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Roboter gegen den Pflegenotstand?

Am 10. September 2018 wurde die Sendung „Pflege – Was kann sie leisten, was muss sich ändern?“ in Bayern 2 ausgestrahlt. Zu Wort kommt Oliver Bendel, Informations- und Maschinenethiker aus Zürich. Er beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit Robotern in der Pflege. Er ist nicht der Meinung, dass diese den Pflegenotstand beheben können. Dafür braucht es andere Maßnahmen. Sie können aber die Pflegekraft unterstützen. Oliver Bendel hält es für wichtig, diese Perspektive einzunehmen und nicht ausschließlich auf den Patienten zu schauen. Natürlich ist dieser ebenso wichtig, und er ist sozusagen der Ausgangspunkt aller einschlägigen Strukturen und Prozesse. Für ihn bedeuten Pflegeroboter sowohl Vor- als auch Nachteile. Einerseits stärken sie seine persönliche Autonomie, machen ihn unabhängiger und beweglicher. Andererseits schwächen sie seine informationelle Autonomie. Manche der Roboter, die sich in Pflegeheimen und Krankenhäusern finden, verfügen über Kameras und Mikrofone und damit zusammenhängend über Gesichts- und Stimmerkennung. Das ist ebenso nützlich wie gefährlich. Der Podcast kann hier angehört werden.

Der Roboter im Restaurant

Die Bedienung, der Kellner, der Ober, die Serviertochter, sie alle haben einen harten Job und verdienen wenig Geld. In Zukunft haben sie vielleicht gar keinen Job mehr. Serviceroboter wie Küchenroboter und Roboterküchen sind bereits Realität, Bedienungsroboter auf dem Vormarsch. Florian Rötzer von Telepolis schreibt am 7. August 2018: „Bedienungen in Restaurants verdienen nicht viel. Gleichwohl werden sie womöglich eine der Berufsgruppen sein, die am schnellsten von Roboter verdrängt werden. Und das nicht nur in den reichen Ländern. In China hat Alibaba bereits Restaurants in Hema-Supermärkten unter dem Namen Robot.He eröffnet, in denen Roboter das Essen zum Tisch oder in die Nähe des Tisches bringen. Und der Rivale JD.com will ganz schnell, bis 2020, 1000 vollautomatische Restaurants in China eröffnen.“ (Telepolis, 7. August 2018) Für Wirtschafts-, Informations- und Maschinenethik ergeben sich interessante Fragestellungen in Bezug auf den Einsatz, die Gestaltung und die Stimme. Ob der moralische Bedienungsroboter dem Gast das Kalbsschnitzel verweigern und Kartoffelpüree mit Erbsen empfehlen soll, ist noch zu diskutieren.

Abb.: Heute nur Erbsen

Roboter lieben Arbeit

Roboter lieben Arbeit. Zumindest sind sie dafür gemacht. Sie unterstützen und ersetzen uns in der Arbeitswelt. In der Industrie, in Produktion und Logistik, sind neue Typen anzutreffen. Co-Robots nehmen uns anstrengende, gefährliche und langweilige Tätigkeiten ab. Sie kommen uns dabei sehr nahe, ganz anders als die alten Industrieroboter, die in den Käfigen sitzen. Serviceroboter verbreiten sich in allen möglichen Bereichen. Als Sicherheitsroboter, verbunden mit Systemen der Künstlichen Intelligenz (KI), überwachen sie das Betriebsgelände oder das Einkaufszentrum und melden Verdächtiges an eine Zentrale, als Pflege- und Therapieroboter kümmern sie sich zusammen mit Fachpersonal um Kranke und Alte. In all diesen Fällen sind noch Arbeitskräfte vorhanden. Aber das kann sich in Zukunft ändern. Die Liebe der Roboter zur Arbeit ist so groß, dass sie sie für sich haben wollen. Es stellen sich Fragen aus der Sicht der Ethik, mit Blick auf persönliche und informationelle Autonomie sowie auf Arbeitslosigkeit, und aus Politik und Gesellschaft erschallen Rufe nach einer Robotersteuer und nach einem bedingungslosen Grundeinkommen. Prof. Dr. Oliver Bendel stellt in seiner Keynote „Das automatische Verschwinden der menschlichen Arbeit“ im Stadthaus Ulm am 25. Oktober 2018 die Veränderungen in der Arbeitswelt durch Roboter und KI-Systeme vor und diskutiert sie aus unterschiedlichen Perspektiven. Weitere Informationen über www.vdi-ulm.de/schwerpunkte/forum-technik-und-gesellschaft/.

Abb.: Roboter sind Werkzeuge und benutzen Werkzeuge

Haben Roboter Gefühle?

Können Roboter bald selbstständig Gefühle wie Hass oder Liebe entwickeln? Dies hat der WDR im April 2018 den Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel gefragt. Der Kontext war die Angst, die wir vor Maschinen haben oder haben können. Er antwortete: Maschinen werden solche Gefühle meines Erachtens nicht entwickeln können, da diese biologisch-chemische und genetisch-hormonelle Grundlagen brauchen. Die Vorstellung, dass sie solche Gefühle haben, kann natürlich Angst machen. Und emotionale Roboter wie Pepper zeigen Gefühle – aber haben eben keine. Eine wichtige Frage ist, ob sie überhaupt Gefühle zeigen sollen. Und ob sie uns weismachen sollen, dass sie Menschen oder ähnlich wie Menschen sind.“ Uns ist in Europa die Angst vor künstlichen Kreaturen gleichsam eingepflanzt. Diese dachten wir uns bereits vor tausenden Jahren aus. Bei Homer und Ovid finden sich Schreckensgestalten wie Talos und Pandora, wobei die künstliche Frau in der Literatur einige Wandlungen erlebt hat. Später ging es ähnlich weiter, mit der Eisernen Jungfrau, dem Golem, Frankensteins Monster. Auch Ausnahmen gibt es, bereits in der Antike, wie Galatea, von Pygmalion erschaffen und von Aphrodite zum Leben erweckt. Das Interview kann über www1.wdr.de/wissen/technik/roboter-maschinenethik-interview-100.html nachgelesen werden.

Abb.: Haben Roboter Gefühle?

Haben Roboter Rechte?

Dieser Frage geht Oliver Bendel in der Zeitschrift Edison nach, in der Ausgabe 2/2018, erschienen am 13. April 2018. Die zuständige Disziplin ist die Roboterethik. Während sich die Maschinenethik auf die maschinelle Moral und damit allenfalls verbundene Pflichten oder Verpflichtungen konzentriert, interessiert sich die Roboterethik auch für moralische Rechte von Maschinen, insbesondere von Robotern. Schon vor Jahrzehnten hat man über diese Frage nachgedacht, doch in letzter Zeit gibt es diesbezügliche Überlegungen und Forderungen, denen man als Ethiker etwas entgegensetzen muss. Denn Oliver Bendel ist der Meinung, dass Roboter keine Rechte haben, haben werden und haben sollen. In seinen Ausführungen zieht er Vergleiche mit Menschen, Tieren und Pflanzen (Tiere haben Rechte, Pflanzen nicht). Auf der Website heißt es zu dem Handelsblatt-Spross: „Edison ist das neue Magazin für alle, die sich für Elektromobilität, vernetztes Leben und nachhaltige Energiegewinnung interessieren. Für alle, die in einer Zeit der Umbrüche und des rasanten technischen Fortschritts Orientierung suchen. Für alle, die Haltung zeigen möchten. Kurz: Es ist das neue Magazin für die Generation E.“ Es kann über edison-magazin.handelsblatt.com/epaper/13.04.2018 bestellt werden.

Abb.: Auch Teddybären haben keine Rechte

Jäger und Sammler

Die Redaktion „Jäger und Sammler“ von funk traf sich Ende 2017 in Berlin mit Oliver Bendel. In seinem Hotelzimmer sprach man über Sexroboter und Robotersex. Auch Kathleen Richardson wurde interviewt, per Videokonferenz. Der Filmbeitrag wurde am 3. Januar 2018 veröffentlicht. Während der Informations- und Maschinenethiker, der in Zürich lebt, eine neutrale Position einnimmt und Chancen und Risiken herausarbeitet, hat sich die Anthropologin von der Universität Leicester dem Kampf gegen Sexroboter verschrieben. Der Sender stellt sich wie folgt vor: „Hey, wir sind funk … und sowas wie die kleine Schwester von ARD und ZDF. Uns gibt es aber nur im Internet, nicht im Fernsehen. Wir veröffentlichen auf über 60 verschiedenen Kanälen unterhaltende, informierende, kritische und hoffentlich fesselnde Videos. funk-Kanäle findet man auf Plattformen wie YouTube, Facebook, Instagram und Snapchat. Aber wir haben auch ein Zuhause: Hier bei funk.net gibt es alle funk-Videos auf einen Schlag und eine Auswahl internationaler Serien.“ (Website funk) Der Beitrag „Sexroboter: Love Story der Zukunft?“ ist u.a. über https://www.youtube.com/watch?v=GvOu9QFnl_A aufrufbar.

Unternehmungslustige Serviceroboter

„Serviceroboter sind für Dienstleistungen und Hilfestellungen aller Art zuständig, sie bringen und holen Gegenstände, überwachen die Umgebung ihrer Besitzer oder das Befinden von Patienten und halten ihr Umfeld im gewünschten Zustand. Wenn sie mit Sensoren ausgestattet sind, wenn sie über Intelligenz und Erinnerungsvermögen verfügen, werden sie nach und nach zu allwissenden Begleitern. Sie wissen, was ihr Eigentümer oder Gegenüber tut und sagt oder was die Passanten in der Umgebung umtreibt und melden es womöglich an ihre Betreiber oder an Geräte und Computer aller Art. So wie Industrieroboter immer mehr ihre geschützten Bereiche verlassen, so wie sie immer mobiler und universeller geraten, und so wie sie immer mehr an den Menschen heranrücken, so werden Serviceroboter immer eigenständiger und ‚unternehmungslustiger‘.“ So beginnt ein neuer Beitrag von Oliver Bendel im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler, erschienen am 31. August 2017. Im Folgenden werden die Serviceroboter klassifiziert und Ziele, Zwecke und Merkmale skizziert. Am Ende nimmt der Autor die Perspektive der Ethik ein. Der Beitrag kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/serviceroboter.html abgerufen werden.

Abb.: Ein unternehmungslustiger Serviceroboter

Affäre mit einem Roboter

Omer Kabir von der israelischen Tageszeitung Calcalist hat im Februar 2017 ein Interview mit Oliver Bendel geführt, das am 16. August 2017 erschienen ist. Es geht um Künstliche Intelligenz, Robotik und Maschinenethik. Zu einer Frage führte Oliver Bendel aus: „I would like to distinguish between simple and complex moral machines. While simple moral machines are useful and valuable in many contexts, e.g., in order to protect animals in the household, in the parkway or in the wilderness, complex moral machines can be dangerous, on the battle field as well as in road traffic. I am against autonomous weapons and autonomous cars which decide between life and death of human beings. I prefer simple machines which follow simple rules in our absence, simple machines that are our representatives, not least in a moral sense.“ Auf eine andere gab er die Antwort: „Industrial and service robots as well as agents and chatbots will support and replace us, doing some things better than their human competitors. They may be more precise, faster and cheaper. The machines can used for automatic operation round the clock. We may experience initial discomfort and pressure. After some discussions and perhaps revolutions, we could head for adequate economic, political and legal conditions. Perhaps there will be an unconditional basic income for all citizens, and I must admit that I sympathise with this idea. Other experts also propose a machinery tax or a quota of robots, but I am rather sceptical about such restrictions. I like the discussions about them more than themselves.“ Der Artikel mit dem Titel „Affäre mit einem Roboter“ kann hier als PDF heruntergeladen oder über www.calcalist.co.il/internet/articles/0,7340,L-3719292,00.html aufgerufen werden.

Abb.: Affäre mit einem Roboter (Foto: Calcalist/Kai R. Joachim)

Wer gibt, wer nimmt uns Lebenszeit?

Die Juli-Ausgabe der Zeitschrift National Geographic bringt den ersten Teil einer dreiteiligen Serie zur Künstlichen Intelligenz. Auf 14 Seiten widmet man sich der Arbeit von Oliver Bendel. Der Informations- und Maschinenethiker lebt und arbeitet in der Schweiz. Er stand dem Chefredakteur Florian Gless und der Redakteurin Ines Bellinger Rede und Antwort. Zudem gibt es eine Graphic Novel zu aktuellen Entwicklungen und den entsprechenden Überlegungen von Oliver Bendel. Ein Glossar zur KI rundet den Beitrag ab. Die Fotos stammen von Elias Hassos, der u.a. Hans Magnus Enzensberger und Martin Walser porträtiert hat. „Wir können in der Hängematte liegen“ – so lautet die Überschrift des Beitrags. Oliver Bendel ist der Meinung, dass uns Roboter unterstützen und entlasten können. Dass Menschen die besten Jahre des Lebens und die besten Stunden des Tages einem Unternehmen schenken, das ihnen womöglich nicht einmal sympathisch ist, hält er für eine Ideologie, die man hinterfragen kann. Vielleicht reichen vier Stunden am Tag für den Lebensunterhalt, wenn ein Grundeinkommen dazukommt. Denn die Gewinne werden weiter erzielt, mit Hilfe von Robotik und Künstlicher Intelligenz auch ohne die Arbeiter und Angestellten. Sie müssen nur gerecht verteilt werden. Weitere Informationen über www.nationalgeographic.de.

Abb.: Wer gibt, wer nimmt uns Lebenszeit?

IBM Watson trägt ein Haiku vor

Dass Roboter auch Gedichte vortragen können, zeigt ein Projekt von Oliver Bendel, das im November 2016 gestartet ist. Benutzt wurde für den zweiten Versuch am 3. März 2017 erneut die Text-to-speech-Engine von IBM Watson. Diese kann man im Prinzip für Vorlesesysteme, für Chatbots oder für Serviceroboter verwenden. Oliver Bendel passte das eigens für das Projekt verfasste „robot haiku“ mit Hilfe von Voice Transformation SSML an. Es wurden Pausen am Anfang eingebaut, damit der Titel und die Metainformationen (Autor, System, Stimme, Datum) nicht zu schnell nacheinander erklingen, zudem Pausen zwischen den Zeilen. Der Befehl <voice-transformation type=“Custom“ glottal_tension=“-80%“> bewirkt einen weichen Vortrag des Kurzgedichts. Dieses kann hier im Format .ogg heruntergeladen und beispielsweise im VLC Media Player angehört werden. Auch auf dem Handy kann man es speichern – insofern ist das Projekt eine Weiterführung der Handyhaikus, die es seit 2010 gibt. Informationen hierzu über handyroman.net oder direkt über handyroman.net/handyhaiku/einstieg.html.

Abb.: Auch die goldenen Jungfrauen von Hephaistos kommen vor