Schlagworte: Maschinenethik

Affäre mit einem Roboter

Omer Kabir von der israelischen Tageszeitung Calcalist hat im Februar 2017 ein Interview mit Oliver Bendel geführt, das am 16. August 2017 erschienen ist. Es geht um Künstliche Intelligenz, Robotik und Maschinenethik. Zu einer Frage führte Oliver Bendel aus: „I would like to distinguish between simple and complex moral machines. While simple moral machines are useful and valuable in many contexts, e.g., in order to protect animals in the household, in the parkway or in the wilderness, complex moral machines can be dangerous, on the battle field as well as in road traffic. I am against autonomous weapons and autonomous cars which decide between life and death of human beings. I prefer simple machines which follow simple rules in our absence, simple machines that are our representatives, not least in a moral sense.“ Auf eine andere gab er die Antwort: „Industrial and service robots as well as agents and chatbots will support and replace us, doing some things better than their human competitors. They may be more precise, faster and cheaper. The machines can used for automatic operation round the clock. We may experience initial discomfort and pressure. After some discussions and perhaps revolutions, we could head for adequate economic, political and legal conditions. Perhaps there will be an unconditional basic income for all citizens, and I must admit that I sympathise with this idea. Other experts also propose a machinery tax or a quota of robots, but I am rather sceptical about such restrictions. I like the discussions about them more than themselves.“ Der Artikel mit dem Titel „Affäre mit einem Roboter“ kann hier als PDF heruntergeladen oder über www.calcalist.co.il/internet/articles/0,7340,L-3719292,00.html aufgerufen werden.

Abb.: Affäre mit einem Roboter (Foto: Calcalist/Kai R. Joachim)

Neue Spione in den Straßen, auf den Plätzen

Bei interaktivem Digital Signage stellen sich Plakate, Schilder, Tafeln, Terminals und Säulen in Läden oder an Straßen und auf Plätzen auf ihren digitalen Bildschirmen automatisch auf Anwesende ein und interagieren und kommunizieren mit diesen in visueller oder auditiver Weise. Es wird also nicht einfach etwas dargestellt, sondern das, was dargestellt wird, hängt vom Betrachter oder vom Umfeld ab. Der hauptsächliche Zweck ist neben der Informierung (auch im Sinne von Beratung) die Werbung, die hauptsächliche Umsetzungsart die interaktive Werbefläche. Der Beitrag „Neue Spione in den Straßen, auf den Plätzen und in den Läden: Interaktive Werbeflächen aus ethischer Sicht“ von Oliver Bendel, erschienen bei Telepolis am 15. August 2017, untersucht das Phänomen digitaler Werbeflächen aus ethischer Sicht. Erstens wird der Begriff des Digital Signage erklärt, unter den der Begriff der interaktiven Werbeflächen subsumiert wird. Typisch für diese sind – abgesehen von den digitalen Bildschirmen – Kameras, Mikrofone, Lautsprecher, Muster-, Bild- und Gesichtserkennung. Zweitens werden Überlegungen aus Sicht von Informations-, Technik- und Wirtschaftsethik und darüber hinaus, etwa im Sinne des Verbraucherschutzes, angestellt. Auch die Maschinenethik wird berücksichtigt. Der Beitrag kann über www.heise.de/tp/features/Neue-Spione-in-den-Strassen-auf-den-Plaetzen-und-in-den-Laeden-3797118.html abgerufen werden.

Abb.: Die Hauptstadt des Digital Signage

In der Fabrik von morgen

In der Edition HMD von Springer ist am 26. Juli 2017 das Buch „Industrie 4.0: Herausforderungen, Konzepte und Praxisbeispiele“ erschienen. Herausgeber ist Prof. Dr. Stefan Reinheimer, zu den Autoren gehören Prof. Dr. Oliver Bendel, Prof. Dr. Elgar Fleisch, Prof. Dr. Felix Wortmann und Prof. Dr. Stefan Strohmeier. Aus dem Klappentext: „Das Fachbuch greift das Konzept Industrie 4.0 – Ausdruck der vierten industriellen Revolution – mit seinen Chancen und Risiken für produzierende Unternehmen auf. Das Herausgeberwerk bringt das Thema durch anschauliche Beispiele aus der Praxis näher und zeigt die Visionen auf, mit denen sich nicht nur die akademische Welt bereits auseinandersetzt. Die Autoren der Beiträge thematisieren einerseits Kernthemen der Digitalisierung und beleuchten andererseits nicht zu vernachlässigende Begleiterscheinungen: In der Fabrik von morgen wachsen reale und virtuelle Welt zusammen. Schlagworte wie Internet der Dinge und Cyber-Physische Systeme (CPS) wurden bereits geprägt, um diese Verschmelzung anzudeuten. Industrie 4.0 verspricht neue Optionen für die Flexibilisierung und weitergehende Automatisierung der Fertigung. Sie schafft die Grundlage für neue Geschäftsmodelle, erfordert aber auch ein Umdenken in der Interaktion zwischen Mensch und Maschine.“ (Information Springer) Auch Informationsethik und Maschinenethik sind ein Thema. Weitere Informationen über www.springer.com/de/book/9783658181642#aboutBook.

Abb.: Kollege Roboter erscheint pünktlich bei der Arbeit

KI in der NG

Der Beitrag zur Künstlichen Intelligenz in der Zeitschrift National Geographic (7/2017) ist nun als PDF verfügbar und kann hier heruntergeladen werden. Auf 14 Seiten widmet man sich der Arbeit von Oliver Bendel. Der Informations- und Maschinenethiker stand dem Chefredakteur Florian Gless und der Redakteurin Ines Bellinger Rede und Antwort, die von Hamburg in die Schweiz gereist waren. Zudem gibt es eine Graphic Novel zu aktuellen Entwicklungen und den entsprechenden Überlegungen von Oliver Bendel. Ein Glossar zur KI rundet den Beitrag ab. Die Fotos stammen von Elias Hassos, der u.a. Hans Magnus Enzensberger und Martin Walser porträtiert und auf dem FHNW-Campus Brugg-Windisch fotografiert hat. „Wir können in der Hängematte liegen“ – so lautet die Überschrift des Beitrags. Oliver Bendel ist der Meinung, dass uns Roboter unterstützen und entlasten können. Dass Menschen die besten Jahre des Lebens und die besten Stunden des Tages einem Unternehmen schenken, das ihnen womöglich nicht einmal sympathisch ist, hält er für eine Ideologie, die man hinterfragen kann. Vielleicht reichen vier Stunden am Tag für den Lebensunterhalt, wenn ein Grundeinkommen dazukommt. Denn die Gewinne werden weiter erzielt, mit Hilfe von Robotik und KI auch ohne die Arbeiter und Angestellten. Sie müssen nur gerecht verteilt werden. Weitere Informationen über www.nationalgeographic.de.

Abb.: KI in der NG

Mobile Spione

Petra Grimm und Tobias Keber von der Hochschule der Medien haben internationale Experten zu einem Experten-Round-Table zum Thema „Privacy by Design im automatisierten Autofahren“ an die Hochschule der Medien in Stuttgart eingeladen. Nach Angaben von Susanne Kuhnert entstand die Idee zu dem interdisziplinären Austausch zum Themenbereich „Datenschutz und Datensicherheit im automatisierten und autonomen Autofahren“ im Rahmen der Mitarbeit im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt KoFFI. „KoFFI“ stehe, so das Einladungsschreiben, „für eine kooperative Fahrer-Fahrzeug-Interaktion und erforscht und erarbeitet ein multimodales Interaktionstool, welches im automatisierten Fahrzeug der Zukunft zum Einsatz kommen soll“. Weitere Informationen dazu über www.digitale-ethik.de/forschung/forschungsprojekte/koffi/. Am 27. Juli 2017 diskutierten Expertinnen und Experten wie Rafael Capurro und Oliver Bendel zum Thema. Im Anschluss entstanden Videos mit zentralen Statements, produziert von Studierenden der Hochschule. Diese werden in einigen Tagen online gestellt.

Die Maschine als Rechtssubjekt

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge schwelgen die Macher des Festivals science+fiction, wie sie in einer Nachricht vom 24. Juli 2017 verkündeten, „in Erinnerungen an das vergangene Festival und blicken gleichzeitig voller Tatendrang auf die Ausgabe 2018“. Über scienceandfiction.ch/festival/videos-2017/ kann man sich die Videos der einzelnen Events ansehen, die im Sommercasino Basel vom 5. bis 7. Mai 2017 stattfanden. Am 6. Mai ging es um Roboterrecht und Maschinenethik. Beim Panel „Maschinen und das Gesetz“ wurde gefragt, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit eine Maschine zum Rechtssubjekt wird, ob es in naher Zukunft eines Maschinenrechts bedarf, oder ob sich Maschinen in unsere Rechtsprechung einfügen müssen, und welche Folgen sich ergeben, wenn in einer Mensch-Maschine-Interaktion etwas schief geht. Es moderierte Christoph Keller von SRF 2 Kultur, es diskutierten Wolfram Burgard (Professor für Autonomous Intelligent Systems, Universität Freiburg), Nadine Zurkinden (Postdoc für Strafrecht, Universität Basel) und Oliver Bendel (Professor für Wirtschaftsinformatik und Informationsethik, Hochschule für Wirtschaft FHNW). Die nächste Ausgabe des Festivals findet vom 4. bis 6. Mai 2018 in Basel statt.

Abb.: Kann eine Maschine ein Rechtssubjekt sein?

Feedback zu „Ethically Aligned Design“

Die IEEE Global Initiative hat im Juli 2017 weitere Ergebnisse und Dokumente vorgelegt. So hat man nun Zugang zum Feedback, das Experten wie Amitai Etzioni, Yanqing Hong und Oliver Bendel zu „Ethically Aligned Design, Version 1“ gegeben haben. Es heißt dazu auf der Website: „The feedback in this document was submitted as part of an open Request for Information (RFI) process regarding the document created by The IEEE Global Initiative for Ethical Considerations in Artificial Intelligence and Autonomous Systems (‚The IEEE Global Initiative‘) titled, ‚Ethically Aligned Design: A Vision for Prioritizing Human Wellbeing with Artificial Intelligence and Autonomous Systems‘. As stated in the submission guidelines for our RFI process, all contributions have been posted exactly as they were received. The only modification to submissions was to standardize the font and spacing in the following document for ease of readability. Committees working to update Version 2 of Ethically Aligned Design are currently in the process of reviewing all feedback received to help inform their updated section drafts.“ (Website IEEE) Weitere Informationen über standards.ieee.org/develop/indconn/ec/autonomous_systems.html.

Abb.: Wie unterstützen und beschränken wir die Entwicklungen in der KI?

Sex mit Maschinen

„Sex mit Maschinen“ – so der Titel eines Beitrags auf SWR2 vom 19. Juli 2017 zu Sexrobotern und Robotersex. „Revolutionieren Roboter das Liebesleben?“ – dies fragt der Untertitel. Im Beitrag geben u.a. Petra Grimm von der Hochschule der Medien in Stuttgart und Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW die Antworten. Petra Grimm erwähnt Galatea als frühe Liebesmaschine: „Wenn Sie an den Pygmalion-Mythos denken, weil er Verdruss über die Frauen hatte, die es dort gab, sich selbst so eine Elfenbeinfigur schuf, und die wurde dann lebendig und gebar ihm einen Sohn. Aus allen verschiedenen Kulturen haben wir dieses Phänomen, aus Materie sich einen Partner, meistens eine Partnerin zu schaffen.“ Und auch Oliver Bendel verweist auf eine lange Tradition: „… dass Menschen Emotionen zu Maschinen entwickeln, das ist klar, das passiert auch schon lange, wir haben auch ein enges emotionales Verhältnis zu unserem Auto“. Wir können unser Auto lieben, wir können auch Sexroboter lieben, auf noch eindrücklichere Weise, aber wir bekommen, was die Gefühle anbetrifft, nichts von ihnen zurück. Maschinen sind und bleiben Maschinen.

Virtuelle Realität und maschinelle Moral

Seit ca. zehn Jahren werden moralische Maschinen intensiv erforscht. Auch autonome Autos waren früh im Fokus der zuständigen Disziplin, der Maschinenethik. 2012 wurde unter der Betreuung von Oliver Bendel eine Formel entwickelt, mit deren Hilfe autonome Autos in theoretischen Dilemmasituationen qualifizieren und quantifizieren können (Möglichkeiten, die er auf der TA-Konferenz in Prag Anfang 2013 kritisch diskutiert hat), später kamen Mittel wie annotierte Entscheidungsbäume hinzu. Forscher der Universität Osnabrück haben nun einen weiteren Ansatz vorgelegt, der autonome Autos als selbstlernende Systeme vorsieht. Josephine Lütke vom NDR fasst die Studie „Using Virtual Reality to Assess Ethical Decisions in Road Traffic Scenarios“ wie folgt zusammen: „Die Forscher haben eine Autofahrt auf einer Straße in der virtuellen Realität simuliert. Etwas mehr als 100 Probanden setzten sich eine spezielle Brille auf, die ihnen das Gefühl gab, tatsächlich Auto zu fahren.“ (Website NDR, 5. Juli 2017) Sie mussten nun – dies erinnert an die Moral Machine des MIT – in Dilemmasituationen entscheiden. „Mit diesen Ergebnissen der Versuche fütterten die Wissenschaftler dann einen Computer. Allerdings bekam die Maschine nicht alle Informationen. Etwa zehn Prozent der moralischen Entscheidungen, die die Menschen getroffen hatten, enthielten die Forscher der Maschine vor. Stattdessen musste der Computer die Versuche selbst machen. Und: Er hatte gelernt und entschied auch in den Fällen, die er noch nicht kannte, fast immer so, wie es auch die Menschen in den Versuchen gemacht hatten.“ (Website NDR, 5. Juli 2017) Weitere Informationen über www.ndr.de und journal.frontiersin.org.

Abb.: Virtuelle Realität und maschinelle Moral

Wer gibt, wer nimmt uns Lebenszeit?

Die Juli-Ausgabe der Zeitschrift National Geographic bringt den ersten Teil einer dreiteiligen Serie zur Künstlichen Intelligenz. Auf 14 Seiten widmet man sich der Arbeit von Oliver Bendel. Der Informations- und Maschinenethiker lebt und arbeitet in der Schweiz. Er stand dem Chefredakteur Florian Gless und der Redakteurin Ines Bellinger Rede und Antwort. Zudem gibt es eine Graphic Novel zu aktuellen Entwicklungen und den entsprechenden Überlegungen von Oliver Bendel. Ein Glossar zur KI rundet den Beitrag ab. Die Fotos stammen von Elias Hassos, der u.a. Hans Magnus Enzensberger und Martin Walser porträtiert hat. „Wir können in der Hängematte liegen“ – so lautet die Überschrift des Beitrags. Oliver Bendel ist der Meinung, dass uns Roboter unterstützen und entlasten können. Dass Menschen die besten Jahre des Lebens und die besten Stunden des Tages einem Unternehmen schenken, das ihnen womöglich nicht einmal sympathisch ist, hält er für eine Ideologie, die man hinterfragen kann. Vielleicht reichen vier Stunden am Tag für den Lebensunterhalt, wenn ein Grundeinkommen dazukommt. Denn die Gewinne werden weiter erzielt, mit Hilfe von Robotik und Künstlicher Intelligenz auch ohne die Arbeiter und Angestellten. Sie müssen nur gerecht verteilt werden. Weitere Informationen über www.nationalgeographic.de.

Abb.: Wer gibt, wer nimmt uns Lebenszeit?