2016) Zu Wort kommen Oliver Bendel (Professor für Wirtschaftsinformatik, Informationsethik und Maschinenethik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW), Kate Darling (Research Specialist am MIT Media Lab), Kathleen Richardson (Senior Research Fellow in Roboterethik an der De Montfort University), David Levy (Schachmeister und Computerexperte), Sherry Turkle (Professorin für Science, Technology and Society am MIT) und Eva Illouz (Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität von Jerusalem). Der Beitrag wurde von der NZZ am Sonntag freundlicherweise zur Verfügung gestellt und kann hier heruntergeladen werden.

Vorbild Mensch

„Mehr als 600 Ausgaben sind in den vergangenen Jahrzehnten von bild der wissenschaft erschienen. Das erste Heft kam 1964 an den Kiosk. Ersonnen hat es Heinz Haber. Der Physiker produzierte und moderierte … die ersten Wissenssendungen im deutschen Fernsehen.“ (Website bdw) So schreibt es die Zeitschrift selbst auf ihrer Website. In der aktuellen Ausgabe (Oktober 2016) ist ein vierseitiges Interview mit Prof. Dr. Oliver Bendel zu finden, unter dem Titel „Maschinen können Moral lernen“. Es geht um Maschinenethik, um Robotik und Künstliche Intelligenz. Der Mensch ist für die Maschine sozusagen Vorbild. Sie versucht ihn zu imitieren und zu kopieren. Und so entwickelt sie Ansätze einer Moral. Die Fotos hat der Stuttgarter Fotograf Kai R. Joachim angefertigt. Er hat für Magazine wie Metal Hammer, Glamour UK und Cosmopolitan gearbeitet und Aerosmith, Roger Hodgson, Mike Rutherford und Destiny’s Child abgelichtet. Oliver Bendel ist auf den Fotos auf dem Campus Brugg-Windisch unterwegs, in den imposanten oberen Stockwerken, an der spektakulären weißen Wendeltreppe der Bibliothek und am berühmten alten Hallerbau. In dem Heft geht es zudem um den tödlichen Tesla-Unfall in den Vereinigten Staaten. Nicht zuletzt wird nach der Sicherheit auch in anderer Hinsicht gefragt; die „Fülle an Elektronik in den Autos macht es Dieben und Hackern leicht“ (bdw, 10/2016).

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Abb.: Maschinen können von Menschen lernen

Nervenzellen auf Platinen

Ein sechsseitiges Interview mit Oliver Bendel ist in der Absatzwirtschaft (Sonderausgabe dmexco, 14. September 2016, S. 36 bis 41) erschienen. Peter Hanser ist in die Schweiz gereist und hat den Wirtschaftsinformatiker und Maschinenethiker im Au Premier im Zürcher Hauptbahnhof getroffen. Es war ein Gespräch über Technik und Ethik, in dessen Verlauf u.a. die folgenden Worte fielen: „Ich unterscheide Maschinenethik als Gestaltungsdisziplin und andere Disziplinen wie Informationsethik oder Technikethik als Reflexionsdisziplinen. In der Maschinenethik wollen wir wirklich Maschinen konzipieren und am Ende auch prototypisch bauen. Dabei arbeiten wir eng mit KI, Robotik und anderen Disziplinen zusammen. In der Informationsethik und Technikethik reflektieren wir Probleme, die sich beim Einsatz von Robotern ergeben. Es ist beides sinnvoll und notwendig. Wir haben zum ersten Mal in der Geschichte der Ethik eine Form der Ethik, die danach fragt, wie man maschinelle Moral umsetzen kann. Zugleich haben wir zunehmende Probleme durch den Einsatz von Robotern, etwa durch den Ersatz von Arbeitskräften, Kollisionen von Menschen und Maschinen und technikbezogene Sexpraktiken. Es stellt sich die Frage, was wir künftig mit Maschinen tun wollen. Damit sind dann Bereichsethiken gefordert wie Informations-, Technik-, Medizin-, Sexualethik und so weiter.“ Die Maschinen, die das Licht der Welt erblickt haben, sind der GOODBOT und der LIEBOT, und beiden wird im Artikel mit dem Titel „Vielleicht haben Maschinen eines Tages Bewusstsein“ ein Infokasten gewidmet. Das mit dem Bewusstsein hält Oliver Bendel für unwahrscheinlich, aber nicht für ausgeschlossen. Ein Weg könnte sein, auf informationstechnischen Strukturen, auf Platinen etc., tierische oder menschliche Hirnzellen wachsen zu lassen. Ein umgekehrter Cyborg sozusagen.

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Abb.: Hirnzellen könnten auf informationstechnischen Strukturen wachsen

Maschine und Moral

„Maschine und Moral, Roboter und Recht“ ist der Titel eines Beitrags von Hansjörg Schmid und Virginie Jaquet, der im August 2016 in der APUNTO (3/2016) erschienen ist, der Zeitschrift für die Angestellten in der Schweiz. Im Teaser heißt es: „Maschinen und Roboter durchdringen unser Leben immer mehr. Das Zusammenwirken von Mensch und Maschine ist aber, gerade in der Schweiz, noch erstaunlich wenig geregelt, wie Rechtsexperten und Ethiker feststellen.“ (APUNTO, August 2016) Zu Wort kommen Prof. Dr. Isabelle Wildhaber, Professorin für Privat- und Wirtschaftsrecht unter besonderer Berücksichtigung des Arbeitsrechts an der Universität St. Gallen und Expertin für Roboterrecht, Nicolas Capt, Rechtsanwalt bei Barreaux de Genève & Paris und Spezialist für neue Technologien, und Prof. Dr. Oliver Bendel, Wirtschaftsinformatiker, Informations- und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Der Artikel liegt in der selben Ausgabe in französischer Sprache vor, unter dem Titel „Machines et morale, robots et droit“. Der Teaser lautet dort: „Les robots envahissent toujours plus notre vie. Pourtant, la cohabitation entre l’homme et la machine est très peu réglée en Suisse, comme le constatent des experts en droit et un éthicien.“ Das gesamte Heft kann über angestellte.ch/assets/Apunto/apunto-3-16-GzD-low.pdf heruntergeladen werden.

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Abb.: Ist dieses Robotermädchen schon moralisiert?

Autonome Autos im ARD-Mittagsmagazin

Im ARD-Mittagsmagazin vom 27. Juli 2016 stand Oliver Bendel als Technikphilosoph und Maschinenethiker der Moderatorin Hannelore Fischer Rede und Antwort. Zuvor war ein Film zum automatisierten Fahren gebracht worden. Der Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ist sozusagen auf der Überholspur und lässt Bedenken, so ist es manchen der Stimmen zu entnehmen, die zu hören sind, weit hinter sich. Womöglich wird „wahrnehmungsbereit“, enthalten in der aktuellen Gesetzesvorlage, sogar Begriff des Jahres – der Interpretationsspielraum ist auf jeden Fall nicht weniger groß als die Bedenken. Der Fahrer soll wahrnehmungsbereit sein, wenn er sich auf das Autoauto verlässt, und weil er dieses voll nutzen will, wird er es nur eingeschränkt sein. In seinen Antworten versucht Oliver Bendel zu vermitteln. Er hat nichts gegen automatisiertes Fahren, ist aber der Meinung, dass es in erster Linie auf der Autobahn stattfinden soll, in der „natürlichen Umgebung“ des Automobils. Städte seien zu komplex; während die Maschine dort in zahlreiche Unfälle verwickelt sein und die eine oder andere falsche (u.U. auch in moralischer Hinsicht schlechte) Entscheidung durch sie getroffen wird, ergeht es ihr auf der Autobahn, wenn es sich nicht gerade um einen amerikanischen Highway mit Wendemöglichkeit handelt, ganz anders, ist sie in ihrem Element, und die seltenen Unfälle – viele kann das Auto vermeiden helfen – wird die Gesellschaft verschmerzen können. Er ist ebenso wie Alexander Dobrindt der Meinung, dass automatische und autonome Autos nicht Menschen qualifizieren sollen, hält aber auch das Quantifizieren für nur bedingt tauglich. Eine befriedigende Lösung, die von der Ethikkommission, die vom Bundesverkehrsminister eingesetzt wird, erarbeitet werden könnte, sieht er im Moment nicht. Weitere Informationen über http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/mittagsmagazin/index.html; dort kann auch einige Wochen lang der Podcast aufgerufen werden.