Schlagworte: Tierethik

Tiere haben Rechte, Roboter nicht

Der Artikel „Haben Roboter Rechte?“ von Oliver Bendel aus der Zeitschrift Edison (Ausgabe 2/2018) kann hier heruntergeladen werden. Die zuständige Disziplin für diese Frage ist die Roboterethik (bzw. die Roboterphilosophie). Während sich die Maschinenethik auf die maschinelle Moral und damit allenfalls verbundene Pflichten oder Verpflichtungen konzentriert, interessiert sich die Roboterethik auch für moralische Rechte von Maschinen, insbesondere von Robotern. Schon vor Jahrzehnten hat man über diese Frage nachgedacht, doch in letzter Zeit gibt es diesbezügliche Überlegungen und Forderungen, denen man als Ethiker etwas entgegensetzen muss. Denn Oliver Bendel ist der Meinung, dass Roboter keine Rechte haben, haben werden und haben sollen. In seinen Ausführungen zieht er Vergleiche mit Menschen, Tieren und Pflanzen (Tiere haben Rechte, Pflanzen nicht). Er erwähnt in „Haben Roboter Rechte?“ auch Sophia, den humanoiden Roboter, dem in Saudi-Arabien die Staatsbürgerschaft verliehen wurde. Ihr wird in Edison zudem ein eigener Beitrag gewidmet.

Abb.: Tiere haben Rechte

Roboter ernten Spargel

„Steht die Spargelernte an, kämpfen Landwirte alljährlich mit den gleichen Problemen: Die Stangen müssen gestochen werden, aber Helfer sind rar.“ So beginnt der Artikel „Roboter übernehmen erstmals die Spargelernte“ auf Heise Online vom 20. April 2018. Die Maschine des Unternehmens Cerescon kann „in einem einzigen Durchgang den gesamten reifen Spargel ernten, für den bisher 60 bis 75 Arbeitskräfte drei Tage hintereinander eingesetzt werden mussten“ (Heise Online, 20. April 2018). „Mit dem Sparter benötigen die Landwirte nur noch zwei Personen für die Ernte: einen Traktorfahrer und einen Operator zur Überwachung. Die Kosten ließen sich somit halbieren, der Kaufpreis von rund 600.000 Euro amortisiere sich in höchstens dreieinhalb Erntesaisons.“ (Heise Online, 20. April 2018) Schon früher haben sich Roboter, so Heise Online, bei Aufgaben in der Landwirtschaft als wertvolle Helfer erwiesen. „Autonome Maschinen ernten Felder ab oder verpacken Heuballen, Drohnen versprühen Dünger. Doch anspruchsvolles Obst wie Äpfel oder auch Gemüse wie Gurken oder Blumenkohl stellen große Herausforderungen für die Konstrukteure dar.“ (Heise Online, 20. April 2018) Wichtig in diesem Kontext sind Ansätze der Maschinenethik, um Tiere zu verschonen, und der Tier-Maschine-Interaktion.

Abb.: Roboter ernten Gemüse

Serviceroboter im Wolfspelz

„Große, rote Augen in einem haarlosen Gesicht: Dieser Wolf sieht aus, als sei er einem japanischen 70er-Jahre-Monsterfilm entsprungen. Wie aus der Fiktion sind auch die Geräusche, die er von sich gibt: Der Wolf kann nicht nur furchterregend heulen, sondern auch sprechen.“ (Golem, 28. August 2017) Das wiederum erinnert an den bösen Wolf in „Rotkäppchen“, wobei angemerkt sei, dass es einen solchen eben nur im Märchen gibt. „Der Monsterwolf ist in Wirklichkeit eine robotische Vogelscheuche im Wolfspelz. Er ist 65 Zentimeter lang und 50 Zentimeter hoch. Mit Hilfe von Infrarotsensoren erfasst er, wenn sich echte Tiere dem Reisfeld, an dessen Rand er aufgestellt ist, nähern.“ (Golem, 28. August 2017) Und weiter: „Rehe, Vögel, Wildschweine und sogar Bären vertreibt er durch laute Geräusche: Mit bis zu 95 Dezibel kann er heulen, fauchen, wie ein Mensch sprechen, Gewehrschüsse nachahmen – insgesamt beherrscht die Maschine 18 verschiedene Geräusche. Die Töne sollen variieren, damit sich die zu vertreibenden Tiere nicht daran gewöhnen.“ (Golem, 28. August 2017) Damit ist der Roboterwolf ein Fall für die Tier-Maschine-Interaktion sowie für die Maschinenethik. Und natürlich für die Tierethik.

Abb.: Sie hat keine Angst vor dem bösen Wolf

LADYBIRD-Projekt startet

An der Hochschule für Wirtschaft FHNW startet im März 2017 das LADYBIRD-Projekt. Die Idee des tierfreundlichen Staubsaugerroboters kommt seit 2013 in verschiedenen Publikationen von Oliver Bendel vor. In der Online-Zeitschrift inside-it.ch heißt es, Serviceroboter wie Haushalts- und Gartenroboter „sind in zahlreichen Ausführungen erhältlich und erleben einen wahren Boom“. Und weiter: „Ein gewöhnlicher Saugroboter verschlingt das, was vor ihm und unter ihm ist. Dazu gehören nicht nur Staubflocken und Kekskrümel, sondern auch Spinnen und Käfer. Nach der Meinung vieler Menschen sollte man Tiere nicht einfach verletzen oder beseitigen. Man kann den Roboter mit Bilderkennung und Bewegungssensoren ausstatten und ihm beibringen, Lebewesen vor dem Tod zu bewahren.“ Im letzten Jahr erstellte Oliver Bendel einen annotierten Entscheidungsbaum für die einfache moralische Maschine. Zudem wurden in einem Paper, das Ende März im Rahmen der AAAI-Konferenz an der Stanford University präsentiert wird („LADYBIRD: the Animal-Friendly Robot Vacuum Cleaner“), technische Details behandelt. In dem Praxisprojekt arbeiten zwei Studenten und eine Studentin über mehrere Monate. Auftraggeber ist Oliver Bendel, Betreuer Bradley Richards. Wie in anderen Projekten innerhalb der Maschinenethik an der Hochschule geht es darum, dass am Ende ein Prototyp mit den wichtigsten Komponenten und Funktionen vorliegt.

Abb.: Bekannt ist LADYBIRD bereits – nun wird er gebaut

Vorsicht Wildwechsel

„Navi und App könnten bald vor Wildwechsel warnen“ – so der Titel eines Artikels in der FAZ vom 11. Oktober 2016. Im Teaser heißt es: „Die Zahl der Wildunfälle erreichte 2015 hessenweit einen Rekord. Es ist schwer vorauszusagen, wo Hirsch oder Wildschwein die Straßen kreuzen. Ein Doktorand arbeitet daran, wie Autofahrer besser gewarnt werden können.“ (FAZ, 11. Oktober 2016) Matthias Böhm von der Straßenbaubehörde Hessen Mobil will bis zum Jahr 2020 eine spezielle Datenschnittstelle entwickeln. „Sie soll es Radiosendern oder Anbietern von Apps und Navigationsgeräten ermöglichen, ihre Nutzer lokal vor Hirsch, Reh oder Wildschwein zu warnen.“ (FAZ, 11. Oktober 2016) Tierfreundliche Ansätze gibt es seit Jahren auch in der Maschinenethik. Dabei wird versucht, dem Auto selbst Entscheidungen zu ermöglichen, die sich als gut für Tier und Mensch erweisen. Hilfreich sind Systeme mit Radar, Lidar und Infrarot und Kameras sowie annotierte Entscheidungsbäume, in denen die Lebewesen qualifiziert und quantifiziert werden. Dies ist notwendig, denn um mobil zu bleiben, darf der Wagen nicht vor jedem Insekt oder vor jeder Schnecke abbremsen. Generell müssen auch der Verkehr hinter ihm und der Gegenverkehr berücksichtigt werden. Weitere Informationen über www.faz.net.

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Abb.: Der Jaguar ist in unseren Breiten eher selten anzutreffen

 

Tier-Maschine-Interaktion im Hörsaal

„Überlegungen zur Disziplin der Tier-Maschine-Interaktion“ hat Oliver Bendel beim Workshop „Berechnete Tiere“ an der Universität Bochum angestellt. Man kann ihnen am 18. Juni 2016 ab 18.05 Uhr in DRadio Wissen folgen, in der Hörsaal-Reihe. In der Tier-Maschine-Interaktion geht es um Design, Evaluierung und Implementierung von (höherentwickelten bzw. komplexeren) Maschinen und Computersystemen, mit denen Tiere und die mit Tieren interagieren und kommunizieren. Die Tier-Maschine-Interaktion geht in der Tier-Computer-Interaktion (wenn man diesen Begriff eng fasst) nicht auf, da manche Maschinen (etwa Roboter) mehr als Computer sind. Sie sind häufig mobil und intelligent und bewegen sich durch eine natürliche und künstliche Umwelt und sammeln dabei Eindrücke, die ihre Entwickler nicht vollständig vorauszusehen vermögen, und sie können die physische Welt nicht nur mit virtuellen Mitteln auswerten, sondern auch im materiellen Sinne beeinflussen. In einigen Fällen sind die betroffenen Maschinen auch gar nicht verbunden mit Computertechnologien. In seinem Vortrag vom 22. April erläutert der Wirtschaftsinformatiker und Maschinenethiker – sein Studium der Philosophie in den 80er-Jahren umfasste auch die Tierethik – den Begriff der Tier-Maschine-Interaktion und stellt Beispiele aus dem Anwendungsgebiet sowie für einfache moralische Maschinen vor, die sich durch Tierfreundlichkeit auszeichnen. Der Podcast ist nach dem 18. Juni über www.dradiowissen.de/hoersaal abrufbar.

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Abb.: Mit wem oder was interagiert der Pandabär?

Grundrechte für Primaten

Grundrechte für Primaten fordert ein Positionspapier, das im April 2016 erschienen ist. Im Abstract heißt es: „Nichtmenschliche Primaten sind hochkomplexe Wesen und besitzen ein fundamentales Interesse daran, zu leben und körperlich und geistig unversehrt zu bleiben. Die bestehenden rechtlichen Bestimmungen in der Schweiz tragen diesen Interessen aber kaum Rechnung, weshalb Primaten des Schutzes durch Grundrechte bedürfen. Um die Forderung nach Grundrechten umzusetzen, wird ein konkreter Vorschlag für eine kantonale Initiative gemacht, die die Verankerung von Grundrechten auf Leben und auf körperliche und geistige Unversehrtheit für nichtmenschliche Primaten auf kantonaler Verfassungsstufe verlangt.“ Autorinnen und Autoren sind Raffael Fasel (Sentience Politics), Charlotte Blattner (PhD-Kandidatin im Völker- und Tierrecht, Universität Basel), Adriano Mannino (Präsident von Sentience Politics) und Tobias Baumann (Leiter Strategie von Sentience Politics). Als Unterstützer werden Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft, Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW) und Prof. Dr. Markus Wild (Universität Basel) genannt. Bendel verbindet in seiner Forschung Maschinen- und Tierethik und hat im April 2016 zur Tier-Maschine-Interaktion an der Universität Bochum vorgetragen. Wild vertritt an seiner Hochschule u.a. die Tierphilosophie, inklusive der Tierethik, sowie die Philosophie der Biologie. Das Positionspapier kann direkt über sentience-politics.org heruntergeladen werden.

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Abb.: Ein Primat wie du und ich

Menschenleben sind keine Rechengröße

In der Stuttgarter Zeitung vom 12. März 2016 ist ein ganzseitiges Interview – geführt hat es der Wissenschaftsjournalist Dr. Werner Ludwig – mit Prof. Dr. Oliver Bendel aus Zürich erschienen. Der Wirtschaftsinformatiker und Ethiker geht u.a. auf autonome Autos ein: „Ich bin nicht gegen das autonome Auto an sich. Ich bin ja selbst Maschinenethiker und konzipiere Maschinen, die bestimmte moralische Entscheidungen treffen. Ich bin nur der Meinung, dass das Auto eigentlich kein geeignetes System für die praktische Anwendung ist – zumindest, wenn es dabei um Menschenleben geht. Ich beschäftige mich stattdessen mit der Frage, wie man Kollisionen mit Tieren vermeiden kann. Auch das ist ja ein ethisches Problem. Ich frage mich zum Beispiel, ob man nicht Autos bauen könnte, die vor dem letzten Frosch seiner Art bremsen – natürlich nur, wenn dahinter keiner fährt. Ich halte es für schwierig und kaum akzeptabel, dass Maschinen über Menschenleben entscheiden.“ (Stuttgarter Zeitung, 12. März 2016) Das Interview mit der Überschrift „Menschenleben sind keine Rechengröße“ ist auf Seite 11 zu finden. Es kann, mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Zeitung, hier heruntergeladen werden.

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Abb.: Auch ein Bus kann autonom fahren

Die Drohne im Wald

Die Universität Zürich meldete am 10. Februar 2016: „Forscher der Universität Zürich, der Universität der italienischen Schweiz sowie der Fachhochschule Südschweiz haben für Drohnen eine Software entwickelt, die Waldwege erkennen und ihnen selbständig folgen können. Mit den neuen Drohnen können in Wäldern und Berggebieten vermisste Personen schnell gefunden und gerettet werden.“ Prof. Davide Scaramuzza betont, wie anspruchsvoll das „autonome Fliegen in komplexen Umgebungen“ ist. „In solchen Umgebungen kann jeder noch so kleine Fehler einen Absturz zur Folge haben. Roboter brauchen darum ein leistungsfähiges Gehirn, um die komplexe Welt, die sie umgibt, zu verstehen.“ (Medienmitteilung, 10. Februar 2016) In der Mitteilung heißt es weiter: „Die Drohne der Forscher nimmt ihre Umgebung mit Hilfe von zwei kleinen Kameras, ähnlich jener in Smartphones, wahr. Anstelle von komplizierten und teuren Sensoren macht ihre Drohne von künstlicher Intelligenz Gebrauch, um vom Menschen gemachte Wege in den Kamerabildern zu erkennen.“ Das Projekt wäre interessant auch im Kontext der Tier-Maschine-Interaktion, der Maschinenethik und der Tierethik. In Wäldern besteht die Gefahr, dass die Drohne auf Wildtiere trifft, diese aufschreckt und verletzt, und es gibt Ansätze zur Vermeidung, wie auch dieses Paper zeigt. Weitere Informationen über www.mediadesk.uzh.ch/articles/2016/drohnen-suchen-selbstaendig-auf-waldwegen-nach-vermissten-.html.

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Abb.: Was macht die Drohne mit dem Hirsch?

Berechnete Tiere

Der Workshop „Berechnete Tiere: Technik und Verdatung in den Human-Animal Studies“ (Teil des DFG-Projekts „Das verdatete Tier“) findet vom 22. bis 23. April 2016 im Blue Square Bochum statt. Veranstaltet wird er von Ina Bolinski und Prof. Dr. Stefan Rieger von der Ruhr-Universität Bochum. Im Flyer werden Hintergrund und Intention beschrieben: „Der Workshop möchte mit den berechneten Tieren einerseits solchen Wesen nachspüren, die ihre Existenz technischen Verfahren verdanken und ihren Ursprung im Computer haben. Andererseits sollen auch Tiere, die aufgrund von verschiedenen Techniken zu ‚verdateten Tieren‘ oder durch technische Apparaturen selbst zum Datengenerator werden, im Fokus stehen. Mit der Fügung der berechneten Tiere werden somit zwei aktuell entfernte Topoi bemüht: Das Tier, das als Verkörperung natürlicher Intuition und vom Instinkt geleitet gilt, gerät im Modus des Berechnens an Konzepte von Rationalität und an die Möglichkeit der Verkörperung in und durch technische Prozesse. Zu fragen ist daher, in welchem Verhältnis Tier und Technik zueinander stehen.“ Oliver Bendel (Brugg-Windisch) stellt „Überlegungen zur Disziplin der Tier-Maschine-Interaktion“ an, Thomas Schmickl (Graz) geht auf „Biohybrid systems – Tiere, Pflanzen, Roboter, Agenten und Algorithmen“ ein, Sibylle Hahshold (Graz) erzählt „Von Bienen, Robotern und Algorithmen“. Weitere interessante Vorträge erwarten das Publikum, das sich einbringen darf und soll. Es wird um Anmeldung per E-Mail an ina.bolinski(a)rub.de bis zum 15. April 2016 gebeten. Der Flyer kann hier heruntergeladen werden.

Kondensator

Abb.: Kondensatoren oder Lebewesen?