Schlagworte: Maschinenethik

Gegen das Moralisieren

Über moralische und unmoralische Maschinen diskutierte Christoph Kucklick, Chefredakteur von GEO, mit Oliver Bendel, Maschinenethiker und Informationsethiker am 14. November 2017 im KörberForum in Hamburg. „Selbstfahrende Autos, Pflegeroboter, smarte Helfer: In unserem Alltag treffen wir auf immer klügere Maschinen. Über ein Bewusstsein oder eigenen Willen verfügen sie zwar nicht, dennoch nehmen sie uns immer mehr Entscheidungen ab. Das wirft auch moralische Fragen auf. Soll das Auto in einem Unfall eher die Insassen schonen oder die Fußgänger am Straßenrand? Darf ein Roboter lebenserhaltende Maschinen abschalten, wenn der Patient das wünscht?“ So die Ankündigung der Körber-Stiftung auf www.koerber-stiftung.de. Der Saal war voll besetzt, das Gespräch intensiv. Es dauerte zwei Stunden, und danach war Raum für zahlreiche Fragen aus dem Publikum. Oliver Bendel stellte klar, dass er als Ethiker kein Interesse am Moralisieren hat (nur am „Moralisieren“ von Maschinen), sondern an dem, was das Gute und das Böse ausmacht. Er entwickelt im Labor sowohl moralische als auch unmoralische Maschinen, sozusagen Artefakte der Maschinenethik, die er dann erforscht.

Robotik und Gesundheit

Bei einer Abendveranstaltung der Organisation der Arbeitswelt (OdA) Gesundheit Bern referierte am 8. November 2017 Prof. Dr. Oliver Bendel zu Operations-, Therapie- und Pflegerobotern. Dabei nahm er sowohl die Perspektive der Informationsethik als auch der Maschinenethik ein. Aus der Maschinenethik heraus fragte er: Soll der Pflegeroboter deutlich machen, dass er nur eine Maschine ist? Muss er die Bedürfnisse und Parameter der Patienten berücksichtigen? Wie soll er auf Verunsicherung und Angst reagieren? Wie soll er sich bei Dilemmata verhalten, etwa wenn mehrere Personen gepflegt werden sollen? Wie soll er reagieren, wenn der Patient will, dass er ihn tötet? Am Ende fasste er zusammen: „Zum Teil stellen sich zu Operations-, Therapie- und Pflegerobotern aus den Bereichsethiken heraus ähnliche Fragen, etwa nach der Verantwortung, zum Teil auch unterschiedliche Fragen. Weitere Fragen kann man aus der Maschinenethik heraus aufwerfen. Sie beziehen sich darauf, welche moralischen Fähigkeiten man den Maschinen mitgeben soll.“ Weitere Informationen finden sich hier.

Abb.: Werden Pfleger und Ärzte unterstützt oder verdrängt?

Artificial Intelligence & Robotics

Die Handelsblatt-Jahrestagung „Strategisches IT-Management“ findet vom 15. bis 17. Januar 2018 in München statt. Die erste Keynote hält Dr. Helmuth Ludwig (Global Head of Information Technology, SIEMENS AG) zum Thema „Digitalisierung verändert alles“. „Geschäftsmodelle und ganze Branchen wandeln sich exponentiell. Das Fahrwasser für die IT-Organisation ist stürmisch.“ (Website Handelsblatt-Tagung) Das Grußwort stammt von Dr. Markus Söder, MdL, Bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat. Referenten im Themenbereich „Artificial Intelligence & Robotics“ sind u.a. Prof. Dr. oec. HSG Oliver Bendel (Professor für Wirtschaftsinformatik, Informationsethik und Maschinenethik, Hochschule für Wirtschaft FHNW), Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf (Leiter der Forschungsstelle RobotRecht, Julius-Maximilians-Universität Würzburg), Dr. Martin Hofmann (Group CIO, Volkswagen AG) und Prof. Dr.-Ing. habil. Alois C. Knoll (Lehrstuhlinhaber für Echtzeitsysteme und Robotik, Technische Universität München). Weitere Informationen über veranstaltungen.handelsblatt.com/it-jahrestagung/.

Abb.: KI in München

Das SmartShuttle auf dem Podium

PostAuto verfolgt mit dem SmartShuttle, das seit 2016 fahrerlos in Sion unterwegs ist, eher einen Google- als einen Tesla-Ansatz. Die Strecken werden mit Hilfe von Lidar und 3D-Lidarkarten abgefahren. Auch über Kameras verfügt das SmartShuttle. Auf dem Podium sitzen beim Movimento 2017 Prof. Dr. Oliver Bendel (Professor für Wirtschaftsinformatik, Informationsethik und Maschinenethik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW), Tim Cole (Autor, Blogger und Redner) und Prof. Dr. Roland Siegwart (Professor für Autonome Systeme an der ETH Zürich). Die Moderation obliegt Urs Bloch (Mediensprecher bei PostAuto Schweiz, vormals Redaktor bei der NZZ). Auf der Website www.postauto.ch/de/movimento sind folgende Informationen zu finden: „Überraschend, informativ, vernetzend: Am 30. November 2017 wird Ihnen das Movimento von PostAuto von 09.00 bis 14.30 Uhr neue Impulse geben und Sie gut unterhalten.“ Die Gäste aus der Mobilitätsbranche der ganzen Schweiz können sich im Berner Westside angeregt austauschen. „Sei dies über die Mobilität oder über andere Themen, sei dies bei Kaffee und Gipfeli oder beim Lunch.“ (Website PostAuto)

Digital Europe Working Group Conference

The Digital Europe Working Group Conference Robotics will take place on 8 November 2017 at the European Parliament in Brussels. The keynote address will be given by Mariya Gabriel, European Commissioner for Digital Society and Economy. The speakers of the first panel are Oliver Bendel (Professor of Information Systems, Information Ethics and Machine Ethics at the School of Business FHNW, via video conference), Anna Byhovskaya (policy and communications advisor, Trade Union Advisory Council of the OECD) and Malcolm James (Senior Lecturer in Accounting & Taxation, Cardiff Metropolitan University). The third panel will be moderated by Mady Delvaux (Member of the European Parliament). Speaker is Giovanni Sartor (Professor of Legal Informatics and Legal Theory at the European University Institute). The poster can be downloaded here. Further information is available at www.socialistsanddemocrats.eu/events/sd-group-digital-europe-working-group-robotics.

Abb.: Das Atomium in Brüssel

Maschinenethik im Cyber Security Report

„Die Informationsethik ist seit Jahrzehnten auf der ganzen Welt präsent und doch eine kleine Disziplin geblieben. Vor einiger Zeit ist eine neue Disziplin entstanden, die Maschinenethik. In ihr werden Systeme sowohl diskutiert als auch implementiert. Sie stößt auf reges Interesse in Wirtschaft und Gesellschaft.“ So beginnt der Artikel „Die Maschine in der Moral“ von Oliver Bendel, der im Oktober im Cyber Security Report 2017 erschienen ist. Informationsethik wird wie folgt erläutert: „Sie hat die Moral derjenigen zum Gegenstand, die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und neue Medien anbieten und nutzen.“ Zur Maschinenethik schreibt Oliver Bendel: „Der Begriff der maschinellen Moral wird meist ähnlich verwendet wie der Begriff der künstlichen Intelligenz; während jene eben der Gegenstand der Maschinenethik ist, ist diese der Gegenstand der Künstlichen Intelligenz (KI) als Disziplin.“ Sodann wird das automatisierte Fahren aus der Perspektive von Informations- und Maschinenethik betrachtet. Zur Informationsethik heißt es am Ende: „Schlussendlich kann sie deutlich machen, dass die Maschinenethik nicht grenzenlos tätig sein sollte. Zuviel maschinelle Moral kann schaden. Zuviel künstliche Intelligenz übrigens auch.“ Der Beitrag kann hier heruntergeladen werden. Weitere Informationen über www.mittler-report-shop.de/product_info.php?products_id=445.

3TH1CS – Die Ethik der digitalen Zeit

Das Buch „3TH1CS – Die Ethik der digitalen Zeit“ ist am 25. Oktober 2017 erschienen. Der Herausgeber schreibt auf seiner Website: „Der digitale Wandel erfasst immer mehr Bereiche unseres Lebens und wirft dadurch viele neue ethische Fragestellungen auf. Mit dem Buch ‚3TH1CS‘ erforschen wir in konkreten Beiträgen, wo sich diese Fragen genau stellen und wie wir als Gesellschaft mit ihnen umgehen können oder sogar sollten. Die insgesamt 20 Beiträge stammen von ausgewählten Expertinnen und Experten, die zu den führenden Denkern in Europa, Asien und Amerika gehören. Sie beleuchten die Bereiche, in denen der digitale Wandel eine Herausforderung für bestehende moralische Konventionen darstellt oder sogar ein Umdenken erfordert. ‚3TH1CS‘ gibt einen Überblick über die wichtigsten ethischen Fragen unserer Zeit, jeweils aus der Perspektive namhafter Wissenschaftlerinnen, Denker und Philosophinnen. Sie lassen uns an ihren Erkenntnissen und Gedanken zur Ethik im digitalen Zeitalter teilhaben und präsentieren auf verständliche Art Ideen, Einschätzungen und Vorschläge, die zum Mitdiskutieren einladen.“ Die Beiträge stammen u.a. von Luciano Floridi, Oliver Bendel, Susan Leigh Anderson und Michael Anderson, Jean-Baptiste Jeangène Vilmer und Hu Yong. Interviews wurden geführt mit Rafael Capurro und Kate Darling. Weitere Informationen über irights-lab.de/neuerscheinung-3th1cs-die-ethik-der-digitalen-zeit/.

Abb.: Auch bei Smartphones stellen sich Fragen

Digital mündig: Moralische Maschinen

„Selbstfahrende Autos, Pflegeroboter, smarte Helfer: In unserem Alltag treffen wir auf immer klügere Maschinen. Über ein Bewusstsein oder eigenen Willen verfügen sie zwar nicht, dennoch nehmen sie uns immer mehr Entscheidungen ab. Das wirft auch moralische Fragen auf. Soll das Auto in einem Unfall eher die Insassen schonen oder die Fußgänger am Straßenrand? Darf ein Roboter lebenserhaltende Maschinen abschalten, wenn der Patient das wünscht? Welche Chancen sich bieten und wo wir Grenzen setzen sollten, bespricht Christoph Kucklick, GEO, mit dem Wirtschaftsinformatiker und Maschinenethiker Oliver Bendel.“ So die Ankündigung der Körber-Stiftung auf www.koerber-stiftung.de. „1959 vom Unternehmer und Anstifter Kurt A. Körber ins Leben gerufen, ist die Körber-Stiftung heute mit eigenen Projekten, Kooperationen und Veranstaltungen national und international aktiv.“ (Website Körber-Stiftung) Das Gespräch im Rahmen der Reihe „Digital mündig“ mit dem Titel „Moralische Maschinen“ findet am Dienstag, 14. November 2017 um 19.00 Uhr im KörberForum in Hamburg statt. Weitere Informationen über www.koerber-stiftung.de/veranstaltungsuebersicht/digital-muendig-moralische-maschinen-2248.html.

Abb.: Ein alter Ford aus Hamburg

Moralische Maschinen, die Tiere retten

Aleksandra Sowa leitete – so die Beschreibung in The European – „zusammen mit dem deutschen Kryptologen Hans Dobbertin das Horst-Görtz-Institut für Sicherheit in der Informationstechnik“. „Sie ist Autorin diverser Bücher und Fachpublikationen, Mitglied des legendären Virtuellen Ortsvereins (VOV) der SPD und aktuell für einen Telekommunikationskonzern tätig.“ (The European) Im Oktober 2017 war sie im Austausch mit Oliver Bendel. Der Informations- und Maschinenethiker nahm wie folgt Stellung: „Ich bin dafür, bestimmte Maschinen zu ‚moralisieren‘, und zwar solche, die in übersichtlichen Umgebungen und Situationen in unserem Sinne handeln sollen. Der Saugroboter, der Marienkäfer verschont, der Chatbot, der rücksichtsvoll ist und eine Notfallnummer herausgibt. Diese Maschinen haben wir gebaut. Ich bin nicht dafür, solche Maschinen mit einer Form von Moral auszustatten, die in komplexen Umgebungen und Situationen entscheiden müssen. So halte ich wenig davon, dass autonome Autos über Menschenleben entscheiden. Über Tierleben können sie entscheiden, sie können quantifizieren und qualifizieren. Wenn dadurch Tiere gerettet werden können, ohne dass Menschen in Gefahr kommen, bin ich dafür.“ Der Beitrag „Die Antwort lautet nicht 42“ von Aleksandra Sowa, erschienen am 11. Oktober 2017, enthält Statements von Oliver Bendel, gewonnen aus dem genannten Austausch und aus seinen Veröffentlichungen.

Abb.: Auch Schildkröten kann man retten

Kriegsmaschinen

„Kampfroboter, auch als Militärroboter bekannt, sind ferngesteuerte oder aber teilautonome bzw. autonome Maschinen, die in kriegerischen Auseinandersetzungen der Ablenkung in Bezug auf Ressourcen, der Auskundschaftung von Stützpunkten sowie der Beobachtung und der Beseitigung von Gefahren und Gegnern dienen. Wenn sie Standorte bewachen, haben sie eine Nähe zu Sicherheitsrobotern, wenn sie nach Minen suchen und diese räumen und sprengen, zu Minenrobotern, wenn sie Transporte durchführen, zu Transportrobotern. Auch Kampfdrohnen sind, ein weiter Begriff vorausgesetzt, Kampfroboter.“ Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag von Oliver Bendel für das Wirtschaftslexikon von Gabler, veröffentlicht Anfang September 2017. Auch die Perspektive der Maschinenethik wird eingenommen: „Die Maschinenethik widmet sich den moralisch begründeten Entscheidungen von Kampfrobotern. Im Zentrum eines Gedankenexperiments steht Buridans Robot, der einen Terroristen töten soll. Da dieser zusammen mit seinem Zwillingsbruder auftaucht, ist sich die Maschine unsicher, wen sie auswählen soll, und gerät in ein ähnliches Dilemma wie Buridans Esel, der zwischen zwei Heubündeln verhungert.“ Der Beitrag kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/kampfroboter.html aufgerufen werden.

Abb.: Roboter oder Exoskelett?