Schlagworte: Roboterethik

Ein alternatives BGE

Die Automatisierung schreitet weltweit voran. Neuartige Industrie- und Serviceroboter sowie mächtige KI-Systeme verbreiten sich. Einige Arbeiter und Angestellte werden aus dem System herausfallen. Wie sichern wir ihre Zukunft? Der Beitrag von Oliver Bendel mit dem Titel „Willkommen auf der Erde!“ baut auf seinem Vortrag „Considerations on Unconditional Basic Income and Basic Property“ auf und wurde in der UnternehmerZeitung 9/2019 veröffentlicht. Er erörtert den Vorschlag des bedingungslosen Grundeigentums, u.a. mit den Begriffen der Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit. Bereits gut bekannt ist die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens. Die Schweiz hat darüber abgestimmt, und nicht wenige waren dafür. Aber letztlich hat es nicht gereicht. Der Ansatz des bedingungslosen Grundeigentums, sozusagen eines alternativen BGE, ist radikaler. Der Roboterphilosoph beendet seinen Artikel, der hier heruntergeladen werden kann, mit den folgenden Worten: „Die Welt ist aufgeteilt unter den Reichen und Mächtigen. Es besteht die Gefahr, dass Automatisierung und Autonomisierung die Ungleichheit und die Ungerechtigkeit verstärken. Und genau dagegen erhebt sich Widerspruch von gesellschaftlicher und von wissenschaftlicher Seite. Sicherlich ist das BGE eine Sozialutopie. Aber eine solche kann zur richtigen Zeit durchaus etwas in der Realität bewirken.“

Abb.: Ein alternative BGE

Der umgekehrte Cyborg

„Chimären im biologischen und medizinischen Sinne sind Organismen, die aus Zellen bzw. Geweben unterschiedlicher Individuen bestehen und dennoch geschlossene und lebensfähige (nicht unbedingt fortpflanzungsfähige) Lebewesen bilden. Sie können innerhalb einer Art oder zwischen Arten angesiedelt und sowohl Pflanzen als auch Tiere sein. Es gibt natürliche (Blutchimären bei Säugetieren) und künstliche Mischwesen (Veredelung bei Pflanzen, Tier-Mensch-Embryonen).“ Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon von Oliver Bendel, erschienen am 23. August 2019. Cyborgs sind keine Chimären in diesem Sinne. Dennoch könnte die diesbezügliche Forschung auch Relevanz für sie haben, vor allem für umgekehrte oder umgedrehte Cyborgs, etwa Roboter, die ein tierisches oder menschliches Gehirn oder Organ eingepflanzt bekommen. Tier-Mensch-Chimären zur Herstellung von menschlichen Organen werden von vielen Ethikern als unproblematisch angesehen. Das ist erstaunlich, da Erkenntnisse aus Tierethik und Tiermedizin und insbesondere Leiden und Tod von nichtmenschlichen Lebewesen ausgeblendet werden. Dieser Rückschritt in der Diskussion wird am Ende des Beitrags angesprochen, den man über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/chimaere-121204 herunterladen kann.

Abb.: Hier fehlt noch die robotische Struktur

Über Superintelligenz und Supermoral

Oliver Bendel spricht am 13. Oktober 2019 beim 21. Turmdersinne-Symposium über „Das Verschmelzen von maschineller und menschlicher Moral“. Die Maschinenethik bringt moralische Maschinen hervor. Man gibt ihnen moralische Regeln vor, an die sie sich halten, oder lässt sie solche entwickeln und abändern. Was passiert, wenn der Mensch seine Verantwortung abgibt und wenn die maschinelle Moral von der menschlichen abweicht, etwa indem sie mehr Moralität aufweist oder sich zur Supermoral entwickelt (die die Schwester der Superintelligenz wäre)? Hier sind auch Informations- und Roboterethik gefragt. Das Konzept des Cyborgs ist bekannt: Ein Organismus wird mit einer technischen Struktur erweitert. Aber was ist, wenn wir mit einer moralischen Maschine verschmelzen? Verbessert sich unsere Moral oder verlieren wir diese in gewisser Hinsicht? Ein zukünftiges Konzept könnte der umgekehrte Cyborg sein: Eine technische Struktur wird mit einem Organismus oder einem Organ – etwa einem menschlichen Gehirn – angereichert. Dies könnte ein Weg sein, den Tod zu besiegen. Aber wie entfaltet sich in diesem Konstrukt die Moral? Entsteht ein moralisch neuartiger Mensch oder eine neuartige moralische Maschine? Maschinen-, Informations- und Roboterethik sind gefordert.

Abb.: Superintelligenz und Supermoral als Supergirls

Zum Einfluss der Roboter auf die Gesellschaft

„Roboter, Empathie und Emotionen“ – dieses Forschungsprojekt hatte die Einrichtung für Technologiefolgenabschätzung der Schweiz, die TA-SWISS, vor einiger Zeit ausgeschrieben. Den Zuschlag hat ein Konsortium von FHNW, ZHAW und Universität St. Gallen erhalten. Der Antragsteller, Prof. Dr. Hartmut Schulze von der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW, deckt die Psychologie ab. Der Co-Antragsteller, Prof. Dr. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW, nimmt die Perspektive von Informations-, Roboter- und Maschinenethik ein, die Co-Antragstellerin, Prof. Dr. Maria Schubert von der ZHAW, die der Pflegewissenschaft. Die TA-SWISS stellte auf ihrer Website fest: „Welchen Einfluss haben Roboter … auf unsere Gesellschaft und auf die Personen, die mit ihnen interagieren? Sind Roboter vielleicht eher Spitzel als Vertraute? … Was erwarten wir von diesen Maschinen beziehungsweise was dürfen wir effektiv von ihnen erwarten? Zahlreiche soziologische, psychologische, wirtschaftliche, philosophische und rechtliche Fragen im Zusammenhang mit dem gegenwärtigen und künftigen Einsatz und Potenzial der Roboter sind noch offen.“ (Website TA-SWISS) Das Kick-off-Meeting mit einer hochkarätig besetzten Begleitgruppe fand am 26. Juni 2019 in Bern statt.

Abb.: Drei Roboter

Stephen A. Schwarzman Centre in Gründung

„Die britische Elite-Universität Oxford hat eine Spende in Höhe von 150 Millionen Pfund (rund 168 Millionen Euro) von US-Milliardär Stephen A. Schwarzman erhalten. Mit der höchsten Einzelspende in der Geschichte der Hochschule soll das ‚Stephen A. Schwarzman Centre‘ für Geisteswissenschaften entstehen.“ (SPON, 19. Juni 2019) Dies meldete der Spiegel am 19. Juni 2019. Weiter heißt es: „In dem Gebäude sollen unter anderem die Fakultäten für … Geschichts- und Sprachwissenschaften, Philosophie, Musik und Theologie zusammengelegt werden. Rund ein Viertel aller Oxford-Studenten sind in diesen Fächern eingeschrieben. Zusätzlich soll dort ein neues Institut für Ethik im Umgang mit Künstlicher Intelligenz entstehen, wie die Universität mitteilte.“ (SPON, 19. Juni 2019) Der Schwerpunkt scheint auf Informations- und Roboterethik zu liegen. Schwarzman selbst sagte laut Spiegel, Universitäten müssten dabei helfen, ethische Grundsätze für den schnellen technologischen Wandel zu entwickeln. Über die Herkunft der Mittel wird debattiert. Weitere Informationen über www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/oxford-elite-uni-erhaelt-150-millionen-pfund-spende-a-1273161.html.

Buch zu Informations- und Maschinenethik

Im Sommer 2019 erscheint die zweite Auflage des Lexikons zur Informationsethik von Oliver Bendel im Springer-Verlag. Auf die „300 Keywords Informationsethik“ von 2016 folgen die „400 Keywords Informationsethik“. In beiden Fällen lautet der Untertitel „Grundwissen aus Computer-, Netz- und Neue-Medien-Ethik sowie Maschinenethik“. Sowohl die Bereiche der Informations-, Roboter- und Maschinenethik als auch die der Künstlichen Intelligenz und der Robotik wurden ausgebaut. Es finden sich nun Begriffe wie „Brain-Computer Interface“, „Gesichtserkennung“ und „Echokammer“ darin. 2014 und 2015 war das Projekt noch mit dem Wunsch gestartet, die Informationsethik weiterleben zu lassen und die Maschinenethik einem breiteren Publikum nahezubringen. Das Buch erschien 2016 und wurde seitdem etwa 40.000 Mal heruntergeladen (im Gesamten und in Teilen). In der Zwischenzeit explodierten die Themenbereiche förmlich. Eine zweite Auflage war dringend notwendig. Auf über 300 Seiten kann man sich nun einen Überblick über vergangene, gegenwärtige und zukünftige Entwicklungen verschaffen und sich Definitionen bekannter und weniger bekannter Phänomene aneignen. Weitere Informationen über www.springer.com/gp/book/9783658266639.

Abb.: Frau mit Buch

Next Frontiers

„The ‚Next Frontiers‘ conference will bring scientists and science fiction authors into contact. Different sciences getting into interdisciplinary conversations plus authors of fiction offering new, even revolutionary perspectives will open up the territory for new visions of the future. The conference aims at surmounting old, dysfunctional patterns of thinking. Central to this is the reality transforming potential of literature, film and other arts, and the huge contribution of fictional world building to real scientific and technological breakthroughs.“ This is the introductory text for a conference to be held in Stuttgart from 27 to 29 June 2019. The opening lecture will be given by the information and machine ethicist Prof. Dr. Oliver Bendel. He is going to talk about approaches and artifacts of machine ethics. The writer Andreas Brandhorst will then give an introduction to artificial intelligence. On the panel they both will discuss with the journalist Constantin Schnell. Further information via www.next-frontiers.de/en/.

Fig.: A spaceship

Maschinenethik und Robotik

Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin wuchs nach eigenen Angaben in einer Künstlerfamilie auf. Er studierte Philosophie, Physik, Mathematik und Politikwissenschaft. Er ist seit 2004 Professor für Philosophie und politische Theorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zuvor lehrte er an den Universitäten Göttingen (1993 – 2003) und Tübingen (1991 – 1993). Seit 2002 ist er Honorarprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin. PD Dr. Fiorella Battaglia promovierte 2004 am Institut für Philosophie der Universität Neapel. Seit 2013 arbeitet sie am Lehrstuhl IV der Ludwig-Maximilians-Universität München. 2016 habilitierte sie zum Thema „Der normative Begriff der Natur des Menschen“. Von den beiden Wissenschaftlern stammt der 19. Beitrag für das „Handbuch Maschinenethik“ (Herausgeber Prof. Dr. Oliver Bendel), mit dem Titel „Maschinenethik und Robotik“. Veröffentlicht wurde er über link.springer.com/referencework/10.1007/978-3-658-17484-2. In gedruckter Form kommt das Buch mit allen 23 Beiträgen im Sommer oder Herbst 2019 heraus. Weitere Informationen über www.springer.com/gp/book/9783658174828.

Abb.: Eine Roboterhand bzw. Handprothese

Die Frage der Verantwortung

Das Wissenschaftsjahr 2019 widmet sich der Künstlichen Intelligenz. In diesem Kontext führte Vision Kino ein Interview mit dem Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel. Zuerst wurde er danach gefragt, welche Themen im Zusammenspiel von Künstlicher Intelligenz und Ethik er aktuell für besonders wichtig hält. Er antwortete: „In der Informationsethik ist das Thema Überwachung im Augenblick sehr zentral, hier insbesondere Gesichts- und Emotionserkennung. Sehr problematisch wird es, wenn das mit der so genannten Physiognomik kombiniert wird, einer Pseudowissenschaft. Beispielsweise will man aus Gesichtsmerkmalen und -ausdrücken kriminelle Absichten ableiten.“ Später ging es dann um Fragen der Verantwortung. Nach Oliver Bendel kann ein Computer oder Roboter keine Verantwortung tragen, höchstens in einem sehr rudimentären Sinne, indem er eine Aufgabe übernimmt. Es ergibt nach ihm auch keinen Sinn, ihn in moralischer Hinsicht zur Verantwortung zu ziehen. Das Interview kann über wissenschaftsjahr-2019.visionkino.de/thematisches-unterrichtsmodul-zum-thema-kuenstliche-intelligenz/arbeitsmaterialien-zum-film/b-13-maschinen-koennen-keine-verantwortung-tragen-interview-mit-oliver-bendel/ nachgelesen werden.

Abb.: Können Roboter Verantwortung tragen?

Pflegerobotik im Parlamentsfernsehen

Das öffentliche Fachgespräch zu Pflegerobotern am 20. Februar 2019 im Deutschen Bundestag zog zahlreiche Besucher an. Auch Politiker von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP waren durchgehend anwesend. Robotikerin Dr. Birgit Graf sprach über „Potenziale und Grenzen der Robotik für die Pflege – Stand der Technik und Anwendung, Herausforderungen für Forschung und Entwicklung“, Pflegewissenschaftler Prof. Dr. Manfred Hülsken-Giesler nahm eine „Einordnung und Bewertung aus Sicht der Pflegewissenschaft“ vor. „Ethisch-normative Herausforderungen der Pflegerobotik“ war der Titel des Vortrags von Prof. Dr. Oliver Bendel. Der Informations- und Maschinenethiker stellte Prototypen und Produkte vor und vor diesem Hintergrund verschiedene Überlegungen aus Sicht von Informationsethik und Maschinenethik an. Auch auf den moralisierten Nao von Michael Anderson, Susan L. Anderson und Vincent Berenz ging er ein. Das Programm kann hier nachgelesen, ein Bericht hier abgerufen werden. Das Parlamentsfernsehen strahlte die Aufzeichnung des Fachgesprächs am 22. Februar 2019 von 9.00 bis 11.45 Uhr aus.

Abb.: Kamera läuft