Schlagworte: Informationsethik

Schlafen im Auto

Nele Würzbach von Noizz.de hat mit Oliver Bendel ein Interview zu autonomen Autos geführt, das am 5. Juni 2017 in dem Magazin aus Berlin veröffentlicht wurde. Eine Frage lautete, ob wir eines Tages während der Fahrt schlafen können. Die Antwort des Informations- und Maschinenethikers lautete: „Wenn wir das teil- und hochautomatisierte Fahren hinter uns gelassen haben und zum vollautomatisierten bzw. autonomen Fahren gekommen sind, können wir in der Tat während der Fahrt schlafen. Das Innenleben des Autos müsste entsprechend gestaltet werden, es bräuchte Liegesitze, verdunkelbare Scheiben etc. Es bräuchte zudem Konzepte für Gefahrensituationen. Vom Tiefschlaf bis zur vollen Denk- und Urteilsfähigkeit kann es eine Weile dauern. Ich denke, dass diese Vision bei PKW frühestens in zehn Jahren umgesetzt werden kann, und auch nur auf der Autobahn. Es sind übrigens nicht nur technische, sondern ebenso psychologische Aspekte zu bedenken. Man müsste ein Zutrauen zu den Fahrzeugen fassen, das dem Zutrauen zu Flugzeugen entspricht. Man müsste lernen, in einer Situation zu schlafen, die bisher unsere höchste Aufmerksamkeit beansprucht hat.“ Der Beitrag mit dem Titel „Kann man bald am Steuer schlafen?“ – davon, dass es auch künftig noch ein Steuer gibt, kann ausgegangen werden – kann über noizz.de/motor/wie-realistisch-ist-autonomes-fahren-wirklich/cd96p7y aufgerufen werden.

Abb.: In diesem Auto konnte man schon früher schlafen

Die Co-Robots kommen

Kooperation ist Zusammenarbeit, insbesondere auf wissenschaftlichem, politischem oder wirtschaftlichem Gebiet. Typisch ist ein hoher Grad an Arbeitsteilung bei gleichzeitigem Vorliegen eines gemeinsamen Ziels. Bei Kollaboration ist ein hoher Grad an unmittelbarer Zusammenarbeit gegeben. Die Tätigkeiten greifen ineinander und bauen aufeinander auf. Mit Blick auf die Industrie spricht man von Kooperations- oder Kollaborationsrobotern, abkürzend und verallgemeinernd von Co-Robots und Cobots. Die Bedeutungsunterschiede nimmt man mal mehr, mal weniger ernst. In der Regel sind Kooperation und Kollaboration mit Menschen gemeint. Auch unter Maschinen können sie stattfinden, aber dort sind sie auf einem gewissen Niveau üblich und verbreitet, während die enge Zusammenarbeit zwischen Industrierobotern und Mitarbeitern neuartig und gewinnbringend für beide Seiten ist. In seinem Artikel „Co-Robots und Co. – Entwicklungen und Trends bei Industrierobotern“ in der Netzwoche 9/2017 geht Oliver Bendel auf den Einsatz von Kooperations- und Kollaborationsrobotern ein, nennt konkrete Produkte und skizziert Chancen und Risiken.

Abb.: Wenn Maschinen und Geräte zusammenkommen

Erforschung der Folgen der Digitalisierung

50 Millionen Euro stehen bereit für die Erforschung der individuellen und sozialen Folgen der Digitalisierung. Nun weiß man, wer sie erhält. „Das Deutsche Internet-Institut wird in Berlin von einem Konsortium aus fünf Hochschulen und zwei außeruniversitären Forschungseinrichtungen aus Berlin und Brandenburg gegründet. Dies hat Bundesforschungsministerin Johanna Wanka heute bekannt gegeben. Das Konsortium aus Freier Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technischer Universität Berlin, Universität der Künste Berlin, Universität Potsdam, Fraunhofer-FOKUS und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung als Koordinator hat sich in einem zweistufigen wettbewerblichen Verfahren durchgesetzt.“ (Pressemitteilung BMBF, 23. Mai 2017) Die Entscheidung hat Prof. Dr. Johanna Wanka auf der Grundlage einer Empfehlung der Jury getroffen, der u.a. Prof. Dr. Viktor Mayer-Schönberger (University of Oxford), Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW, Schweiz), Prof. Dr. Urs Gasser (Harvard University), Prof. Dr. Eric Hilgendorf (Julius-Maximilians-Universität Würzburg), Prof. Dr. Michael Kerres (Universität Duisburg-Essen), Dr. Catharina Maracke (Keio University, Japan) und Dr. Constanze Kurz (Chaos Computer Club und Netzpolitik.org) angehörten. Informations- und Technikethik dürften damit in Deutschland eine Renaissance erleben. Womöglich wird auch die Maschinenethik gestärkt.

Abb.: Eine Bahn in Berlin

Deutsches Internet-Institut vor Gründung

Am 23. Mai 2017 wird, so die Südwest Presse, darüber „entschieden, wo das neue Deutsche Internet-Institut angesiedelt wird“ (SWP, 22. Mai 2017) Eine Jury hatte im Auftrag von Bundesministerin Prof. Dr. Johanna Wanka vor einem Jahr aus zehn Bewerbern fünf für die Endrunde ausgewählt. Genauere Informationen hatte seinerzeit das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bekanntgegeben. „Ziel des geplanten Internet-Instituts ist, die Folgen des digitalen Wandels für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zu erforschen – und so die Digitalisierung besser zu verstehen und zum Wohl der Gesellschaft nutzbar zu machen. Für den Anfang sind in den ersten fünf Jahren bis zu 50 Millionen Euro vorgesehen.“ (SWP, 22. Mai 2017) Die Jury hat nun eine Empfehlung vorgelegt, auf deren Grundlage die Bundesministerin – so ihre Stellungnahme gegenüber einem Mitglied des Bundestags – entscheidet. Die Leitung der Jury obliegt Prof. Dr. Viktor Mayer-Schönberger (University of Oxford). Mitglieder sind u.a. Prof. Dr. Eric Hilgendorf (Julius-Maximilians-Universität Würzburg), Prof. Dr. Michael Kerres (Universität Duisburg-Essen), Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW, Schweiz) und Dr. Constanze Kurz (Chaos Computer Club und Netzpolitik.org).

Robotik und Digitalisierung in Wien

Der Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie von Österreich startet eine Initiative zu Robotik und Digitalisierung. Zur grundsätzlichen Förderung heißt es in einer Information von 2016: „Das Infrastrukturministerium (bmvit) investiert jährlich rund 500 Millionen Euro in die Förderung der angewandten Forschung in Österreich. 185 Millionen Euro stehen für F&E im Bereich von Industrie 4.0 zur Verfügung. Davon fließen rund 100 Millionen Euro in die Material- und Produktionsforschung in der Sachgüterindustrie.“ (Information bmvit) Die Schwerpunkte liegen dabei auf Entwicklungen in der Robotik, von intelligenten Materialien und Rohstoffen sowie von innovativen Sensorik-Systemen. „Weitere 85 Millionen Euro werden für Innovationen auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) aufgewendet.“ Der Fokus ist gerichtet „auf Weiterentwicklungen intelligenter Systeme für automatisiertes Fahren, Machine Learning, Sicherheit und Interoperabilität …“ (Information bmvit). Zur Vorbereitung der genannten neuen Initiative werden am 23. und 24. Mai 2017 in Wien „High Level Sounding Boards“ durchgeführt. In kleiner Runde werden – so ein Schreiben aus dem Ministerium – inhaltliche Abgrenzungen, spezifische Herausforderungen und notwendige Politikmaßnahmen zu Robotik und Digitalisierung diskutiert. Eingeladen sind auch Experten aus dem Ausland, etwa Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW.

Abb.: Handzeichen in Österreich

Recht und Ethik in Basel

Im Sommercasino Basel trafen beim Festival science+fiction vom 5. bis 7. Mai 2017 nationale und internationale Künstler und Wissenschaftler auf ein interessiertes Publikum. Am 6. Mai ging es um Roboterrecht und Maschinenethik. Beim Panel „Maschinen und das Gesetz“ wurde gefragt, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit eine Maschine zum rechtlichen Subjekt wird, ob es in naher Zukunft eines Maschinenrechts bedarf, oder ob sich Maschinen in unsere Rechtsprechung einfügen müssen, und welche Folgen sich ergeben, wenn in einer Mensch-Maschinen-Interaktion etwas schief geht (z.B. wenn eine Hightech-Prothese ihren Träger oder Personen aus der Umgebung verletzt). Es moderierte Christoph Keller von SRF 2 Kultur, es diskutierten Wolfram Burgard (Professor für Autonomous Intelligent Systems, Universität Freiburg), Nadine Zurkinden (Postdoc für Strafrecht, Universität Basel) und Oliver Bendel (Professor für Wirtschaftsinformatik und Informationsethik, Hochschule für Wirtschaft FHNW). Am Abend sprach Gabriele Röger (Informatikerin, Universität Basel) über „Die Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt“, und Oliver Bendel stellte seinen LÜGENBOT vor, ein Beispiel für eine Münchhausen-Maschine; am Tag zuvor hatte die TagesWoche über das Projekt berichtet. Weitere Informationen über scienceandfiction.ch.

Eine Steuer für Roboter in der Arbeitswelt

Das „Echo der Zeit“ auf SRF4 bzw. SRF1 brachte am 8. Februar 2017 ein Gespräch mit dem Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel. Der Teaser auf der Website führt unter dem Titel „Eine Steuer für Roboter in der Arbeitswelt“ wie folgt ein: „Die Wirtschaft wird immer stärker automatisiert, gewisse Arbeitsplätze werden überflüssig. Gewinner sind die Hersteller von Robotern, zum Beispiel ABB. Laut einer Studie wird bald die Hälfte aller Jobs in den USA durch Roboter ersetzt. Wie können Staaten auf diese Entwicklung reagieren? Eine Idee ist, die Maschinen [zu] besteuern, die die Menschen ersetzen.“ (Website SRF, 8. Februar 2017) Ein Ansatz ist, von der Arbeit des Roboters auszugehen. Es kann ein Stundenlohn angenommen werden, etwa die 4,50 US-Dollar, die Fondsmanager der Credit Suisse ausgerechnet haben für einen durchschnittlichen Industrieroboter. Darauf wird dann eine Art Einkommensteuer erhoben. Mit Blick auf die Robotersteuer stellen sich zahlreiche Fragen: Welche Systeme sind betroffen, nur Hardwareroboter oder auch Softwareroboter? Nur Industrieroboter oder auch Serviceroboter? Um welche Arbeit geht es konkret, um welche Tätigkeiten, um welche Einsatzbereiche? Das Gespräch mit Oliver Bendel führte Isabelle Jacobi. Es kann über www.srf.ch/play/radio/echo-der-zeit aufgerufen werden.Abb.: Wie hoch ist die Robotersteuer?

Lots of Bots

„Social Bots sind Bots, also Softwareroboter bzw. -agenten, die in sozialen Medien (Social Media) vorkommen. Sie liken und retweeten, und sie texten und kommentieren, können also natürlichsprachliche Fähigkeiten haben. Sie können auch als Chatbots fungieren und damit mit Benutzern synchron kommunizieren. Social Bots werden zur Sichtbarmachung und Verstärkung von Aussagen und Meinungen eingesetzt. Dabei können sie werbenden Charakter besitzen bzw. politische Wirkung entfalten.“ So lautet die Kurzfassung eines neuen Beitrags im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler. Dazu passt ein anderer Text von Oliver Bendel über Chatbots, der wie folgt zusammengefasst wird: „Chatbots oder Chatterbots sind Dialogsysteme mit natürlichsprachlichen Fähigkeiten textueller oder auditiver Art. Sie werden, oft in Kombination mit statischen oder animierten Avataren, auf Websites verwendet, wo sie die Produkte und Dienstleistungen ihrer Betreiber erklären und bewerben respektive sich um Anliegen der Interessenten und Kunden kümmern.“ Es wird jeweils auch auf die Perspektive der Informationsethik und der Maschinenethik eingegangen. Die beiden Beiträge, die am 1. Februar 2017 erschienen sind, können über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/social-bots.html bzw. wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/chatbot.html aufgerufen werden.

Neue Rubrik mit englischen Abstracts

Auf maschinenethik.net und informationsethik.net gibt es die neue Rubrik „Abstracts“. Dort werden Abstracts von ausgewählten wissenschaftlichen Beiträgen zur Maschinenethik und zur Informationsethik von Oliver Bendel gesammelt. Es sind ausschließlich englische Abstracts, und die dazugehörigen Texte sind ebenfalls mehrheitlich in englischer Sprache. Auch andere europäische Autoren können dort aufgenommen werden. Sie können ihre Abstracts an die E-Mail-Adresse im Impressum senden, wobei sie die Erlaubnis zur Veröffentlichung erteilen müssen. In den USA wird auf die Maschinenethik und die Informationsethik in Europa zu wenig Bezug genommen, vor allem, wenn die Beiträge in deutscher, französischer, italienischer, spanischer oder portugiesischer Sprache vorliegen. Von allen wichtigen Vertretern liegen natürlich auch Texte in englischer Sprache vor. Aber viele europäische Wissenschaftler, gerade Philosophen, schreiben gerne in ihrer Muttersprache. Über die Rubrik kann sowohl auf nichtenglische als auch auf englische Beiträge aufmerksam gemacht werden. Das Entscheidende ist eben, dass die Abstracts in englischer Sprache vorhanden sind.

Über Sicherheits- und Überwachungsroboter

Sicherheits- und Überwachungsroboter verbreiten sich auf den Firmengeländen und in den Shopping Malls, als rollende und fliegende Maschinen. Sie sollen für die Sicherheit der Unternehmen und Kunden sorgen. Dabei entsteht allerdings auch Unsicherheit. Der Beitrag von Oliver Bendel, der in der Zeitschrift SicherheitsForum 6/2016 erschienen ist, widmet sich der komplexen Thematik aus der Perspektive der Robotik und der Ethik. Dabei bezieht er weitere Serviceroboter wie Paketroboter ein. SicherheitsForum ist nach eigenen Angaben „seit über 20 Jahren die führende Schweizer Fachzeitschrift für Sicherheit, welche speziell auf die Bedürfnisse der Sicherheitsverantwortlichen aus der Privatwirtschaft wie auch aus dem öffentlichen Sektor zugeschnitten ist“ (Website SicherheitsForum). „Die Leser aus der Schweiz und dem grenznahen Ausland erhalten wichtige Informationen zu organisatorischen und technischen Sicherheitsthemen: Sicherheitsmanagement, Riskmanagement, Videoüberwachung, Brandschutz, Einbruchschutz, Diebstahlschutz, Zutrittskontrolle, Biometrie, Business Continuity, Notfall­ und Krisenmanagement, Informationssicherheit und viele weitere.“ (Website SicherheitsForum) Das PDF kann mit freundlicher Genehmigung des Verlags hier heruntergeladen werden.

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Abb.: Ein Sicherheitsroboter in Aktion