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Die Instrumentalisierung der Ethik

Laut NZZ und anderen Medien soll Genf „ein Ethikzentrum für die digitale Gesellschaft werden“ (NZZ, 15. August 2019). Am 2. September soll beim Swiss Global Digital Summit eine neue „Plattform“ gegründet werden, präsidiert von der ehemaligen Bundesrätin Doris Leuthard (CVP), heute u.a. Verwaltungsrätin der Bell Food Group AG, einer Fleischverarbeiterin. Führungsleute von „namhaften Unternehmen“ hätten sich angemeldet, unter ihnen „die CEO von Adecco, Credit Suisse, UBS, Migros, Roche, SwissRe, Zurich Insurance, Swisscom und SBB“ (NZZ, 15. August 2019). Mit dabei seien auch die Präsidenten der Hochschulen ETHZ und EPFL sowie Vertreter aus den Chefetagen von Google, Huawei, IBM, Microsoft, Uber und Siemens. Die Grundhaltung und Stoßrichtung wird offenbar klar und deutlich vorgegeben. Es geht laut NZZ „darum, im optimistischen Geist des technischen Fortschritts ethische Standards zu formulieren, um die heiklen Aspekte der rasanten Entwicklung zu meistern“. „Stichworte dafür sind künstliche Intelligenz, die Automatisierung sowie die Ansammlung und Verwendung persönlicher Daten. Dafür sollen Lösungen im marktwirtschaftlich-freiheitlichen Sinn gefunden werden, die eine internationale Strahlkraft entwickeln.“ (NZZ, 15. August 2019) Wie auf EU-Ebene besteht die Gefahr der Instrumentalisierung der Ethik und der Vereinnahmung der Wissenschaft durch politische und wirtschaftliche Kräfte. Als Moralphilosoph wird man der Einrichtung eher skeptisch gegenüberstehen.

Abb.: Die Instrumentalisierung der Ethik