Schlagwörter: Moral

Mädchen und Frauen unter den Rock schauen

Die Schweizerische Post erprobt Lieferroboter, die Pakete zustellen sollen. Auf dem Gelände des Unternehmens in Wankdorf bei Bern hatte der Betreiber dieser Plattform im September 2016 die Gelegenheit, das Produkt der Starship Technologies unter die Lupe zu nehmen. Die Tester wiesen auf die Kameras mit 360-Grad-Aufnahmetechnik hin und auf das Ultraschallsystem. Sie öffneten die Klappe und erlaubten den Blick auf die Last. Bis zu zehn Kilogramm können auf den sechs Rädern bis zu sechs Kilometer weit befördert werden. Das hauptsächliche Problem der Paketroboter ist, dass sie neuartige Verkehrsteilnehmer darstellen, die die Gehsteige bevölkern und die Straßen überqueren. Das eine tun sie in der Regel autonom, das andere wird in den meisten Ländern, in denen sie getestet werden, von einem Operator unterstützt. Wenn es viele Lieferroboter dieser Art gibt, werden Innen- und Vorstädte noch komplexer für die etablierten Verkehrsteilnehmer. Unabhängig von der Zahl stellen sie Stolperfallen dar. Die Paketroboter sind wie herrenlose Hunde, können aber nicht so gut wie diese ausweichen und sind auch nicht so schnell. Skater, Radfahrer und Fußgänger können über sie stürzen, was durch die geringe Höhe begünstigt wird. Selbst wenn sie an die Leine gelegt und durch wenig frequentierte Gebiete navigiert werden, ist die Gefahr nicht ganz gebannt. Ein nicht ganz nebensächliches Problem ist, dass der Lieferoboter mit seinen Kameras auch Personen erfassen und womöglich Mädchen und Frauen unter den Rock schauen kann – ein weites Feld für Informations- und Technikethik. Es wird sich zeigen, wie hoch die Akzeptanz von Kunden und Passanten ist und welche Erfahrungen in den verschiedenen Ländern gemacht werden.

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Abb.: Was sieht der kleine Roboter?

Maschine und Moral

„Maschine und Moral, Roboter und Recht“ ist der Titel eines Beitrags von Hansjörg Schmid und Virginie Jaquet, der im August 2016 in der APUNTO (3/2016) erschienen ist, der Zeitschrift für die Angestellten in der Schweiz. Im Teaser heißt es: „Maschinen und Roboter durchdringen unser Leben immer mehr. Das Zusammenwirken von Mensch und Maschine ist aber, gerade in der Schweiz, noch erstaunlich wenig geregelt, wie Rechtsexperten und Ethiker feststellen.“ (APUNTO, August 2016) Zu Wort kommen Prof. Dr. Isabelle Wildhaber, Professorin für Privat- und Wirtschaftsrecht unter besonderer Berücksichtigung des Arbeitsrechts an der Universität St. Gallen und Expertin für Roboterrecht, Nicolas Capt, Rechtsanwalt bei Barreaux de Genève & Paris und Spezialist für neue Technologien, und Prof. Dr. Oliver Bendel, Wirtschaftsinformatiker, Informations- und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Der Artikel liegt in der selben Ausgabe in französischer Sprache vor, unter dem Titel „Machines et morale, robots et droit“. Der Teaser lautet dort: „Les robots envahissent toujours plus notre vie. Pourtant, la cohabitation entre l’homme et la machine est très peu réglée en Suisse, comme le constatent des experts en droit et un éthicien.“ Das gesamte Heft kann über angestellte.ch/assets/Apunto/apunto-3-16-GzD-low.pdf heruntergeladen werden.

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Abb.: Ist dieses Robotermädchen schon moralisiert?

Kann man Robotern Moral beibringen?

„Kann man Robotern Moral beibringen?“ Zu dieser Frage ist Liane von Billerbeck vom Deutschlandradio Kultur im Gespräch mit Janina Sombetzki, Philosophin an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Anlass ist deren Vortrag beim Internationalen Festival der Philosophie phil.COLOGNE im Mai 2015. Im Gespräch geht es u.a. um Serviceroboter und spezieller um Pflegeroboter. Von Billerbeck führt an einer Stelle aus: „Da ist ein Roboter im Haushalt eines pflegebedürftigen Menschen, um ihr oder ihm Hilfe zu leisten, das Leben zu erleichtern. Er ist auf bestimmte Arbeiten programmiert, jemanden füttern beispielsweise. Was aber, wenn der Betreute nicht mehr essen will und der Roboter aber sein Programm durchzieht?“ (Deutschlandradio, 27. Mai 2015) Auch Grundsätzliches wird erörtert, etwa die Frage der Autonomie. Die Philosophin plädiert für einen Begriff „im starken Sinne“: „Autonomie ist überall dort, wo wir unserem Handeln Gründe setzen. Bei Menschen ist das relativ einfach, da sagt man: wie kommen wir zu unseren guten Gründen? Durch Erziehung beispielsweise, durch Bildung, durch Kommunikation. Und bei Maschinen müssten wir dann sagen: Die guten Gründe stellen sozusagen die Programmierung dar.“ (Deutschlandradio, 27. Mai 2015) Das ganze Interview ist nachzuhören und nachzulesen über www.deutschlandradiokultur.de.

Auto mit Moral

In einem ganzseitigen Artikel über selbstständig fahrende Autos mit dem Titel „Auto mit Moral“ stellt der Autor, Michael Baumann, promovierter Wissenschaftler an der ZHAW, die Einschätzungen von zwei Experten gegenüber. Oliver Bendel, Informations- und Maschinenethiker von der Hochschule für Wirtschaft FHNW, hat nichts gegen Autos dieser Art. Er will ihnen aber bestimmte Zonen zuweisen, etwa umfunktionierte Standstreifen auf der Autobahn, und bestimmte Uhrzeiten, etwa die Stunden der Nacht. Zudem hält er eine Geschwindigkeitsbegrenzung für notwendig. Frank M. Rinderknecht, Gründer und CEO der Autokonzeptschmiede Rinspeed, will die Autos immer und überall sehen. Die Einstellung der Gesellschaft ihnen gegenüber müsse sich ändern. Die Gesellschaft ist auch für Oliver Bendel zentral. Er geht im Moment davon aus, dass sie maschinelle Entscheidungen über Leben und Tod von menschlichen Verkehrsteilnehmern kaum hinnehmen wird. Als Maschinenethiker ist er an solchen Entscheidungen durchaus interessiert. Allerdings konzentriert er sich in seiner Forschung auf das Tierwohl. Dabei sind ebenfalls moralische Urteile relevant; nur sind die Risiken bei der Umsetzung viel geringer und die Chancen offensichtlicher. Der Artikel ist am 17. Mai 2015 in der Wochenzeitung Schweiz am Sonntag erschienen und als PDF verfügbar.

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Abb.: Was soll das Auto tun?

14 Artikel zur Maschinenethik

Im Folgenden eine Zusammenstellung von vierzehn Artikeln, die Oliver Bendel seit 2012 zur Maschinenethik geschrieben hat. Fast alle sind online verfügbar. Beiträge zur Informationsethik sind an dieser Stelle nicht aufgeführt.

Bendel, Oliver. Das Tier als Objekt der Moral der Maschine: Zum Verhältnis von Tier- und Maschinenethik. In: Telepolis, 2. Januar 2014. Über http://www.heise.de/tp/artikel/40/40684/.

Bendel, Oliver. Considerations about the Relationship between Animal and Machine Ethics. In: AI & SOCIETY, Dezember 2013 („Online-First“-Artikel auf SpringerLink).

Bendel, Oliver. Ich bremse auch für Tiere: Überlegungen zu einfachen moralischen Maschinen. In: inside-it.ch, 4. Dezember 2013. Über http://www.inside-it.ch/articles/34646.

Bendel, Oliver. Buridans Robot: Überlegungen zu maschinellen Dilemmata. In: Telepolis, 20. November 2013. Über http://www.heise.de/tp/artikel/40/40328/1.html.

Bendel, Oliver. Der Lügenbot und andere Münchhausen-Maschinen. In: CyberPress, 11. September 2013. Über http://cyberpress.de/wiki/Maschinenethik.

Bendel, Oliver. Dr. Robot entdeckt die Moral: Maschinen- und Menschenethik im Gesundheitsbereich. In: IT for Health, 02/2013. S. 2 – 4. Auch als PDF erhältlich.

Bendel, Oliver. Einfache moralische Maschinen. In: KMU Business World, 30. August 2013. Über http://www.kmu-businessworld.ch/de/content/einfache-moralische-maschinen.

Bendel, Oliver. Asimovs Automatobile: Selbstständig fahrende Autos in Fiktion und Realität und als Gegenstand der Maschinenethik. In: Telepolis, 27. August 2013. Über http://www.heise.de/tp/artikel/39/39728/1.html.

Bendel, Oliver. Roboterethik. Beitrag für das Gabler Wirtschaftslexikon. Gabler/Springer, Wiesbaden 2013. Über http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/roboterethik.html.

Bendel, Oliver. Good bot, bad bot: Dialog zwischen Mensch und Maschine. In: UnternehmerZeitung, 7 (2013) 19. S. 30 – 31. Auch als PDF erhältlich.

Bendel, Oliver. Über gute und böse Maschinen: Möglichkeiten und Grenzen der Maschinenethik. In: ICTkommunikation, 5/2013. S. 28 – 30. Auch als PDF erhältlich.

Bendel, Oliver. Towards a machine ethics. In: Technology Assessment and Policy Areas of Great Transitions: Book of Abstracts. 1st PACITA Project Conference, March 13 – 15, 2013. Prague, Czech Republic. pp. 229 – 230. Über http://pacita.strast.cz/en/conference/documents.

Bendel, Oliver. Die Moral der Maschinen: Überlegungen zur Maschinenethik. In: inside-it.ch, 24. Oktober 2012. Über http://www.inside-it.ch/articles/30517.

Bendel, Oliver. Maschinenethik. Beitrag für das Gabler Wirtschaftslexikon. Gabler/Springer, Wiesbaden 2012. Über http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/maschinenethik.html.

Ende letzten Jahres und Anfang dieses Jahres wurden mehrere Beiträge zur Maschinenethik bzw. zu (teil-)autonomen Systemen bei Konferenzen und Journals eingereicht.

Artikel zum GOODBOT

Ein Artikel in der UnternehmerZeitung vom 2. Juli 2013 geht auf das GOODBOT-Projekt ein, das im Juni 2013 an der Hochschule für Wirtschaft FHNW gestartet ist. Der „moralische Chatbot“ soll auch auf Selbstmorddrohungen oder Ankündigungen von Amokläufen adäquat reagieren und überhaupt ein angenehmer Zeitgenosse (und trotzdem kein Langweiler) sein. Es werden sieben Regeln genannt, die „hinsichtlich seiner Akte und Sprechakte gegenüber dem Benutzer“ gelten sollen. Dazu gehört auch eine Transparenzregel: „Der GOODBOT macht dem Benutzer klar, dass er eine Maschine ist.“ (Regel 1) Und eine Regel zur Beobachtung: „Der GOODBOT ist kein Spitzel und wertet Gespräche mit dem Benutzer nicht aus.“ (Regel 6) Für das Projekt wurden verschiedene konzeptionelle Vorleistungen wie der Regelkatalog erbracht. Von Juni 2013 bis Januar 2014 arbeiten sich drei Studierende der Hochschule in die Maschinenethik und die Roboterethik ein und entwickeln einen Prototyp. Initiator und Leiter des Projekts ist der Philosoph und Wirtschaftsinformatiker Oliver Bendel. Der Artikel ist in der siebten Ausgabe der UnternehmerZeitung auf den Seiten 30 und 31 zu finden.