Schlagworte: Robotik

Wie gefährlich sind Roboter?

Den Chancen und Risiken von Robotern widmet sich die Bild am Sonntag am 10. Juli 2016 auf einer Doppelseite. „Wie viel Roboter ist gut?“ fragt der Autor, Florian Zerfaß, im Titel. Am 7. Juli sprach er mit Oliver Bendel, Wirtschaftsinformatiker, Informationsethiker und Maschinenethiker, der zu den Chancen zählt, dass Roboter die Menschen unterstützen und entlasten. Konkret erwähnte er gegenüber dem Journalisten das BMW-Werk in Spartanburg, wo Leichtbauroboter die Türdichtungen eindrücken und so die Handgelenke der Arbeiter entlasten, die unmittelbar daneben ihren weniger beschwerlichen Aufgaben nachgehen. Auch Pflegeroboter führte er an, die zusammen mit Pflegern im Tandem die Patienten umbetten und -lagern – Prototypen wie Robear, die in Bälde in Pflegeheimen und Krankenhäusern einsatzbereit sein sollen. Mit Risiken behaftet seien selbstlernende Systeme in offenen Welten. In der BamS wird Oliver Bendel mehrfach zitiert. Unter anderem weist er als Maschinenethiker darauf hin, dass man Maschinen eine Art von Moral beibringen kann. Der Artikel wird auf der Titelseite mit der Frage „Wie gefährlich sind Roboter?“ angeteasert und ist auf den Seiten 8 und 9 abgedruckt. Die Seiten 4 und 5 gehören dem Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, der über seine „großen Baustellen“ reden soll. Eine davon ist die Ethikkommission, die die Entscheidungen automatischer und autonomer Autos aus ethischer Sicht beurteilen und sie in moralischer Hinsicht bestimmen soll. Ob ihr dies gelingen wird, steht in den Sternen. Oliver Bendel warnt davor, dass Autos über Leben und Tod von Menschen bestimmen.

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Abb.: Ist das Mädchen sicher?

Eine Chance zur Befreiung des Menschen

Der Ausschuss Digitale Agenda des Deutschen Bundestages führte am 22. Juni 2016 von 16.00 bis 18.00 Uhr ein öffentliches Fachgespräch zum Themenkomplex „Auswirkungen der Robotik auf Arbeit, Wirtschaft und Gesellschaft“ durch. Als Sachverständige standen Eric Hilgendorf (Universität Würzburg), Raul Rojas (FU Berlin), Ryan Calo (University of Washington), Norbert Elkman (Fraunhofer IPK) und Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW) zur Verfügung. Elkmann warnte mit Blick auf die Robotik vor überzogenen Erwartungen. Hilgendorf mahnte „politisches Handeln an, da sonst die Gefahr bestünde, dass internationale Konzerne die Standards setzen könnten“ (Website Bundestag). Calo blies ins gleiche Horn: „Es dürfe nicht sein, dass der Gesetzgeber sich auf Aussagen der Industrie verlassen muss.“ (Website Bundestag) Er könne sich durchaus die Schaffung einer Robotersteuer und einer Roboterquote vorstellen, erklärte Bendel. Berücksichtigt werden müsse allerdings, dass die derzeitige Ausrichtung des menschlichen Lebens auf die wirtschaftliche Produktivität „eine kapitalistische Ideologie ist, der man nicht zustimmen muss“. „Der Einsatz von Robotern könne daher eine Chance zur Befreiung des Menschen sein.“ (Website Bundestag) Und wäre entsprechend zu fördern. Auch Rojas betonte, die „anstehende industrielle Revolution sei nicht beschäftigungsneutral“. Weitere Informationen und Aussagen sind über www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2016/kw25-pa-digitale-agenda/427996 zu finden.

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Abb.: Wird er uns befreien?

Robotik im Bundestag

Der Ausschuss Digitale Agenda des Deutschen Bundestages führt am 22. Juni 2016 von 16.00 bis 18.00 Uhr ein öffentliches Fachgespräch zum Themenkomplex „Auswirkungen der Robotik auf Arbeit, Wirtschaft und Gesellschaft“ durch. Prof. Dr. Oliver Bendel wurde als Sachverständiger benannt. Der Fokus soll laut den Verantwortlichen nicht allein auf Robotik und Arbeitswelt liegen, sondern es sollen überhaupt die Digitalisierung der Gesellschaft und die damit einhergehenden Probleme und Herausforderungen behandelt werden. Dazu zählen etwa die Ag­gre­ga­ti­on und Verknüpfung von Daten und neue Entwicklungen wie das autonome Fahren. Mit dem Ausschuss „Digitale Agenda“ hat der Deutsche Bundestag laut Website „zum ersten Mal ein ständiges parlamentarisches Gremium, das sich den aktuellen netzpolitischen Themen widmet“ (Website Ausschuss Digitale Agenda). Es „sollen die verschiedenen Aspekte der Digitalisierung und Vernetzung fachübergreifend diskutiert und entscheidende Weichen für den digitalen Wandel gestellt werden“ (Website Ausschuss Digitale Agenda). Netzpolitik sei für den Ausschuss kein „Nischenthema“. Das Gremium sehe sich vielmehr als wichtiger Impulsgeber für die parlamentarische Arbeit. Weitere Informationen über www.bundestag.de/ada.

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Abb.: Die Goldelse in Berlin

Von Mensch und Maschine

Eine öffentliche Sitzung der österreichischen Bioethikkommission trägt den Titel „Von Mensch und Maschine: Roboter in der Pflege“. Sie findet am 2. Mai 2016 im Bundeskanzleramt in Wien statt. Es tragen nach der Eröffnung von Dr. Christiane Druml (Vorsitzende der Bioethikkommission) vor: Prof. Dr. Oliver Bendel, Fachhochschule Nordwestschweiz, Institut für Wirtschaftsinformatik („Die Maschine in der Moral“), Prof. Dr. Mark Coeckelbergh, Universität Wien, Institut für Philosophie („Machine ethics in healthcare“), Prof. Dr. Michael Decker, Karlsruhe Institut für Technologie, Institut für Philosophie („Einsatz von Robotern in der Pflege – empirische Erfahrungen“), Prof. Dr. Jutta Weber, Universität Paderborn, Institut für Medienwissenschaften („Maschinelle Versorgung: Die impliziten Werte der sozialen Robotik und ihre gesellschaftlichen Konsequenzen“) und Markus Wohlmannstetter, MSc., Anästhesiologische Intensivstation 1B, Krankenanstalt Rudolfstiftung („Einsatz von Robotern in der Pflege – aus der Sicht der Pflege“). Das „Wrap-up“ verantwortet Prof. Dr. Ina Wagner, Mitglied der Bioethikkommission. Weitere Informationen über den Flyer zur Veranstaltung.

Bett

Abb.: Das Bett bleibt nicht leer

Yps-Interview online

Das Yps-Interview mit Oliver Bendel zu Robotik und Maschinenethik ist nun auch als PDF verfügbar, mit freundlicher Genehmigung des Chefredakteurs. Yps war jahrzehntelang das Kultheft für Kinder. Diese fieberten vor allem den Gimmicks entgegen, von denen sich einige bis heute im kollektiven Gedächtnis erhalten haben, etwa der Solarzeppelin, das Abenteuerzelt und die Maschine, mit deren Hilfe man eckige Eier macht. Eigene Produktionen, u.a. mit dem karierten Yps-Känguru, und lizensierte Comics dienten als gut bekömmliches und leichtverdauliches Lesefutter. Ein paar Jahre nach der Einstellung im Jahre 2000 erschienen Testausgaben, die sich an Erwachsene richteten. Der große Erfolg blieb zu dieser Zeit aus. Nach einer längeren Pause versuchte man es nochmals, mit einer thematischen Fokussierung auf Mode, Automobile und Technik und einem durchgehenden Bezug – so die Pressemitteilung des Verlags – „zu Karos, Kängurus oder Kohl“. Das Konzept ging auf, und so erhalten die Kinder von damals inzwischen jeden zweiten Monat eine Ausgabe. Die erste des Jahres 2016 wartete mit einem Schwerpunkt zu Robotern und Cyborgs auf. Mit www.yps.de ist das Heft auch im Web präsent.

Die wilden Kerle

„Die wilden Kerle“ lautet der Titel eines Artikels von Lisa Kräher für das Magazin atFERCHAU, der Untertitel „Wie Roboter und Mensch künftig sicher zusammenarbeiten“. „Es wird weltweit intensiv an neuen Technologien geforscht, um den Einsatz von Robotern ohne Schutzzaun zu ermöglichen“, wird Dr. Norbert Elkmann zitiert. „Er leitet das Geschäftsfeld Robotersysteme am Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in Magdeburg. Sicherheit bedeutet zum einen, Kollisionen zu vermeiden, also Abstand zu halten.“ (atFERCHAU, 1/2016) Dafür entwickelt die Einrichtung Lösungen. „Direkter Kontakt zwischen Mensch und Roboter ist bei vielen Anwendungen jedoch unumgänglich.“ (atFERCHAU, 1/2016) Und auch hier gibt es hilfreiche Forschung. Befragt wird zudem Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW. „Der Philosoph und promovierte Wirtschaftsinformatiker … beschäftigt sich an der Hochschule für Wirtschaft FHNW intensiv mit dem Thema. Er sagt: ‚In Zukunft müssen wir auch nach der Moral von Maschinen fragen, weil immer mehr autonome und teilautonome Maschinen Entscheidungen mit moralischen Implikationen treffen.'“ (atFERCHAU, 1/2016) Ein ausführliches Interview mit ihm findet sich über die Website von FERCHAU, genauer über www.ferchau.com/de/de/blog/details/2016/02/09/roboter-werden-generalisten/.

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Abb.: Auch ein wilder Kerl

V-Effekt für Roboter

„Forscher arbeiten unter Hochdruck an sozialen Robotern. Sie sollen echte Gefährten werden, sogar eigene Persönlichkeit entwickeln. So schwindet die Differenz zwischen Mensch und Maschine. Das wirft ethische Fragen auf.“ (RP, 10. März 2016) Mit diesen Worten beginnt der Artikel „Soziale Roboter auf dem Vormarsch“ von Dorothee Krings, erschienen am 10. März 2016 in der Rheinischen Post. Eingegangen wird auf zwei neue Projekte in diesem Bereich: An der Uni Bielefeld wird „an einem Maschinen-Lehrer gebaut, der Einwandererkindern beim Deutschlernen helfen soll“ (RP, 10. März 2016). „Nao ist nur 60 Zentimeter groß, ein niedliches Spielzeug, aber er kann sehen, hören und bald auch die Stimmungslage seines Gegenübers einschätzen – und auf Unlust reagieren.“ (RP, 10. März 2016) In Freiburg „wird an Fritz getüftelt, einem Gestell mit Comicgesicht, das Blickkontakt aufnehmen und die Mundwinkel sinken lassen kann, wenn man sich von ihm abwendet“. Er soll „durchs Museum führen und merken, wenn seine Zuhörer sich langweilen“ (RP, 10. März 2016). „In 20 Jahren wird man Roboter haben, die wirklich unter uns leben, mit denen wir reden, die wir lieben“, wird Oliver Bendel zitiert, „einer der führenden Maschinenethiker, der in der Schweiz lehrt“ (RP, 10. März 2016). Dabei sieht er neben den Chancen die Risiken und macht Vorschläge, wie das Zusammenleben gelingen kann. Er spricht von einem V-Effekt für Roboter, „frei nach dem Theater von Brecht“; „der Roboter hält inne und betont, dass er nur eine Maschine ist“ (RP, 10. März 2016). Der Artikel kann über www.rp-online.de/politik/soziale-roboter-auf-dem-vormarsch-aid-1.5824498 abgerufen werden.

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Abb.: Ich bin nur eine Maschine

Effekte der Digitalisierung

In der größten Tageszeitung der Schweiz, 20 Minuten, schreibt Kaspar Wolfensberger: „Roboter werden die Arbeitswelt grundlegend verändern. Zehntausende Schweizer Jobs könnten verschwinden. Was kann man tun, um nicht verdrängt zu werden?“ Befragt wird u.a. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW (Institut für Wirtschaftsinformatik). Er sagt: „Alles, was mit manueller Arbeit zu tun hat, kann nach und nach ersetzt werden. Wie eine neue Studie des Weltwirtschaftsforums gezeigt hat, sind aber auch Bürojobs durch Roboter bedroht.“ (20 Minuten, 1. Februar 2016) Moritz Hämmerle vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation nennt Zahlen zu Deutschland: „Es gibt verschiedene Studien zur Beschäftigungsentwicklung durch Digitalisierung/Industrie 4.0. Die pessimistischsten sehen ca. 45 Prozent der deutschen Arbeitsplätze als gefährdet an, die optimistischen sehen allein für Deutschland einen Beschäftigungsaufbau von etwa 350.000 Jobs.“ (20 Minuten, 1. Februar 2016) Hannes Lubich von der Hochschule für Technik (Institut für Mobile und Verteilte Systeme) beschwichtigt in Bezug auf pessimistische Schätzungen. Es sei zu bemerken, dass die Schätzungen und der Zeithorizont eine große Varianz aufweisen, „da einfache lineare Prognosen für solche Veränderungen nicht ausreichen und die Zahlen oft auch im Sinne eines Weckrufs oder zur Untermauerung politischer oder gesellschaftlicher Ansprüche verwendet werden“ (20 Minuten, 1. Februar 2016). Der Artikel mit dem Titel „So schützen Sie sich vor der Roboter-Konkurrenz“ ist am 11. Februar 2016 erschienen und kann über www.20min.ch/finance/news/story/11417961 abgerufen werden.

Mensch-Maschine-Entgrenzungen

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) hat im Rahmen des TAB-Projekts „Mensch-Maschine-Entgrenzungen“ eine neue Ausschreibung gestartet. Zum Hintergrund heißt es auf der Website: „Das TAB-Projekt Mensch-Maschine-Entgrenzung beschäftigt sich mit technologischen Trends, die zu einer zunehmenden Verschmelzung von Mensch und Maschine führen. Angetrieben wird die Entgrenzungsdynamik im Wesentlichen durch Entwicklungen in zwei Technologiefeldern: den Neurotechnologien auf der einen Seite, die zu einer fortschreitenden Technisierung des Menschen führen (durch die direkte Kopplung elektronischer Geräte an das Gehirn resp. Nervensystem), sowie der autonomen Robotik auf der anderen Seite, die Maschinen hervorbringt, die nicht nur immer eigenständiger handeln, sondern dem Menschen auch immer ähnlicher werden.“ (Website TAB) Mit Fokus auf Robotik in Pflege und Rehabilitation werden, wie Dr. Christoph Kehl mitgeteilt hat, Gutachten zu folgenden drei Themenfeldern vergeben: 1. Autonome Assistenzsysteme in der Pflege: Potenziale und Grenzen aus pflegewissenschaftlicher Sicht; 2. Pflege- und Rehabilitationsrobotik: Fallstudien zur Forschungs- und Entwicklungspraxis; 3. Rechtliche Herausforderungen und Lösungsansätze autonomer Pflegetechnologien: Haftung und Datenschutz. Abgabetermin für Angebote ist der 15. Februar 2016. Weitere Informationen zur Ausschreibung sowie zur Untersuchung über www.tab-beim-bundestag.de/de/gutachter/g20700.html.

Foundation of Responsible Robotics

„Alle forschen an Robotern und keiner bedenkt, was wir damit anrichten.“ (Website DRadio Wissen, 11. Dezember 2015) Dieser Meinung sei, so der Sender, eine Gruppe von Wissenschaftlern. „Deshalb haben sie die Foundation of Responsible Robotics gegründet, also die Stiftung für verantwortungsvolle Robotik. Bei der Gründungsfeier in London warnte der emeritierte Professor und Mitgründer Noel Sharkey, die britische Regierung stecke zwar viel Geld in die Forschung – aber die Auswirkungen auf die Gesellschaft würden überhaupt nicht bedacht. Und auch ethische Fragen spielten kaum eine Rolle.“ (Website DRadio Wissen, 11. Dezember 2015) Allerdings fragen Informationsethik, Technikethik und Roboterethik sowie Wirtschaftsethik – in vielen Ländern umtriebige Disziplinen – sehr wohl nach ethischen Implikationen des Einsatzes von Robotern, und die Maschinenethik konzipiert sogar moralische Maschinen. Folgende Beispiele führt Noel Sharkey an: „Durch die Automatisierung in der Industrie könnten massenhaft Menschen arbeitslos werden. Auch Menschenrechte würden verletzt, etwa wenn Roboter bei der Betreuung von Senioren mit Kameras filmen. Polizeidrohnen seien in mehreren Ländern mit Waffen ausgerüstet. Selbstfahrende Autos könnten Bomben transportieren und so Selbstmordattentäter ersetzen.“ Das ist freilich nicht das Hauptproblem bei Roboterautos; das Hauptproblem ist, dass diese selbst Menschen töten. „Die Stiftung will erreichen, dass die Forschung solche Gefahren stärker mitdenkt.“ (Website DRadio Wissen, 11. Dezember 2015) Dies ist auf jeden Fall ein ehrenwertes Ziel.