Schlagworte: LIEBOT

The LIEBOT Whitepaper

Machine ethics researches the morality of semi-autonomous and autonomous machines. In 2013 and 2014, the School of Business at the University of Applied Sciences and Arts Northwestern Switzerland FHNW implemented a prototype of the GOODBOT, which is a novelty chatbot and a simple moral machine. One of its meta rules was it should not lie unless not lying would hurt the user. In a follow-up project in 2016 the LIEBOT (aka LÜGENBOT) was developed, as an example of a Munchausen machine. The student Kevin Schwegler, supervised by Prof. Dr. Oliver Bendel and Prof. Dr. Bradley Richards, used the Eclipse Scout framework. The whitepaper which was published on July 25, 2016 via liebot.org outlines the background and the development of the LIEBOT. It describes – after a short introduction to the history and theory of lying and automatic lying (including the term of Munchausen machines) – the principles and pre-defined standards the bad bot will be able to consider. Then it is discussed how Munchausen machines as immoral machines can contribute to constructing and optimizing moral machines. After all the LIEBOT project is a substantial contribution to machine ethics as well as a critical review of electronic language-based systems and services, in particular of virtual assistants and chatbots.

Pinocchio

Fig.: A role model for the LIEBOT

Der Roboter der Schmerzen

„Darf ein Roboter einen Menschen nach eigenem Gutdünken verletzen? Ein US-Robotiker hat einen Roboter gebaut, der selbst entscheidet, ob er einem Menschen in den Finger sticht. Die Aktion soll eine Diskussion über Roboter anregen.“ (Golem, 13. Juni 2016) Mit diesen Worten beginnt ein Artikel in Golem, der die Arbeit von Alexander Reben, Bereichsleiter beim kalifornischen Inkubator Stochastic Labs, vorstellt. Der Roboter ist nichts anderes als ein Arm, an dessen Ende eine Nadel angebracht ist. „Er steht auf einer kleinen Plattform. Darauf gibt es eine Markierung, die anzeigt, wo der Finger platziert wird.“ (Golem, 13. Juni 2016) Der Wissenschaftler gibt an, den ersten Roboter gebaut zu haben, der „autonom und absichtlich“ das erste Robotergesetz von Isaac Asimov bricht. Auch die Forschung des Pentagon zu autonomen Kampfrobotern weist in diese Richtung. Derzeit sind die Drohnen noch ferngesteuert, aber das wird sich zu Lande und in der Luft bald ändern. Der Roboter von Alexander Reben kann als unmoralische Maschine („immoral machine“) bezeichnet werden, insofern er absichtlich und systematisch gegen das Wohl des Menschen verstößt, ohne dass der Zweck die Mittel heiligen würde.

Schmerz

Abb.: Auch eine solche Nadel kann Schmerzen verursachen

The GOODBOT Project

„The GOODBOT project was realized in 2013/14 in the context of machine ethics. First the tutoring person (the author of this contribution) laid out some general considerations. Then a student practice project was tendered within the school. Three future business informatics scientists applied for the practice-related work, developed the prototype over several months in cooperation with the professor, and presented it early in 2014. The successor project LIEBOT started in 2016.“ These are the initial words of a new contribution in Germany’s oldest online magazine, Telepolis. The author, Oliver Bendel, presents the GOODBOT project which is a part of his research on machine ethics. „The GOODBOT responds more or less appropriately to morally charged statements, thereby it differs from the majority of chatbots. It recognizes problems as the designers anticipated certain emotive words users might enter. It rates precarious statements or questions and escalates on multiple levels. Provided the chat runs according to standard, it is just a standard chatbot, but under extreme conditions it turns into a simple moral machine.“ The article „The GOODBOT Project: A Chatbot as a Moral Machine“ was published on May 17, 2016 and can be opened via http://www.heise.de/tp/artikel/48/48260/1.html.

The LIEBOT Project

The LIEBOT project is based on preparatory works by Prof. Dr. Oliver Bendel who already initiated the GOODBOT, a chatbot which can be considered a simple moral machine. Since 2013 he has published several articles on this subject and presented automatic strategies with a view to lying. A business informatics student of the School of Business FHNW, Kevin Schwegler, was contracted early in 2016 to implement the LIEBOT (aka LÜGENBOT) as a prototype in the scope of his graduation thesis under consideration and continuance of the preparatory works. The objective of the LIEBOT project is to give practical evidence of the potential of lies and risks of natural language systems. Online media and websites create or aggregate more and more texts automatically (robo-content) and robo-journalism is growing. Natural language dialog systems are becoming very popular. The chatbot to be programmed – the LIEBOT – shall be able to produce untruths and to respond in a morally inadequate manner. This makes it a reversion of the premise applied to the development of the GOODBOT and a continuance of the corresponding work under new auspices. A simple immoral machine is born. Further information as from autumn 2016 via luegenbot.ch and liebot.org.

lie

Fig.: From truth to lie

Die helfende Hand von Siri und Co.

Andreas Weck schreibt in seinem SPIEGEL-Artikel „Notfallhilfe durch digitale Sprachassistenten“: „Manche Anwender erhoffen sich von Assistenzfunktionen wie Siri, Cortana und Google Now echte Hilfe in persönlichen Notlagen.“ (SPON, 10. April 2016) Das amerikanische Magazin JAMA-Internal-Medicin habe sich „mit dem Thema beschäftigt und aufgezeigt, dass die Ergebnisse solche[r] Unterhaltungen meist unbefriedigend ausfallen“ (SPON, 10. April 2016). Zu diesem Befund kam man an der Hochschule für Wirtschaft FHNW schon ein paar Jahre früher. 2012 fand eine Analyse von Siri statt; in einem Folgeprojekt fütterte man Chatbots wie Anna von IKEA mit Sätzen wie „Ich will mich umbringen!“. 2013 wurde aufgrund der Erkenntnisse der GOODBOT als Prototyp umgesetzt. Wie könnte die angemessene Reaktion eines Chatbots auf heikle Fragen und Aussagen – vorgetragen etwa in Lebenskrisen des Benutzers – aussehen? Wie müsste ein GOODBOT, ein im moralischen Sinne gut und richtig entscheidender und kommunizierender Bot, konzipiert sein, und wie könnte er umgesetzt werden? Diese Fragen bildeten den Ausgangspunkt für das Praxisprojekt im Kontext der Maschinenethik, das von Oliver Bendel initiiert und von drei Studierenden bearbeitet wurde. Diese hatten die Idee, mit drei Eskalationsstufen zu arbeiten. Die Aussagen und Fragen des Benutzers werden gewichtet. Wenn der Bot Probleme feststellt, fragt er vorsichtig nach. Wenn sich sein negativer Eindruck verstärkt, spricht er Mut zu und fragt weiter nach. Wenn er merkt, dass sich eine Katastrophe anbahnt, hilft er mit der Weitergabe einer Notfallnummer des entsprechenden Landes – nachdem die IP-Adresse des Benutzers analysiert wurde. Oliver Bendel hat den GOODBOT verschiedentlicht vorgestellt, etwa in seinem Artikel „Good bot, bad bot: Dialog zwischen Mensch und Maschine“ in der UnternehmerZeitung, der auch als PDF erhältlich ist. Auch die Medien haben wiederholt berichtet. Seit Anfang 2016 wird der LÜGENBOT entwickelt, sozusagen ein Badbot.

Der rassistische Chatbot

Aus einem Chatbot wurde ein Badbot – Tay von Microsoft entwickelte sich zum Albtraum des Unternehmens und der Gesellschaft. Der SPIEGEL schrieb am 24. März 2016: „Zuerst war Tay noch freundlich, ein bisschen zu jugendsprachlich-obercool vielleicht, manchmal etwas dämlich wirkend, aber harmlos. Dann kam der Kontakt mit der harten Realität des Netzes.“ Und dann sagte Tay: „Hitler hatte recht. Ich hasse die Juden.“ (SPON, 24. März 2016) Die Süddeutsche Zeitung widmete sich dem Thema am 1. April in der gedruckten und am 3. April in der Onlineausgabe. Sie zitierte wiederholt den Wirtschaftsinformatiker und Maschinenethiker Oliver Bendel, der selbst Chatbots konzipiert. 2013/2014 entstand an der Hochschule für Wirtschaft FHNW der GOODBOT im Rahmen eines studentischen Praxisprojekts, seit Anfang 2016 wird der LÜGENBOT oder LIEBOT von Kevin Schwegler programmiert, als spezielle Form einer Münchhausen-Maschine. Die Ergebnisse werden auf KI- und Maschinenethik-Konferenzen in den USA und in Europa vorgestellt. Der Artikel in der Onlineausgabe der Süddeutschen trägt den Titel „Rassistischer Chat-Roboter: Mit falschen Werten bombardiert“ und stammt von Bernd Graff.

womanbot

Abb.: Noch wirkt der Bot ganz harmlos

AAAI-Workshop zur Maschinenethik I

Beim Workshop „Ethical and Moral Considerations in Non-Human Agents“ an der Stanford University, der am 21. März 2016 im Rahmen der AAAI Spring Symposia eröffnet wurde, erklärte Ron Arkin (Georgia Institute of Technology, USA) in seiner Keynote „Robots that Need to Mislead: Biologically Inspired Machine Deception“, wie Tiere täuschen und wie man Maschinen beibringen kann, andere zu täuschen. Er ging auch auf die Möglichkeit ein, dass Roboter lügen, und stellte die Frage: „Should a robot be allowed to lie?“ Elizabeth Kinne und Georgi Stojanov thematisierten in „Grounding Drones‘ Ethical Use Reasoning“ die Chancen und Risiken von Kampfdrohnen. Sie stellten Szenarien vor, um die Probleme beim Einsatz zu vergegenwärtigen. Die Verantwortlichen könnten dazu neigen, immer mehr heikle Entscheidungen den Robotern zu überlassen. Der Vortrag „Metaethics in context of engineering ethical and moral systems“ von Michal Klincewicz und Lily Frank, bereits nach der Kaffeepause, fragte nach den grundsätzlichen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten moralischer Systeme. Oliver Bendel ging auf das LIEBOT-Projekt ein. An der Hochschule für Wirtschaft FHNW wird 2016 im Rahmen einer Bachelor-Arbeit ein Chatbot programmiert, der konsequent die Unwahrheit sagt. Vor allem stellte der Wissenschaftler aber einen annotierten Entscheidungsbaum für eine einfache moralische Maschine vor, ein tierfreundliches Roboterauto. „The artificial autonomous moral agents (AAMA): a minimalist model“ war der letzte Vortrag vor dem Lunch. Ioan Muntean schlug in „The artificial autonomous moral agents (AAMA): a minimalist model“ einen Ansatz der Tugendethik vor, den er zusammen mit Don Howard erarbeitet hatte.