Schlagwörter: Informationsethik

Eine Steuer für Roboter in der Arbeitswelt

Das „Echo der Zeit“ auf SRF4 bzw. SRF1 brachte am 8. Februar 2017 ein Gespräch mit dem Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel. Der Teaser auf der Website führt unter dem Titel „Eine Steuer für Roboter in der Arbeitswelt“ wie folgt ein: „Die Wirtschaft wird immer stärker automatisiert, gewisse Arbeitsplätze werden überflüssig. Gewinner sind die Hersteller von Robotern, zum Beispiel ABB. Laut einer Studie wird bald die Hälfte aller Jobs in den USA durch Roboter ersetzt. Wie können Staaten auf diese Entwicklung reagieren? Eine Idee ist, die Maschinen [zu] besteuern, die die Menschen ersetzen.“ (Website SRF, 8. Februar 2017) Ein Ansatz ist, von der Arbeit des Roboters auszugehen. Es kann ein Stundenlohn angenommen werden, etwa die 4,50 US-Dollar, die Fondsmanager der Credit Suisse ausgerechnet haben für einen durchschnittlichen Industrieroboter. Darauf wird dann eine Art Einkommensteuer erhoben. Mit Blick auf die Robotersteuer stellen sich zahlreiche Fragen: Welche Systeme sind betroffen, nur Hardwareroboter oder auch Softwareroboter? Nur Industrieroboter oder auch Serviceroboter? Um welche Arbeit geht es konkret, um welche Tätigkeiten, um welche Einsatzbereiche? Das Gespräch mit Oliver Bendel führte Isabelle Jacobi. Es kann über www.srf.ch/play/radio/echo-der-zeit aufgerufen werden.Abb.: Wie hoch ist die Robotersteuer?

Lots of Bots

„Social Bots sind Bots, also Softwareroboter bzw. -agenten, die in sozialen Medien (Social Media) vorkommen. Sie liken und retweeten, und sie texten und kommentieren, können also natürlichsprachliche Fähigkeiten haben. Sie können auch als Chatbots fungieren und damit mit Benutzern synchron kommunizieren. Social Bots werden zur Sichtbarmachung und Verstärkung von Aussagen und Meinungen eingesetzt. Dabei können sie werbenden Charakter besitzen bzw. politische Wirkung entfalten.“ So lautet die Kurzfassung eines neuen Beitrags im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler. Dazu passt ein anderer Text von Oliver Bendel über Chatbots, der wie folgt zusammengefasst wird: „Chatbots oder Chatterbots sind Dialogsysteme mit natürlichsprachlichen Fähigkeiten textueller oder auditiver Art. Sie werden, oft in Kombination mit statischen oder animierten Avataren, auf Websites verwendet, wo sie die Produkte und Dienstleistungen ihrer Betreiber erklären und bewerben respektive sich um Anliegen der Interessenten und Kunden kümmern.“ Es wird jeweils auch auf die Perspektive der Informationsethik und der Maschinenethik eingegangen. Die beiden Beiträge, die am 1. Februar 2017 erschienen sind, können über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/social-bots.html bzw. wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/chatbot.html aufgerufen werden.

Neue Rubrik mit englischen Abstracts

Auf maschinenethik.net und informationsethik.net gibt es die neue Rubrik „Abstracts“. Dort werden Abstracts von ausgewählten wissenschaftlichen Beiträgen zur Maschinenethik und zur Informationsethik von Oliver Bendel gesammelt. Es sind ausschließlich englische Abstracts, und die dazugehörigen Texte sind ebenfalls mehrheitlich in englischer Sprache. Auch andere europäische Autoren können dort aufgenommen werden. Sie können ihre Abstracts an die E-Mail-Adresse im Impressum senden, wobei sie die Erlaubnis zur Veröffentlichung erteilen müssen. In den USA wird auf die Maschinenethik und die Informationsethik in Europa zu wenig Bezug genommen, vor allem, wenn die Beiträge in deutscher, französischer, italienischer, spanischer oder portugiesischer Sprache vorliegen. Von allen wichtigen Vertretern liegen natürlich auch Texte in englischer Sprache vor. Aber viele europäische Wissenschaftler, gerade Philosophen, schreiben gerne in ihrer Muttersprache. Über die Rubrik kann sowohl auf nichtenglische als auch auf englische Beiträge aufmerksam gemacht werden. Das Entscheidende ist eben, dass die Abstracts in englischer Sprache vorhanden sind.

Über Sicherheits- und Überwachungsroboter

Sicherheits- und Überwachungsroboter verbreiten sich auf den Firmengeländen und in den Shopping Malls, als rollende und fliegende Maschinen. Sie sollen für die Sicherheit der Unternehmen und Kunden sorgen. Dabei entsteht allerdings auch Unsicherheit. Der Beitrag von Oliver Bendel, der in der Zeitschrift SicherheitsForum 6/2016 erschienen ist, widmet sich der komplexen Thematik aus der Perspektive der Robotik und der Ethik. Dabei bezieht er weitere Serviceroboter wie Paketroboter ein. SicherheitsForum ist nach eigenen Angaben „seit über 20 Jahren die führende Schweizer Fachzeitschrift für Sicherheit, welche speziell auf die Bedürfnisse der Sicherheitsverantwortlichen aus der Privatwirtschaft wie auch aus dem öffentlichen Sektor zugeschnitten ist“ (Website SicherheitsForum). „Die Leser aus der Schweiz und dem grenznahen Ausland erhalten wichtige Informationen zu organisatorischen und technischen Sicherheitsthemen: Sicherheitsmanagement, Riskmanagement, Videoüberwachung, Brandschutz, Einbruchschutz, Diebstahlschutz, Zutrittskontrolle, Biometrie, Business Continuity, Notfall­ und Krisenmanagement, Informationssicherheit und viele weitere.“ (Website SicherheitsForum) Das PDF kann mit freundlicher Genehmigung des Verlags hier heruntergeladen werden.

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Abb.: Ein Sicherheitsroboter in Aktion

Die Robotersteuer in der Diskussion

Die Schweiz am Sonntag befragte Oliver Bendel nach einem Vorschlag zur Robotersteuer, enthalten in einem Initiativbericht zu „Civil Law Rules on Robotics“, der von ihm auf Wunsch eines Abgeordneten des EU-Parlaments kommentiert wurde. Gegenüber der Schweizer Zeitung antwortete er: „Für mich geht es letztlich darum, dass die erwirtschafteten Gewinne gerecht verteilt werden. Im Moment ist das nicht der Fall, und vermutlich wird es auch in Zukunft nicht der Fall sein. Allerdings wird es in Zukunft etliche Fabriken geben, in denen vor allem Roboter schuften. Die Gewinne werden also mehr und mehr ohne die Menschen gemacht, ohne die Arbeiter und Angestellten. Insgesamt bin ich überzeugt, dass die Arbeit für die Menschen weniger werden wird. Sinn der Automatisierung ist die Automation. Mit der wiederum der Zweck der Gewinnmaximierung verbunden ist.“ Und weiter: „Wenn die Robotersteuer dazu beitragen würde, die Gewinne gerecht zu verteilen, auch an diejenigen, die wegen der Roboter nicht eingestellt oder wegen ihnen entlassen wurden, könnte man über eine Einführung nachdenken. Es gibt natürlich noch andere Wege, die Versicherungssysteme zu erhalten und die Menschen in den Stand zu setzen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Nachdenken muss man über ein bedingungsloses Grundeinkommen, das wiederum mit einer Robotersteuer verbunden sein kann.“ Neben Oliver Bendel wurden u.a. noch Mathias Binswanger und Jürgen Schmidhuber befragt. Der Artikel mit dem Titel „Sollen Roboter Steuern zahlen?“ ist am 6. November 2016 in der gedruckten Ausgabe erschienen und kann über www.schweizamsonntag.ch/ressort/nachrichten/sollen_roboter_steuern_zahlen/ abgerufen werden.

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Abb.: Der Roboter berechnet die Steuer, die er bezahlen muss

Mädchen und Frauen unter den Rock schauen

Die Schweizerische Post erprobt Lieferroboter, die Pakete zustellen sollen. Auf dem Gelände des Unternehmens in Wankdorf bei Bern hatte der Betreiber dieser Plattform im September 2016 die Gelegenheit, das Produkt der Starship Technologies unter die Lupe zu nehmen. Die Tester wiesen auf die Kameras mit 360-Grad-Aufnahmetechnik hin und auf das Ultraschallsystem. Sie öffneten die Klappe und erlaubten den Blick auf die Last. Bis zu zehn Kilogramm können auf den sechs Rädern bis zu sechs Kilometer weit befördert werden. Das hauptsächliche Problem der Paketroboter ist, dass sie neuartige Verkehrsteilnehmer darstellen, die die Gehsteige bevölkern und die Straßen überqueren. Das eine tun sie in der Regel autonom, das andere wird in den meisten Ländern, in denen sie getestet werden, von einem Operator unterstützt. Wenn es viele Lieferroboter dieser Art gibt, werden Innen- und Vorstädte noch komplexer für die etablierten Verkehrsteilnehmer. Unabhängig von der Zahl stellen sie Stolperfallen dar. Die Paketroboter sind wie herrenlose Hunde, können aber nicht so gut wie diese ausweichen und sind auch nicht so schnell. Skater, Radfahrer und Fußgänger können über sie stürzen, was durch die geringe Höhe begünstigt wird. Selbst wenn sie an die Leine gelegt und durch wenig frequentierte Gebiete navigiert werden, ist die Gefahr nicht ganz gebannt. Ein nicht ganz nebensächliches Problem ist, dass der Lieferoboter mit seinen Kameras auch Personen erfassen und womöglich Mädchen und Frauen unter den Rock schauen kann – ein weites Feld für Informations- und Technikethik. Es wird sich zeigen, wie hoch die Akzeptanz von Kunden und Passanten ist und welche Erfahrungen in den verschiedenen Ländern gemacht werden.

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Abb.: Was sieht der kleine Roboter?

Nervenzellen auf Platinen

Ein sechsseitiges Interview mit Oliver Bendel ist in der Absatzwirtschaft (Sonderausgabe dmexco, 14. September 2016, S. 36 bis 41) erschienen. Peter Hanser ist in die Schweiz gereist und hat den Wirtschaftsinformatiker und Maschinenethiker im Au Premier im Zürcher Hauptbahnhof getroffen. Es war ein Gespräch über Technik und Ethik, in dessen Verlauf u.a. die folgenden Worte fielen: „Ich unterscheide Maschinenethik als Gestaltungsdisziplin und andere Disziplinen wie Informationsethik oder Technikethik als Reflexionsdisziplinen. In der Maschinenethik wollen wir wirklich Maschinen konzipieren und am Ende auch prototypisch bauen. Dabei arbeiten wir eng mit KI, Robotik und anderen Disziplinen zusammen. In der Informationsethik und Technikethik reflektieren wir Probleme, die sich beim Einsatz von Robotern ergeben. Es ist beides sinnvoll und notwendig. Wir haben zum ersten Mal in der Geschichte der Ethik eine Form der Ethik, die danach fragt, wie man maschinelle Moral umsetzen kann. Zugleich haben wir zunehmende Probleme durch den Einsatz von Robotern, etwa durch den Ersatz von Arbeitskräften, Kollisionen von Menschen und Maschinen und technikbezogene Sexpraktiken. Es stellt sich die Frage, was wir künftig mit Maschinen tun wollen. Damit sind dann Bereichsethiken gefordert wie Informations-, Technik-, Medizin-, Sexualethik und so weiter.“ Die Maschinen, die das Licht der Welt erblickt haben, sind der GOODBOT und der LIEBOT, und beiden wird im Artikel mit dem Titel „Vielleicht haben Maschinen eines Tages Bewusstsein“ ein Infokasten gewidmet. Das mit dem Bewusstsein hält Oliver Bendel für unwahrscheinlich, aber nicht für ausgeschlossen. Ein Weg könnte sein, auf informationstechnischen Strukturen, auf Platinen etc., tierische oder menschliche Hirnzellen wachsen zu lassen. Ein umgekehrter Cyborg sozusagen.

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Abb.: Hirnzellen könnten auf informationstechnischen Strukturen wachsen

What can we ethically outsource to machines?

Prior to the hearing in the Parliament of the Federal Republic of Germany on 22 June 2016 from 4 – 6 pm, the contracted experts had sent their written comments on ethical and legal issues with respect to the use of robots and artificial intelligence. The video for the hearing can be accessed via www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2016/kw25-pa-digitale-agenda/427996. The documents of Oliver Bendel (School of Business FHNW), Eric Hilgendorf (University of Würzburg), Norbert Elkman (Fraunhofer IPK) and Ryan Calo (University of Washington) were published in July on the website of the German Bundestag. Answering the question „Apart from legal questions, for example concerning responsibility and liability, where will ethical questions, in particular, also arise with regard to the use of artificial intelligence or as a result of the aggregation of information and algorithms?“ the US scientist explained: „Robots and artificial intelligence raise just as many ethical questions as legal ones. We might ask, for instance, what sorts of activities we can ethically outsource to machines. Does Germany want to be a society that relegates the use of force, the education of children, or eldercare to robots? There are also serious challenges around the use of artificial intelligence to make material decisions about citizens in terms of minimizing bias and providing for transparency and accountability – issues already recognized to an extent by the EU Data Directive.“ (Website German Bundestag) All documents (most of them in German) are available via www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse18/a23/anhoerungen/fachgespraech/428268.

Nachrichten aus der neuen Fabrik

„Im Aargau kam der GOODBOT zur Welt. Programmiert wurde er in verschiedenen Kantonen, doch am Campus Brugg-Windisch der FHNW wurde er erdacht und ausprobiert. Wir hatten 2013 verschiedene Chatbots auf Websites mit Aussagen und Fragen gefüttert. Die Ergebnisse waren erschütternd. Maschinen dieser Art sind dazu da, die Benutzer über Produkte und Dienstleistungen zu informieren. Sie sind auch vorbereitet auf Fragen, die sie selbst und die Welt betreffen. Wenn die Sprache indes auf einen beabsichtigten Selbstmord oder Amoklauf kam, versagten die meisten von ihnen.“ Mit diesen Worten beginnt der Artikel „Nachrichten aus der neuen Fabrik“ von Oliver Bendel, der in der Aargauer Wirtschaft Nr. 7 (14. Juli 2016) erschienen ist. Und weiter: „Ich erfand den GOODBOT, der bei Problemen besser reagieren und im Extremfall eine nationale Notfallnummer herausgeben konnte. Drei Studenten implementierten ihn prototypisch. Die Gestaltungsdisziplinen, deren Methoden wir anwandten, waren soziale Robotik und Maschinenethik. Erstere bringt Roboter hervor, die zu sozialen Interaktionen fähig sind und Menschen nicht überfordern und nicht verletzen, letztere Maschinen, die moralisch angemessen entscheiden und handeln.“ (Aargauer Wirtschaft, 14. Juli 2016) Im Folgenden wird auf die Industrie 4.0 und die Smart Factory eingegangen, wo soziale Robotik und Maschinenethik ebenfalls eine Rolle spielen. Der ganze Artikel kann über diese Plattform heruntergeladen werden, das gesamte Heft (u.a. mit einem Beitrag von Crispino Bergamaschi) steht hier zum Download bereit.

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Abb.: Die Smart Factory ist mit der Umwelt vernetzt

Aufhalten lassen wir uns nicht

Die Journalistin Heike Henzmann hat im Rahmen der Serie „Walk and Talk“ für die Zeitschrift aktuelle technik (at) ein langes Gespräch mit dem Wirtschaftsinformatiker und Maschinenethiker Oliver Bendel geführt. Der erste Teil des Interviews ist im Juni 2016 erschienen und in diesem Blog besprochen worden. Der zweite Teil mit dem Titel „Aufhalten lassen wir uns nicht.“ liegt seit dem 14. Juli vor und kann hier heruntergeladen werden. In dem Gespräch ging es, wie bereits ausgeführt, um Maschinenethik, Informationsethik und Technologiefolgenabschätzung sowie um Moral und Ethik im Allgemeinen. Zur Maschinenethik führt Oliver Bendel aus: „Die Maschinenethik begreife ich als Gestaltungsdisziplin, die Informationsethik als Reflexionsdisziplin. Die Maschinenethik ist die Disziplin, die die Moral der Maschine zum Thema hat. Die Moral des Menschen wird anders als in der Menschenethik nur nebenbei betrachtet, als Mittel zum Zweck. Eine menschliche Moral ist sehr viel besser als eine maschinelle Moral. Der maschinellen Moral fehlt einiges. Die Maschine kann aber mindestens eine so gute Moral haben wie der menschliche Fundamentalist.“ (at, 7/2016) Diese These wird im Folgenden näher beleuchtet und begründet. Neben dem Text finden sich in beiden Beiträgen viele Fotos, aufgenommen bei miesestem Regenwetter und bester Diskutierlaune.

FundamentalistAbb.: Ein Fundamentalist bei seiner Lieblingsbeschäftigung