Schlagworte: Roboterrecht

KI, Ethik und Rechtswissenschaft

Ein interner Event bei Audi am 20. September 2017 in Ingolstadt widmet sich dem Zusammenhang von Künstlicher Intelligenz (KI), Ethik und Rechtswissenschaft. Eingeladen sind als Referenten u.a. Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW), Prof. Dr. Sepp Hochreiter (Johannes Kepler Universität Linz) und Dr. Alexander Mertens (RWTH Aachen). Oliver Bendel erklärt, was Ethik und Moral sind (Ethik als Disziplin, Moral als ihr Gegenstand), was die Maschinenethik ist (eine Disziplin, die nach der Möglichkeit maschineller Moral fragt, so wie die KI als Disziplin nach der Möglichkeit künstlicher Intelligenz) und welchen Artefakten sich die Maschinenethik seit ca. zehn Jahren zuwendet (selbstständig fahrenden Autos, zivilen Drohnen, Pflege- und Therapierobotern, Kampfrobotern, Chatbots, um nur einige Typen zu nennen). Anders als Bereichsethiken wie Informationsethik und Technikethik beschäftigt sich die Maschinenethik nicht nur mit Maschinen, sondern setzt sie auch um, zusammen mit KI und Robotik. Audi wurde 1909 gegründet und gehört zum Volkswagen-Konzern.

Abb.: Ein Modell eines A8

Die Maschine als Rechtssubjekt

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge schwelgen die Macher des Festivals science+fiction, wie sie in einer Nachricht vom 24. Juli 2017 verkündeten, „in Erinnerungen an das vergangene Festival und blicken gleichzeitig voller Tatendrang auf die Ausgabe 2018“. Über scienceandfiction.ch/festival/videos-2017/ kann man sich die Videos der einzelnen Events ansehen, die im Sommercasino Basel vom 5. bis 7. Mai 2017 stattfanden. Am 6. Mai ging es um Roboterrecht und Maschinenethik. Beim Panel „Maschinen und das Gesetz“ wurde gefragt, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit eine Maschine zum Rechtssubjekt wird, ob es in naher Zukunft eines Maschinenrechts bedarf, oder ob sich Maschinen in unsere Rechtsprechung einfügen müssen, und welche Folgen sich ergeben, wenn in einer Mensch-Maschine-Interaktion etwas schief geht. Es moderierte Christoph Keller von SRF 2 Kultur, es diskutierten Wolfram Burgard (Professor für Autonomous Intelligent Systems, Universität Freiburg), Nadine Zurkinden (Postdoc für Strafrecht, Universität Basel) und Oliver Bendel (Professor für Wirtschaftsinformatik und Informationsethik, Hochschule für Wirtschaft FHNW). Die nächste Ausgabe des Festivals findet vom 4. bis 6. Mai 2018 in Basel statt.

Abb.: Kann eine Maschine ein Rechtssubjekt sein?

Das Silicon Valley in Berlins Mitte

In der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften am Gendarmenmarkt fand am 14. Juni 2016 das DVR-Forum „Automatisiertes Fahren und Ethik“ statt. Der Untertitel „Welche Entscheidungen wollen wir Maschinen überlassen?“ deutete den Schwerpunkt an. An der Podiumsdiskussion nahmen Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW), Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf (Universität Würzburg), Prof. Dr. Jürgen Leohold (Volkswagen AG), Prof. Dr. Volker Lüdemann (Hochschule Osnabrück) und Prof. Klaus Kompaß (BMW Group) teil. Es moderierte Monika Jones von der Deutschen Welle. Bendel sprach sich dafür aus, die Roboterautos auf der Autobahn fahren zu lassen. Innenstädte seien in den nächsten Jahren kaum beherrschbar. Als Maschinenethiker sieht er nur geringe Chancen, dass befriedigende Regeln und Formeln in Bezug auf Tod und Leben von menschlichen Verkehrsteilnehmern entwickelt werden. Seine Forschung konzentriert sich daher darauf, dass Haus- und Wildtieren mit Hilfe von Fahrerassistenzsystemen und Roboterautos geholfen wird. Hilgendorf wies darauf hin, dass ein utilitaristisches Durchzählen in manchen Fällen durchaus vom Recht gedeckt sei. Lüdemann problematisierte Roboterautos als Datenkraken. Kompaß und Leohold sprachen aus der Perspektive der deutschen Automobilindustrie, die – wie mehrere Diskutanten bemerkten – unter immer mehr Druck aus dem Silicon Valley gerät. Dieses geriet zum Sinnbild des Wandels in der Branche und war mit einem Mal in Berlins Mitte. Weitere Informationen über www.tag-der-verkehrssicherheit.de.

Roboterrecht im Doktoratsprogramm

In Deutschland wird schon seit einigen Jahren zum Roboterrecht geforscht, vor allem an der Universität Würzburg. Auch an der Universität Basel beschäftigt man sich schon eine Weile mit diesem Gebiet. Die Tageswoche meldet am 22. Februar 2016 mit Blick auf die Stadt am Rhein: „Ab Herbst sollen Doktorierende an der Schnittstelle zwischen Robotik und Recht forschen.“ Samuel Schlaefli wirft zunächst Fragen dieser Art auf: „Wie geht eine Gesellschaft damit um, wenn plötzlich nicht mehr Menschen, sondern Maschinen Entscheidungen treffen? Wer haftet, wenn Menschen durch künstliche Intelligenz verletzt oder gar getötet werden? Könnten Roboter einst als haftbare juristische oder natürliche Personen in unser Rechtssystem eingebunden werden?“ (Tageswoche, 22. Februar 2016) Dann wird u.a. Sabine Gless zitiert, Professorin an der Universität Basel, die die rechtliche Situation bei Robotern mit derjenigen bei Kindern vergleicht. Es brauche „eine rechtspolitische Entscheidung dazu, ob Halter von Robotern nur bedingt haftbar gemacht werden, oder ob sogar eine verschärfte Haftung angebracht wäre“ (Tageswoche, 22. Februar 2016). Der ganze Artikel kann über www.tageswoche.ch/de/2016_5/basel/710239/wer-muss-in-den-knast-wenns-der-roboter-verbockt.htm aufgerufen werden.