Schlagworte: Roboterethik

Die Frage der Verantwortung

Das Wissenschaftsjahr 2019 widmet sich der Künstlichen Intelligenz. In diesem Kontext führte Vision Kino ein Interview mit dem Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel. Zuerst wurde er danach gefragt, welche Themen im Zusammenspiel von Künstlicher Intelligenz und Ethik er aktuell für besonders wichtig hält. Er antwortete: „In der Informationsethik ist das Thema Überwachung im Augenblick sehr zentral, hier insbesondere Gesichts- und Emotionserkennung. Sehr problematisch wird es, wenn das mit der so genannten Physiognomik kombiniert wird, einer Pseudowissenschaft. Beispielsweise will man aus Gesichtsmerkmalen und -ausdrücken kriminelle Absichten ableiten.“ Später ging es dann um Fragen der Verantwortung. Nach Oliver Bendel kann ein Computer oder Roboter keine Verantwortung tragen, höchstens in einem sehr rudimentären Sinne, indem er eine Aufgabe übernimmt. Es ergibt nach ihm auch keinen Sinn, ihn in moralischer Hinsicht zur Verantwortung zu ziehen. Das Interview kann über wissenschaftsjahr-2019.visionkino.de/thematisches-unterrichtsmodul-zum-thema-kuenstliche-intelligenz/arbeitsmaterialien-zum-film/b-13-maschinen-koennen-keine-verantwortung-tragen-interview-mit-oliver-bendel/ nachgelesen werden.

Abb.: Können Roboter Verantwortung tragen?

Pflegerobotik im Parlamentsfernsehen

Das öffentliche Fachgespräch zu Pflegerobotern am 20. Februar 2019 im Deutschen Bundestag zog zahlreiche Besucher an. Auch Politiker von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP waren durchgehend anwesend. Robotikerin Dr. Birgit Graf sprach über „Potenziale und Grenzen der Robotik für die Pflege – Stand der Technik und Anwendung, Herausforderungen für Forschung und Entwicklung“, Pflegewissenschaftler Prof. Dr. Manfred Hülsken-Giesler nahm eine „Einordnung und Bewertung aus Sicht der Pflegewissenschaft“ vor. „Ethisch-normative Herausforderungen der Pflegerobotik“ war der Titel des Vortrags von Prof. Dr. Oliver Bendel. Der Informations- und Maschinenethiker stellte Prototypen und Produkte vor und vor diesem Hintergrund verschiedene Überlegungen aus Sicht von Informationsethik und Maschinenethik an. Auch auf den moralisierten Nao von Michael Anderson, Susan L. Anderson und Vincent Berenz ging er ein. Das Programm kann hier nachgelesen, ein Bericht hier abgerufen werden. Das Parlamentsfernsehen strahlte die Aufzeichnung des Fachgesprächs am 22. Februar 2019 von 9.00 bis 11.45 Uhr aus.

Abb.: Kamera läuft

Die programmierte Moral

Im Februar 2019 ist „Roboter in der Gesellschaft: Technische Möglichkeiten und menschliche Verantwortung“ bei Springer erschienen, herausgegeben von Christiane Woopen und Marc Jannes. Die Beiträge stammen von Alin Albu-Schäffer („Von drehmomentgeregelten Roboterarmen zum intrinsisch nachgiebigen humanoiden Roboter“), Jochen J. Steil („Roboterlernen ohne Grenzen? Lernende Roboter und ethische Fragen“), Oliver Bendel („Die programmierte Moral“), Catrin Misselhorn („Moralische Maschinen in der Pflege? Grundlagen und eine Roadmap für ein moralisch lernfähiges Altenpflegesystem“), Hartmut Hirsch-Kreinsen („Autonome Systeme in der industriellen Arbeitswelt“) und Johannes Weyer („Autonome Technik außer Kontrolle? Möglichkeiten und Grenzen der Steuerung komplexer Systeme in der Echtzeitgesellschaft“). Norbert Lammert schreibt zu „Roboterethik. Zur Rolle der Politik“. Das Buch geht zurück auf die Tagung „Roboterethik – Sie sind stark, klug, selbstständig. Und was wird aus uns?“, veranstaltet von ceres und Daimler und Benz Stiftung am 24. November 2015 in Berlin. Weitere Informationen über www.springer.com/gp/book/9783662577646#.

Abb.: Maschinelle Moral gibt es seit Jahren

Über den Einsatz von Pflegerobotern

„Noch ist nicht ausgemacht, wohin, fest aber steht: Im Zuge der Digitalisierung verschieben sich Grenzen.“ So beginnt die Einführung von Andreas Vierecke in der neuen Ausgabe der Blätter der Wohlfahrtspflege (1/2019). „Was … zunächst einmal ansteht, ist die Notwendigkeit, uns in irgendeiner Weise zu den mit der Digitalisierung unabweisbar einhergehenden Herausforderungen zu verhalten und eine Strategie für die eigene Organisation zu entwickeln.“ (BdW 1/2019) Identifiziert werden müssen die konkreten Technologien, die konkreten Anwendungsfelder und die konkreten Herausforderungen. Das Spektrum ist breit, von einfachen Warnsystemen bis hin zu komplexen Robotern. „Über ethische Aspekte des Einsatzes von Pflegerobotern … hat sich Oliver Bendel Gedanken gemacht, von denen er in diesem Heft einige mit uns teilt.“ (BdW 1/2019) Weitere Informationen über www.nomos-elibrary.de/10.5771/0340-8574-2019-1/bdw-blaetter-der-wohlfahrtspflege-jahrgang-166-2019-heft-1.

Abb.: Eine menschliche Hand wird gereicht

Roboterphilosophie bei den Freidenkern

„Die Freidenker-Vereinigung der Schweiz setzt sich für die Anliegen der Konfessionsfreien ein. Sie tritt ein für die Trennung von Staat und Kirche und für eine weltlich-humanistische Ethik, in der die Menschenrechte eine zentrale Rolle einnehmen. Und sie vertritt ein wissenschaftlich plausibles Weltbild.“ (Website Freidenker Schweiz) Eingeladen haben die Freidenkenden Mittelland den Roboterphilosophen und Freidenker Oliver Bendel aus Zürich. Er spricht am 11. Februar 2019 im Jugendstilsaal des Atrium-Hotels Blume in Baden zum Thema „Der Roboter entdeckt die Philosophie“. Er wird die Zuhörer laut Programm auf eine Reise mitnehmen. „Bei einer Station geht er der Frage nach, ob Roboter Rechte haben oder haben werden.“ Einer solchen Frage widmet sich traditionell die Roboterethik. Bendel ist der Meinung, dass Roboter und KI-Systeme bis auf weiteres keine Rechte haben und haben sollten. Bei einer nächsten – nun geht es um Maschinenethik – „wird er darstellen, wie man Entwickler und ihre Geschöpfe für die Philosophie gewinnt und wie man Roboterautos, Serviceroboter und Chatbots zu moralischen und unmoralischen Maschinen machen kann“ (Programm). Der Flyer zur Veranstaltung kann hier heruntergeladen werden.

Abb.: Das Zeichen für Atheismus

Podcast zur Maschinenethik

In seinem Vortrag „Die Entdeckung der Philosophie – ethische Dimensionen der Robotik“ am 9. Januar 2019 im Haus Huth am Potsdamer Platz in Berlin erklärte Prof. Dr. Oliver Bendel, wie man Roboterautos, Serviceroboter und Chatbots zu moralischen oder zu unmoralischen Maschinen machen kann. Der Vortrag fand vor vollbesetztem Haus statt und rief lebhafte Diskussionen hervor. Bei der Daimler und Benz Stiftung, die die Reihe verantwortet, ist nun ein Podcast zum Vortrag erschienen. Er kann hier abgerufen werden. Zur Vortragsreihe heißt es auf der Website: „Am Potsdamer Platz in Berlin lädt die Daimler und Benz Stiftung regelmäßig zur akademischen Debatte, die die rhetorische Form pflegt. So ist das inhaltliche Portfolio dieser offenen Veranstaltungsreihe im historischen Haus Huth weit gefächert: In Plädoyers, Lamenti, Antithesen oder anderen Formaten vertreten Wissenschaftler engagiert ihren Standpunkt und begründen ihn mit den Erkenntnissen ihrer Forschung.“ (Website Daimler und Benz Stiftung)

Diskussion über autonome Kampfroboter

Die Heinrich-Böll-Stiftung kündigt eine Veranstaltung zu autonomen Kampfrobotern an: „Künstliche Intelligenz (KI) ist das große Glücksversprechen des 21. Jahrhunderts und wird viele Lebensbereiche moderner Industriegesellschaften dramatisch verändern, von der Mobilität zur industriellen Fertigung oder der Krankenpflege. KI wird auch die Sicherheits- und Verteidigungspolitik verändern. Sie wird dazu führen, dass moderne Waffensysteme zunehmend autonom agieren und die menschlichen Eingriffsmöglichkeiten auf ein Minimum reduzieren.“ (Information HBS) Dies werfe, so die Stiftung, ethische Fragen auf, insbesondere dann, wenn zukünftig Kampfroboter ihre Ziele autonom auswählen und bekämpfen. „Doch wie realistisch ist dieses Szenario? Wieviel Autonomie steckt schon heute in modernen Waffensystemen und welche Entwicklungstendenzen zeichnen sich ab?“ (Information HBS) Diese Fragen will man mit Noel Sharkey, „einem führenden Experten für Ethik und Robotik“, einer Vertreterin des Auswärtigen Amtes und einem Mitglied des Bundestags diskutieren. Die Veranstaltung findet am 23. Januar 2019 von 19.00 bis 20.30 Uhr bei der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin statt.

Abb.: Der will nur spielen

Chinesische Nachrichten

Wie verschiedene Medien melden, hat die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua ein System vorgestellt, das im Fernsehen Nachrichten verlesen kann. Die verfügbaren Avatare sind realen Sprechern nachgebildet, nämlich Qiu Hao und Zhang Zhao. Die digitale Kopie von Qiu spricht chinesisch, die von Zhang englisch. „Das System nutzt Künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen, um die Stimme, Lippenbewegungen, Mimik und Gestik der Vorbilder möglichst realistisch zu imitieren. Dadurch solle ein möglichst lebensnahes Abbild entstehen und kein kalter Roboter, erklärte Xinhua. Das System ist zudem lernfähig. Das bedeutet, die Avatare lernen von Videos menschlicher Sprecher und werden dadurch mit der Zeit besser.“ (Golem, 9. November 2018) Im Moment klingt die Stimme von Zhang erstaunlich künstlich. Die Stimmen üblicher Text-to-Speech-Engines erreichen eine bessere Qualität. Mit Hilfe von SSML kann man sie noch menschenähnlicher gestalten. Virtuelle Nachrichtensprecher sind insgesamt ein alter Hut. Ananova, eine virtuelle Nachrichtensprecherin, hatte vor 20 Jahren eine gewisse Popularität erlangt. Sie wechselte 2000 für eine Ablösesumme von 95 Millionen Pfund zum Telefonanbie­ter Orange.

Abb.: Ein chinesischer Avatar?

„Pflegeroboter“ bei Springer erschienen

Das Buch „Pflegeroboter“, herausgegeben von Oliver Bendel, ist im November 2018 bei Springer Gabler erschienen, herunterladbar bei SpringerLink (bis Ende des Jahres folgt die Printausgabe). Es bündelt technische, wirtschaftliche, medizinische und ethische Reflexionen über Pflegeroboter. Autorinnen und Autoren sind (in alphabetischer Reihenfolge) Elisabeth André, Heidrun Becker, Oliver Bendel, Hans Buxbaum, Sabine Daxberger, Nicola Döring, Michael Früh, Alina Gasser, Christoph Gisinger, Klaus Hauer, Manfred Hülsken-Giesler, Kathrin Janowski, Christoph Kehl, Jeanne Kreis, Birgit Lugrin, Katja Mombaur, Hartmut Remmers, Hannes Ritschel, Daniel Schilberg, Sumona Sen und Bernd Carsten Stahl. Manche Autoren gehen Fragen aus Wirtschafts-, Medizin- und Informationsethik nach: Wer trägt die Verantwortung bei einer fehlerhaften Betreuung und Versorgung durch die Maschine? Inwieweit kann diese die persönliche und informationelle Autonomie des Patienten unterstützen oder gefährden? Ist der Roboter eine Entlastung oder ein Konkurrent für Pflegekräfte? Weitere Informationen über www.springer.com/de/book/9783658226978. Zur Verfügung steht auch ein Flyer.

Proceedings of Robophilosophy 2018

In November 2018 the „Proceedings of Robophilosophy 2018“ with the title „Envisioning robots in society – power, politics, and public space“ were published. Editors are Mark Coeckelbergh, Janina Loh, Michael Funk, Johanna Seibt, and Marco Nørskov. In addition to the contributions of the participants, the book also contains abstracts and extended abstracts of the keynotes by Simon Penny, Raja Chatila, Hiroshi Ishiguro, Guy Standing, Catelijne Muller, Juha Heikkilä, Joanna Bryson, and Oliver Bendel (his article about service robots from the perspective of ethics is available here). Robophilosophy is the most important international conference for robophilosophy and roboethics. In February 2018 it took place at the University of Vienna. Machine ethics was also an issue this time. „Robots are predicted to play a role in many aspects of our lives in the future, affecting work, personal relationships, education, business, law, medicine and the arts. As they become increasingly intelligent, autonomous, and communicative, they will be able to function in ever more complex physical and social surroundings, transforming the practices, organizations, and societies in which they are embedded.“ (IOS Press) More information via www.ios.com.

Fig.: Robophilosophy in Vienna