Die Doppelgänger von Agnetha und Co.

Bei Deutschlandfunk Kultur sprach am frühen Morgen des 27. Mai 2022 der Moderator Dieter Kassel mit Prof. Dr. Oliver Bendel über die ABBA-Show Voyage in London und die ABBAtare. Diese speziellen Avatare wurden mit hohem Aufwand generiert. Man hat Agnetha, Björn, Anni-Frid und Benny wochenlang ihre Songs vortragen lassen und dabei ihre Bewegungen beim Tanzen und ihre Emotionen beim Singen erfasst. Vor allem hat man Motion Capture verwendet. Die vier wurden in spezielle Ganzkörperanzüge gesteckt, auf denen Marker befestigt sind. Zudem wurde die Mimik aufgezeichnet, vor allem, um die Emotionen zeigen zu können. 160 Kameras haben von allen Seiten gefilmt. Die Gesichter wurden anschließend digital verjüngt. Und offensichtlich auch die Körper. Die Avatare werden direkt auf die Bühne projiziert. Man macht dies in diesem Fall mit Hilfe von Projektoren, Reflektoren und großen Flächen mit reflektierender Folie. Die Avatare sollten am Ende aussehen wie Hologramme, also eine Präsenz im Raum haben. Es ist in diesem Fall sozusagen keine physische Präsenz wie bei Robotern, sondern eine virtuelle. Wobei das nur die halbe Wahrheit ist, denn die Projektionsflächen sind physisch vorhanden. Man soll sie nur nicht sehen. In London tritt eine Band auf, die ABBA ist und doch nicht ABBA ist. Man könnte sogar sagen, dass die ABBAtare die Songs der Originale covern. Es handelt sich um Playback, aber die Avatare entwickeln ein Eigenleben. Björn hat dazu gesagt: „Ich sehe diesen jungen Typen auf dem Bildschirm und habe das Gefühl, der hat eine eigene Persönlichkeit. Das bin ich. Aber da ist auch noch etwas anderes.“ (Südkurier, 26. Mai 2022) Oliver Bendel veröffentlichte 2001 im „Lexikon der Wirtschaftsinformatik“ den Beitrag „Avatar“ und 2019 im Springer-Buch „AI Love You“ (2019) den Beitrag „Hologram Girl“ …

Abb.: Avatare erobern die Bühnen

Roboterliebe in London

Am 19. und 20. Dezember 2017 findet der „Third International Congress on Love and Sex with Robots“ in London statt. Die akzeptierten Papers sind auf loveandsexwithrobots.org/program/ aufgelistet. Den Anfang macht Prof. Dr. Oliver Bendel (School of Business FHNW, Schweiz) mit „SSML for Sex Robots“. Er hatte im vergangenen Jahr am Goldsmiths über Sexroboter aus Sicht der Maschinenethik vorgetragen. Dieses Mal widmet er sich synthetischen Stimmen. Prof. Dr. Sophie Wennerscheid (Ghent University, Belgien) ist mit ihrem Thema „Posthuman desire in robotics and science fiction“ vertreten, Dr. Rebekah Rousi (University of Jyväskylä, Finnland) mit „Lying cheating robots – robots and infidelity“, Prof. Dr. Deborah Blizzard (Rochester Institute of Technology, UK) mit „The Next Evolution: The Constitutive Human-Doll Relationship as Companion Species“. Aus der Schweiz kommt ein weiterer Beitrag, nämlich „Dolores and Robot Sex: Fragments of Non-Anthropocentric Ethics“ von Prof. Dr. Thomas Beschorner (University of St. Gallen, Schweiz) und Florian Krause (ebd.). Das Buch mit den Beiträgen der letzten Konferenz ist Ende April 2017 bei Springer erschienen. Weitere Informationen über loveandsexwithrobots.org.

Abb.: Roboterliebe