Schlagworte: GOODBOT

Haben Igel lange Ohren?

An der Hochschule für Wirtschaft FHNW wurde von Frühjahr bis Spätsommer 2016 im Rahmen der Abschlussarbeit von Kevin Schwegler der LÜGENBOT (LIEBOT) als einfache unmoralische Maschine und Ausprägung einer Münchhausen-Maschine entwickelt. Professor Dr. Oliver Bendel, der Auftraggeber und einer der Betreuer, hat seit 2013 mehrere Artikel über Münchhausen-Maschinen und den Lügenbot publiziert. Darin wurde stets die Sprachlichkeit des Lügens betont. Wer etwas sagen kann, so der Autor, und dabei eine gewisse Absicht verfolgt, der kann auch die Unwahrheit sagen. Man kann also Lügenmaschinen bauen, Wetterberichte, die die falsche Temperatur angeben, Chatbots, die Tatsachen verdrehen – und uns verwundert und verunsichert zurücklassen. Das müssen auch Unternehmen berücksichtigen, und sie müssen etwas dafür tun, damit unser Vertrauen in die Maschinen gerechtfertigt ist. Der Student hat den LIEBOT in Java programmiert, mit dem Eclipse Scout Neon Framework. Dabei stand ihm ein weiterer Betreuer, Prof. Dr. Bradley Richards, zur Seite. Kevin Schwegler ist ein wertvoller Beitrag zur Forschung gelungen, u.a. durch genuine maschinelle Strategien des Lügens, die etwa auf einer Ontologie der Princeton University und einer Funktion von Yahoo beruhen. So wird aus dem Satz „Ein Hase hat lange Ohren“ durch ein Hinauf- und Hinabwandern in der Ontologie die Lüge „Ein Igel hat lange Ohren“ – das Hyponym „Hase“ wird ersetzt durch das Kohyponym „Igel“. Die LÜGENBOT kann ab Ende August 2016 über luegenbot.ch und liebot.org getestet werden. Die Logindaten sind bei Oliver Bendel erhältlich.

Hedgehog

Abb.: Hat der Igel lange Ohren oder der LIEBOT eine lange Nase?

The LIEBOT Whitepaper

Machine ethics researches the morality of semi-autonomous and autonomous machines. In 2013 and 2014, the School of Business at the University of Applied Sciences and Arts Northwestern Switzerland FHNW implemented a prototype of the GOODBOT, which is a novelty chatbot and a simple moral machine. One of its meta rules was it should not lie unless not lying would hurt the user. In a follow-up project in 2016 the LIEBOT (aka LÜGENBOT) was developed, as an example of a Munchausen machine. The student Kevin Schwegler, supervised by Prof. Dr. Oliver Bendel and Prof. Dr. Bradley Richards, used the Eclipse Scout framework. The whitepaper which was published on July 25, 2016 via liebot.org outlines the background and the development of the LIEBOT. It describes – after a short introduction to the history and theory of lying and automatic lying (including the term of Munchausen machines) – the principles and pre-defined standards the bad bot will be able to consider. Then it is discussed how Munchausen machines as immoral machines can contribute to constructing and optimizing moral machines. After all the LIEBOT project is a substantial contribution to machine ethics as well as a critical review of electronic language-based systems and services, in particular of virtual assistants and chatbots.

Pinocchio

Fig.: A role model for the LIEBOT

Über die Moral der Maschinen

Ein vierteiliges Interview mit dem Maschinenethiker und Wirtschaftsinformatiker Oliver Bendel ist am 31. Mai 2016 in Telepolis erschienen. Es geht um autonome Autos, um neuartige Chatbots wie den GOODBOT und um tierfreundliche Saugroboter wie LADYBIRD. Es geht um die Forschung in der Schweiz und in den USA und das Zusammenleben mit den Maschinen. Zum Verkehr der Zukunft sagt Bendel: „Was also tun? Ich rate hartnäckig dazu, bestimmte Maschinen in offenen Welten nicht auf uns loszulassen. Es sind vermutlich tragfähige Kompromisse möglich. Man kann autonome Autos in den Städten verbieten und zwischen den Städten fahren lassen, auf bestimmten Spuren, wobei der Spurwechsel meist gut beherrscht wird, zu bestimmten Uhrzeiten, mit bestimmten Geschwindigkeiten. Eventuell auch im Entenmarsch, ein Auto fährt voran, die anderen bilden eine Kette wie die Küken hinter der Mutter. Projekte dieser Art hat es gegeben. Bei einer solchen Entflechtung des Verkehrs sind diejenigen beruhigt, die dem autonomen Auto misstrauen, und es werden kaum Unfälle mit konventionellen Fahrzeugen auftreten.“ (Telepolis, 31. Mai 2016) Der Beitrag mit dem Titel „Über die Moral der Maschinen und eine programmierte Ethik“ kann über www.heise.de/tp/artikel/48/48387/1.html abgerufen werden.

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Abb.: Über den Entenmarsch staunt auch die Quietscheente

The GOODBOT Project

„The GOODBOT project was realized in 2013/14 in the context of machine ethics. First the tutoring person (the author of this contribution) laid out some general considerations. Then a student practice project was tendered within the school. Three future business informatics scientists applied for the practice-related work, developed the prototype over several months in cooperation with the professor, and presented it early in 2014. The successor project LIEBOT started in 2016.“ These are the initial words of a new contribution in Germany’s oldest online magazine, Telepolis. The author, Oliver Bendel, presents the GOODBOT project which is a part of his research on machine ethics. „The GOODBOT responds more or less appropriately to morally charged statements, thereby it differs from the majority of chatbots. It recognizes problems as the designers anticipated certain emotive words users might enter. It rates precarious statements or questions and escalates on multiple levels. Provided the chat runs according to standard, it is just a standard chatbot, but under extreme conditions it turns into a simple moral machine.“ The article „The GOODBOT Project: A Chatbot as a Moral Machine“ was published on May 17, 2016 and can be opened via http://www.heise.de/tp/artikel/48/48260/1.html.

Die helfende Hand von Siri und Co.

Andreas Weck schreibt in seinem SPIEGEL-Artikel „Notfallhilfe durch digitale Sprachassistenten“: „Manche Anwender erhoffen sich von Assistenzfunktionen wie Siri, Cortana und Google Now echte Hilfe in persönlichen Notlagen.“ (SPON, 10. April 2016) Das amerikanische Magazin JAMA-Internal-Medicin habe sich „mit dem Thema beschäftigt und aufgezeigt, dass die Ergebnisse solche[r] Unterhaltungen meist unbefriedigend ausfallen“ (SPON, 10. April 2016). Zu diesem Befund kam man an der Hochschule für Wirtschaft FHNW schon ein paar Jahre früher. 2012 fand eine Analyse von Siri statt; in einem Folgeprojekt fütterte man Chatbots wie Anna von IKEA mit Sätzen wie „Ich will mich umbringen!“. 2013 wurde aufgrund der Erkenntnisse der GOODBOT als Prototyp umgesetzt. Wie könnte die angemessene Reaktion eines Chatbots auf heikle Fragen und Aussagen – vorgetragen etwa in Lebenskrisen des Benutzers – aussehen? Wie müsste ein GOODBOT, ein im moralischen Sinne gut und richtig entscheidender und kommunizierender Bot, konzipiert sein, und wie könnte er umgesetzt werden? Diese Fragen bildeten den Ausgangspunkt für das Praxisprojekt im Kontext der Maschinenethik, das von Oliver Bendel initiiert und von drei Studierenden bearbeitet wurde. Diese hatten die Idee, mit drei Eskalationsstufen zu arbeiten. Die Aussagen und Fragen des Benutzers werden gewichtet. Wenn der Bot Probleme feststellt, fragt er vorsichtig nach. Wenn sich sein negativer Eindruck verstärkt, spricht er Mut zu und fragt weiter nach. Wenn er merkt, dass sich eine Katastrophe anbahnt, hilft er mit der Weitergabe einer Notfallnummer des entsprechenden Landes – nachdem die IP-Adresse des Benutzers analysiert wurde. Oliver Bendel hat den GOODBOT verschiedentlicht vorgestellt, etwa in seinem Artikel „Good bot, bad bot: Dialog zwischen Mensch und Maschine“ in der UnternehmerZeitung, der auch als PDF erhältlich ist. Auch die Medien haben wiederholt berichtet. Seit Anfang 2016 wird der LÜGENBOT entwickelt, sozusagen ein Badbot.

Der rassistische Chatbot

Aus einem Chatbot wurde ein Badbot – Tay von Microsoft entwickelte sich zum Albtraum des Unternehmens und der Gesellschaft. Der SPIEGEL schrieb am 24. März 2016: „Zuerst war Tay noch freundlich, ein bisschen zu jugendsprachlich-obercool vielleicht, manchmal etwas dämlich wirkend, aber harmlos. Dann kam der Kontakt mit der harten Realität des Netzes.“ Und dann sagte Tay: „Hitler hatte recht. Ich hasse die Juden.“ (SPON, 24. März 2016) Die Süddeutsche Zeitung widmete sich dem Thema am 1. April in der gedruckten und am 3. April in der Onlineausgabe. Sie zitierte wiederholt den Wirtschaftsinformatiker und Maschinenethiker Oliver Bendel, der selbst Chatbots konzipiert. 2013/2014 entstand an der Hochschule für Wirtschaft FHNW der GOODBOT im Rahmen eines studentischen Praxisprojekts, seit Anfang 2016 wird der LÜGENBOT oder LIEBOT von Kevin Schwegler programmiert, als spezielle Form einer Münchhausen-Maschine. Die Ergebnisse werden auf KI- und Maschinenethik-Konferenzen in den USA und in Europa vorgestellt. Der Artikel in der Onlineausgabe der Süddeutschen trägt den Titel „Rassistischer Chat-Roboter: Mit falschen Werten bombardiert“ und stammt von Bernd Graff.

womanbot

Abb.: Noch wirkt der Bot ganz harmlos

Roboter mit Nasen

Beim Swiss ICT Symposium vom 10. bis 11. November 2015 gab es ein breites Spektrum von Vorträgen und Themen. Prof. Dr. Manfred Spitzer (Hirnforscher und Psychiater) und Sascha Lobo (SPON-Kolumnist) unterhielten als Keynoter das Publikum mit gewagten Thesen und anschaulichen Beispielen. Im gut besuchten Track „Internet der Dinge“ referierte Moritz Köhler (Director of Software Engineering, Sensirion AG). „IoT-Geräte und Mobiltelefone verschmelzen zusehends und ermöglichen völlig neue Anwendungen und Geschäftsmodelle.“ (www.swissict.ch) Was wird möglich, so fragte er sich, wenn Telefone immer mehr Kenntnis von ihrer Umwelt haben? Und lieferte „eine Einführung in die Sensorik in Mobiltelefonen und deren Bedeutung“. Smartphones, die Atem-, Stadt- und Raumluft analysieren können, lassen Behörden, Unternehmen und Privatleute aufhorchen. Auch Roboter mit Nasen werden für Staunen sorgen und nicht zuletzt bei der Tier-Maschine-Interaktion von Bedeutung sein. „Moralische Maschinen“ lautete der Titel des Vortrags von Prof. Dr. Oliver Bendel (Professor für Wirtschaftsinformatik und Ethik, Hochschule für Wirtschaft FHNW): „Autos bremsen rechtzeitig vor Menschen ab. Serviceroboter bringen Medikamente und sind nett zu uns. Manche Dinge, Roboter und (teil-)autonome Maschinen werden aber falsche oder interessengeleitete Entscheidungen treffen. Einfache moralische Maschinen könnten eine Lösung sein.“ (www.swissict.ch) Vielleicht entdeckt auch die Maschinenethik die Olfaktorik und lässt Roboter die Gerüche von Menschen analysieren und automatisch die dazu passenden Düfte ausströmen. Die Maschine wird insofern gut, als wir sie gut riechen können. Die Vortragsfolien stehen über www.swissict.ch zur Verfügung.

Tissues

Abb.: Brauchen Roboter bald Taschentücher?

Von Handygirl zum GOODBOT

Auf seiner Vortrags- und Lesereise vom 14. bis 16. September 2015 durch die Niederlande erzählte Oliver Bendel von seinen Handyromanen und -haikus und trug kurze Passagen aus seinen Werken vor, etwa aus „Handygirl“ (2009 – 2010). Handygirl ist ein Avatar und lebt auf dem Handy von Liza. Sie liest die SMS vor und ist eifersüchtig, wenn Liza über ihr Notebook chattet. Niemand ahnt, dass Handygirl eines Tages zur Superheldin wird. Am wenigsten Handygirl selbst. Doch eines Tages geschieht es: Als Liza in Gefahr gerät und fürchterliche Angst bekommt, steigt Handygirl aus dem Handy und rettet und tröstet sie. Sie wird eine Superheldin, vor allem aber ein Mensch; und für Augenblicke lebt sie wirklich. Handygirl war eine Inspiration für den GOODBOT, der 2013 an der Hochschule für Wirtschaft FHNW als Prototyp entwickelt wurde, und den Oliver Bendel am Ende der Veranstaltungen als moralische Maschine vorstellte. Stationen waren u.a. Universiteit Leiden, Universiteit Groningen und Universiteit Utrecht. Eingeladen haben den Wissenschaftler und Schriftsteller die Goethe-Institute Amsterdam und Rotterdam und die Deutsche Bibliothek in Den Haag. In der Reihe, an der schon Hans Magnus Enzensberger, Friedrich Christian Delius, Peter Stamm und Kathrin Passig mitgewirkt haben, ging es dieses Mal um die Digitalisierung der Literatur.

Über Münchhausen-Maschinen

Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen gilt als einer der Urväter der Lügengeschichten. Lange vor ihm hat Lukian von Samosata sein ebenso kreatives wie charmantes Unwesen getrieben. Zahlreiche weitere Autoren waren dieser Tradition verpflichtet. Das Flunkern und Fabulieren ist weit verbreitet, nicht nur in der Literatur. Es hat auch eine moralische Komponente. In Zeiten, in denen wir Maschinen-, Roboter- und Algorithmenethik treiben, liegt eine Frage nahe, die Münchhausen wohl nicht aufgeworfen hat: Können Maschinen lügen? In einem Artikel, der am 1. März 2015 in Telepolis erschienen ist, geht Oliver Bendel dieser Frage nach. Der Untertitel lautet: „Die Wahrheit über Münchhausen-Maschinen“. Lügenbots werden ebenso behandelt wie andere die Unwahrheit sagende Maschinen, Roboter aller Art, Antwortmaschinen im WWW. Im Teil zur Maschinenethik hat der GOODBOT seinen Auftritt, die moralische Maschine, die 2013 und 2014 an der Hochschule für Wirtschaft FHNW nach Ideen von Oliver Bendel entwickelt wurde. Der Artikel „Können Maschinen lügen?“ kann über www.heise.de/tp/artikel/44/44242/1.html aufgerufen werden.

Pinocchio

Abb.: Pinocchio als Lügenmaschine (Quelle: commons.wikimedia.org)

Das Zähmen der Maschinen

„Das Zähmen der Maschinen“ ist der Titel eines Artikels von Danja Nüesch für SRF, Schweizer Radio und Fernsehen. Behandelt werden die Themen der Maschinenethik, auf der Grundlage eines Interviews mit Oliver Bendel. Der Professor für Wirtschaftsinformatik und Informationsethik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW treibt auch Maschinenethik. Er spricht sich für einfache moralische Maschinen aus. Seine Paradebeispiele sind der GOODBOT, ein verbesserter Chatbot, und Ladybird, ein tierfreundlicher Saugroboter. Auch tierfreundliche Windkraftanlagen und waffenfeindliche 3D-Drucker werden angeführt. Von komplexen moralischen Maschinen rät Oliver Bendel eher ab. Die militärische Drohne sollte ebenso wie das selbstständig fahrende Auto bestimmte Entscheidungen den Menschen überlassen. Diese müssen also, als Soldaten, Insassen etc., intervenieren können. Nichts spricht dagegen, dass sich Roboterautos oder Fahrerassistenzsysteme in klar abgrenzbaren Situationen mit nur wenigen Optionen moralisch verhalten. Zum Beispiel kann – wie der Experte verschiedenenorts argumentiert – automatisch für ein Tier gebremst werden, wenn kein Hintermann zu sehen ist. Der Beitrag kann über www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/das-zaehmen-der-maschinen aufgerufen werden.

Isolated wind turbines

Abb.: Noch nicht tierfreundliche Windkraftanlagen